Hingehört: The Byrds – “The Very Best Of”

Dezember 2, 2000 · Posted in CD-Regal, Musik 

Hier wurde der Folkrock erfunden: das allerbeste von den Byrds.

Künstler The Byrds
Album The Very Best Of The Byrds
Label Columbia
Erscheinungsjahr 1997
Bewertung ****

Die Standardsätze gleich vorweg: Die Byrds waren die amerikanischen Beatles. Die Byrds waren die idealen Dylan-Interpreten. Die Byrds haben Folk-Rock, Space-Rock und Country-Rock erfunden. Die Egos der musikalischen Genies Roger McGuinn, David Crosby, Gene Clark und Gram Parsons waren zu groß, um sich auf Dauer in den Dienst einer Band zu stellen.

Soweit der Pflichtteil, nun zu den Songs auf diesem randvollen Greatest-Hits-Album. Der Opener Mr. Tambourine Man ist vielleicht der wärmste Song, der je aufgenommen wurde. Die 12-String-Rickenbacker, die Harmonies und natürlich das Tamburin: Sommer in Tönen. Noch besser gelingt Chimes Of Freedom: selbst für Dylan-Verhältnisse ein unglaublich runder, harmonischer Song, kongenial umgesetzt. Man sieht förmlich die Hippie-Mädchen vor sich, die Blumen im Haar haben und sich zu diesem Song lachend im Kreis drehen. In Turn! Turn! Turn! kommt Roger McGuinns unnachahmliches Picking wunderbar zur Geltung, das ihn zu einem der unverwechselbarsten Gitarristen der Rock-Geschichte machte.

Diesem typischen Byrds-Sound wird alles angepasst. So kommt Dylans The Times They Are A-Changing etwas weichgespült daher, auch wenn das der Substanz des Songs natürlich nichts anhaben kann. Überhaupt hatten die Westküstler in ihren Eigenkompositionen einen leichten Hang zum Überzuckern. He Was A Friend Of Mine – bei aller guter Absicht – ist nur ein Beispiel dafür.

Schon besser gelingen da die psychedelischen Versuche Eight Miles High und vor allem Mr. Spaceman. Über So You Wanna Be A Rock´n Roll Star braucht man ohnehin nur noch ein Wort zu verlieren: Klassiker. Grandios auch der Sound in My Back Pages: Schlagzeug, Bass und Rhythmusgitarre nach außen gestellt, um im Zentrum Raum für die wirklich wichtigen Dinge zu haben: die Stimmen und das Gitarrensolo.

Mit dezentem Glockenspiel, Celli und traumhaften Gesang ist Goin´ Back schlicht perfekt arrangiert. You Ain´t Going Nowhere ist ein weiteres Stück, in dem die Byrds den Autor Dylan zwar erkennen lassen, den Interpreten Dylan aber fast vergessen machen.

Schon alleine die Zeile “What good will it do me / I know what I will find / an empty bottle, a broken heart / and you´re still on my mind” macht verständlich, warum sie Luke McDaniels You´re Still On My Mind aufnahmen. Macht der Text zwar einiges wett, hätte man aber doch nicht unbedingt alle Country-Klischees vom Klimperklavier bis zur Pedal-Steel-Gitarre bedienen müssen. In Flickory Wind kommt dann auch noch die obligatorische Fiddle dazu; bildhübsch bleibt das Stück allerdings trotzdem. Erst bei der Ballad Of Easy Rider verstellt dann nichts den Blick auf die Klasse des Liedes.

Die Version von It´s All Over Now, Baby Blue unterstreicht einmal mehr zwei bekannte Tatsachen: Der Song ist schlicht perfekt, egal ob ihn Dylan, Them, Hole oder eben die Byrds spielen. Die Stärke der Vögelchen liegt dabei – natürlich – im Gesang. Glasklare Harmonies, ein Traum. Passenderweise an den Schluss gesetzt ist Chestnut Mare, praktisch ein Prototyp-Byrds-Song.

Unterm Strich sind sie natürlich nicht die amerikanischen Beatles. Dennoch kann man das Prädikat nachvollziehen. Denn bis zum Jahr 1970 hatte dieses so große Land erst drei große weiße Bands hervorgebracht: Die Beach Boys, die Doors und die Byrds.

Noch zwei Beatles-Parallelen: die Frisuren und die Ed Sullivan Show, in der sie hier Turn Turn Turn singen:

Die Byrds bei MySpace.

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4 Responses to “Hingehört: The Byrds – “The Very Best Of””

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