Hingehört: Blur – “Blur”
| Künstler | Blur |
| Album | Blur |
| Label | Food |
| Erscheinungsjahr | 1997 |
| Bewertung | ****1/2 |
Blur erfinden sich selbst neu. Blur sprengen die Grenzen des konventionellen Songwritings. Blur werden Amerikaner. In Island schaffen Blur den Sprung aus der Britpop-Falle. Blur retten die Rockmusik.
All das haben Kritiker über dieses Album geschrieben. Und auch wenn alle diese Aussagen nicht komplett falsch sind, so lautet die treffendere Quintessenz doch ganz klar: Blur kehren zu ihren Wurzeln zurück. Kein Studio-Schwurbel mehr wie beim überproduzierten Vorgänger The Great Escape. Stattdessen wieder Gitarren, Bass und Schlagzeug wie zu Leisure-Zeiten. Nur ein bisschen besser.
Etwa im superben Beetlebum. “In dem ganzen Lied ist nicht ein gerader Ton”, hat ausgerechnet Robin Gibb einmal über dieses Stück gesagt. Wie sollte da ein noch größeres Kompliment aussehen?
Natürlich besser als Song 2, aber das “wooh-ooh” haben dafür sogar die Amerikaner (miss)verstanden. Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich Song 2 zum ersten Mal hörte. Mein erster Gedanke war natürlich “wow”, mein zweiter war “Nirvana” mein dritter war “Blur werden diesen Song noch zu hassen lernen”. Und so kam es dann auch. Noch in zehn Jahren werden sie keine Show in den Staaten spielen können, ohne dass ständig das halbe Publikum “woo-ooh” ruft. Und noch in zehn Jahren werden Menschen dazu Pogo tanzen. I feel heavy metal.
Erst zum Ende des ersten Drittels sind dann erstmals Tasteninstrumente zu erahnen. On Your Own hat einen Riesengroove, einen tollen Refrain und die Unbeschwertheit von Girls And Boys. Es wäre wirklich ein Schande gewesen, den Song nicht als Single zu veröffentlichen.
You´re So Great, gesungen von Graham, ist die beste Oasis-Parodie, die je geschrieben wurde. Leider hat das bisher noch keiner gemerkt. Und Blur werden es wohl auch kaum selber ausplaudern, sind sie die leidige Rivalität mit den Mancunians doch mit diesem Album endlich losgeworden. Seitdem herrscht friedliche Koexistenz, denn freilich gilt für beide, was Graham in bester Noel-Gallagher-Phrasierung singt: “You´re so great and I love you.” So einfach ist das.
Besonders auffällig werden die Parallelen zwischen diesem Album und Blurs Frühwerk in der zweiten Hälfte des Albums. Death Of A Party ist fast Miss America, Chinese Bombs könnte auch Bang heißen. I´m Just A Killer For Your Love ähnelt von der Atmosphäre her Oily Water, das beinahe klassische Look Inside America wäre auch nach Villa Rosie nicht aufgefallen.
Ganz die neuen Blur ist dann aber Strange News From Another Star. “All I wanna be / is washed out be the sea / I don´t believe in me.” Das hätte es früher nicht gegeben. Damon sieht in sein Innenleben, und Bowie guckt dabei zu. Danach noch Movin´ On, ein beinaher typischer Blur-Kracher, Essex Dogs, auf das sicher auch Sonic Youth stolz gewesen wären, und – die größte Überraschung – kein hidden track.
Rückblickend hatten Blur gar keine Möglichkeit, ein anderes Album als dieses herauszubringen. Gut, dass sie es nicht versucht haben. Kurz vor dem Ende der Einbahnstraße haben sie noch die Kurve gekriegt. The great escape.
Ein Riesenspaß: Der Clip zu On Your Own:
Ähnliche Beiträge:
- Hingehört: Blur – “The Great Escape” Künstler Blur Album The Great Escape Label Food Erscheinungsjahr 1995 Bewertung ***1/2 The Great Escape. Überproduziert. Hybrid. Ohne Seele. Das...
- Hingehört: Blur – “Beetlebum” Künstler Blur Single Beetlebum Label Food Erscheinungsjahr 1997 Bewertung ***1/2 Marketing-Fachleute von Plattenfirmen haben ja einige Verbrechen zu verantworten. Die...
- Hingehört: Blur – “13″ Künstler Blur Album 13 Label Food Erscheinungsjahr 1999 Bewertung ***** Vielleicht ist sie ja an allem schuld. Ist sie sowieso....
- Hingehört: Blur – “Leisure” Künstler Blur Album Leisure Label Food Erscheinungsjahr 1991 Bewertung ***1/2 Eine der unterbewertetsten Platten der 1990er Jahre. Was um so...
- Hingehört: Blur – “Think Tank” Künstler Blur Album Think Tank Label EMI Erscheinungsjahr 2003 Bewertung ***1/2 Man hatte sich im Vorfeld wirklich Sorgen um Blur...
Comments
3 Responses to “Hingehört: Blur – “Blur””
Leave a Reply


[...] mitgewirkt hat, ist herzzerreißend. Crazy Beat hüpft unwiderstehlich auf den Spuren von Jubilee und B.L.U.R.E.M.I. [...]
[...] Album wirklich nicht nennen dürfen. Höhepunkte gibt es reichlich. Der unglaubliche Trip Rainshine mixt Blurs Song 2 mit Raggamuffin, Afrodiziak ist gespenstischer upper-class-HipHop. Exactly Like Me dürfte zu den [...]
[...] Rausschmeißer Compliments versöhnt die späten Blur mit den mittleren Radiohead. Kein Effekt wird hier eingesetzt, um eine Schwäche zu überspielen, [...]