Hingehört: Blur – “Parklife”
| Künstler | Blur |
| Album | Parklife |
| Label | Food |
| Erscheinungsjahr | 1994 |
| Bewertung | ***** |
Parklife wird in 20 Jahren den vernünftigsten Leuten meiner Generation etwa so viel bedeuten wie Revolver oder Exile On Main Street Menschen, die kurz nach dem Krieg geboren worden sind. Ein Klassiker, nichts weniger.
Blur vollenden die auf dem Vorgänger entdeckten Fähigkeiten, verknüpfen Zynismus mit Überzeugung, Dissonanz mit perfekter Harmonie. Dabei kann so etwas heraus kommen wie der grandiose Disco-Track Girls And Boys. Ein Lied voller Sonnenbrillen, Cocktails und Rhythums. Genau wie in Tracy Jacks kehren Blur ihren immer schon enthaltenen Massenappeal nun nach außen.
Inzwischen sind sie auch reif genug, um Hymnen zu schreiben. End Of A Century heißt die erste. “End of a century / it´s nothing special.” Unverschämt bescheiden. Vollends in der Beatles-Liga spielt dann der Titelsong: ein Ausbruch von Kreativität.
Spätestens ab Parklife gibt es für Blur keine Beschränkungen und schon gar keine Konventionen mehr. “Nichts ist unmöglich”, lautet die Devise – und für einen Moment glaubt man, dass die Popmusik vielleicht doch gar nicht so tot ist. Noch nicht ganz im überdrehten Bedhead, vollkommen aber schließlich im unsagbar abgefahrenen Far Out. Ab jetzt muss man dieser Band alles zutrauen. Sogar französische Textzeilen in To The End, der zweiten Hymne. Damon singt herrlich oberflächlich, dann übernehmen die Streicher.
Als Appetizer für The Great Escape wirkt im Rückblick London Loves. Eher noch in der Modern Life Is Rubbish-Tradition steckt Trouble In The Message Center: Ein lupenreiner Rocksong duelliert sich mit einer 1980er-Indie-Keyboard-Melodie und reichlich “ooh-la-la-las”. Am Ende siegt der Rock – und es ist ein Heidenspaß, ihm dabei zuzusehen.
Überhaupt ist die Instrumentierung der heimliche Star dieses Albums. In Clover Over Dover ist eine extrem billig klingende (also wahrscheinlich sauteure) Orgel zu hören, die irgendwann von einem Cemballo abgelöst wird. Auch das verschrobene Magic America ist voller Gimmicks und Geräusche, einige dieser Klangquellen kann man wohl eher in der Spielzeug- als in der Gitarrenabteilung kaufen. Passend dazu sind im rabiaten Jubilee einige Sounds zu hören, die man von den Schlüsselanhängern nervender Kleinkinder kennt. Wie gesagt: keine Grenzen.
Die dritte Hymne, This Is A Low macht den Rausschmeißer. “And into the sea / goes pretty England and me.” Es wäre verdammt schade drum.
Natürlich müssen wir hier ironisch werden: Parklife, live bei T in the Park (alles klar?):
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3 Responses to “Hingehört: Blur – “Parklife””
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[...] Singles lassen ohnehin keinerlei Zweifel an Blurs Klasse aufkommen. Stereotypes und Entertain Me haben mindestens Parklife-Niveau und Country House ging (Achtung!) völlig zu Recht als Sieger aus dem Rennen gegen Roll With It [...]
[...] erstmals Tasteninstrumente zu erahnen. On Your Own hat einen Riesengroove, einen tollen Refrain und die Unbeschwertheit von Girls And Boys. Es wäre wirklich ein Schande gewesen, den Song nicht als Single zu [...]
[...] den unbedarften Hörer, der Blur noch immer mit singalong-Popsongs wie Girls And Boys oder Country House assoziiert, kann das erste Hören der Platte mitunter zu einer Tortur werden. [...]