Hingehört: Cake – “Fashion Nugget”

Februar 10, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Die Stärke von "Fashion Nugget": Hier ist kein Ton zuviel.

Künstler Cake
Album Fashion Nugget
Label Capricorn
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung ****1/2

Leider gibt es kaum noch Bands, die den Minimalismus zu schätzen wissen. Cake sind einer der Vertreter dieser kleiner werdenden Spezies. 14 Songs in 48 Minuten, ein (höflich gesagt) funktionales Artwork – und in keinem Song auch nur ein Ton zu viel.

Man weiß diese Qualität bei den Kaliforniern ja bereits seit dem Vorgänger Motorcade Of Generosity zu schätzen. Doch auf Fashion Nugget ist alles noch ein Stück geschmackssicherer, ausgereifter, besser. Etwa für das perfekt in Szene gesetzte Eröffnungslied Frank Sinatra gilt unbedingt: Everything in its right place. Weiterentwickelt hat sich auch das ohnehin schon filigrane Bass-Spiel von Victor Damiani. Auf The Distance pulsiert der Viersaiter dermaßen, dass ihn auch das leicht scheppernde Schlagzeug nicht aufhalten kann. Dann kommt aus dem Hinterhalt die Gitarre und überholt beide noch. Ein Kracher.

Erschreckend meisterhaft gelingt Friend Is A Four Letter Word: typischer Cake-Text, tolle Bläser und eine Klassiker-Melodie. Selten kam John McCreas etwas eigene Stimme so markant rüber wie hier. Immer haarscharf daneben bleibt auch der Refrain von Open Book. “You think she´s an open book / but you don´t know which page to turn to.” Echte Hitqualitäten hat das wunderbar rollende Daria. Wie soll ein Lied auch noch schlecht werden, das mit den Zeilen “when you try to kiss me / I only bit your tongue” beginnt? Race Car Ya-Yas und Stickshifts And Safetybelts (mit der unvergesslichen Zeile “a lot of good cars are japanese”) greifen das Pkw-Thema wieder auf, gelingen aber nicht so gut wie The Distance.

Neben dem Auto-Trio ist auf Fashion Nugget noch ein anderes Dreigestirn vertreten. Und diese drei Stücke verleihen der Platte ihre wahre Größe: die Coverversionen. I Will Survive wurde für Cake zu Recht der ganz große Wurf. Herrlich gesungen, unfassbarer Bass, phänomenale Gitarrenarbeit (selten wurde mit nur einem Ton ein so tolles Solo gespielt). Kein Stück schlechter gerät Perhaps, Perhaps, Perhaps. Zwar kaum tanzbar, aber wie geschaffen für diese Band. Spätestens bei Cakes Version von Willie Nelsons Sad Songs And Waltzes wird klar: Cakes Musik ist die musikalische Entsprechung von Tragikkomik. Diese immer etwas süffisante Stimme, die immer leicht schiefen Bläser, das stets zu kurz kommende Schlagzeug, die abgemagerte Gitarre: herzzerreißend.

In ihren besten Momenten können auch die Eigenkompositionen mit diesen Klassikern mithalten. Das kreativ arrangierte It´s Coming Down zählt zu den besten Wetter-Liedern überhaupt. “It´s raining outside / you´ve nowhere to hide.” Die Reife und Klasse eines Traditionals hat schließlich She´ll Come Back To Me. Da ist sie wieder: die seltsame Stimme, die schiefe Trompete, die dünne Gitarre. Und die Tragikkomik.

Basecap Ah-Ahs: Eine Live-Performance des wuchtigen The Distance:

Cake bei MySpace.

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Comments

2 Responses to “Hingehört: Cake – “Fashion Nugget””

  1. [...] grandiosen Adaptionen unter anderem von Gloria Gaynor und Willie Nelson auf dem Vorgänger Fashion Nugget war alle Welt beim Erscheinen von Prolonging The Magic zunächst darauf gespannt, welche Stücke [...]

  2. [...] machen. World Of Doubt fährt Sprechgesang, eine countryfizierte Gitarre und einen funky Beat auf, was sofort an Cake denken lässt. Seizemic klingt, als würden die Beastie Boys über das Electric Light Orchestra [...]

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