Hingehört: Coldplay – “Parachutes”

März 16, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

"Parachutes" ist leise. Aber vor allem: gut.

Künstler Coldplay
Album Parachutes
Label Parlophone
Erscheinungsjahr 2000
Bewertung *****

“Quiet is the new loud” ist natürlich ein Schmarn. Aber es darf eben ruhig auch mal etwas bedächtig zugehen. Wenn die Melodien stimmen, die Atmosphäre und die Seele. So wie bei Coldplay.

Die Wahllondoner klingen wie eine Mischung aus Radiohead und Travis, haben aber jenseits dieser Ähnlichkeiten ihren eigenen Charme, auch schon auf dem Debütalbum, und sie haben ihn vor allem der einzigartigen Stimme von Chris Martin zu verdanken. Schon der Opener Don´t Panic versetzt einen in diese eigenartige Stimmung, in der man plötzlich alt sein will, auf einer Veranda in der Toscana sitzen und Weißwein trinken. Und ist dann nach gerade einmal zwei Minuten plötzlich vorbei.

Auf Quantität legen Coldplay ohnehin wenig Wert – und das ist gut so. Immer mit der Ruhe, Don´t Panic eben. So wird auch der famose Drive im komplexen Shiver nicht überstrapaziert, Spies braucht nicht viel mehr als Gesang und Gitarre.

Danach Sparks, noch ganz schlaftrunken, ein Hauch von einem Song. Was den Übergang zu Yellow natürlich noch effektvoller macht. Dieses Lied ist ein liebeskranker Trottel, es rennt einer Frau nach, von der es verlassen wurde, es überwindet Hindernisse, es fleht, gerät außer Atem, es erreicht sie fast – und stolpert dann. Bleibt am Boden liegen und weint. Man möchte es trösten, so schön ist es.

Coldplay hätten das verdient, denn sie klingen, als seien sie gute Menschen – oder kämpften zumindest darum. “I wanna live life / and be good to you”, singen sie in We Never Change, und sie meinen das vollkommen unironisch. Natürlich haben auch sie an dieser Welt zu leiden. Aber schließlich ist es eine Welt, in der es Wärme gibt und Liebe. “When you thought that it was over / you could feel it all around / everybody´s out to get you / don´t let it drag you down.” Musik wie diese macht es leichter.
Everyhting´s not lost.

Unfassbar süß: Eine Akustik-Version von Yellow mit einem Zeichentrick-Video:

Coldplay bei MySpace.

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Comments

4 Responses to “Hingehört: Coldplay – “Parachutes””

  1. [...] Wenn man das Booklet aufklappt, sieht man die Band bei der Arbeit, in schwarz-weiß. Das hat Symbolchrakter. Zwar ist Chris Martin noch immer Kopf und Stimme von Coldplay. Doch die anderen, die der Sänger die “beste Band der Welt” nennt, sind diesmal deutlich präsenter. A Rush Of Blood To The Head ist körperlicher als Parachutes. [...]

  2. [...] hat wieder den patentierten Schunkelrhythmus wie einst Why Does It Always Rain On Me? Auf ein Coldplay-Piano setzt In The Morning, beinahe Jazz wird Shadow Boxing mit einer komplexen Pianofigur und [...]

  3. [...] To Where I Started hat bei Coldplays Yellow sehr genau aufgepasst, baut aber nicht erst langsam Dramatik auf, sondern beginnt gleich wie [...]

  4. [...] und akustisch zu, gar ein Akkordeon ist zu hören. These Are The Days lässt öfter an Embrace, Coldplay und Keane denken – und wimmelt von [...]

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