Hingehört: Counting Crows – “August And Everything After”

April 16, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Weichei - und stolz darauf. Das ist der Sound von "August And Everything After".

Künstler Counting Crows
Album August And Everything After
Label Geffen
Erscheinungsjahr 1993
Bewertung ****1/2

Das also hat Grunge angerichtet. Cobain klagte, nun jammern alle. Schreiben sentimentale Lyrik, vertonen sie mit Mandolinen und Akkordeons und winseln dazu derart, dass Yoko Ono neidisch werden könnte. Adam Duritz, der Sänger und Texter der Counting Crows, ist ein Weichei, und er hat nicht einmal Scheu, sich dazu zu bekennen. Die Musik ist hier offensichtlich Selbsttherapie. Duritz braucht sie, um sich Mut zu machen. Und wir auch.

Denn selten klang übertriebene Emotionalität so gut wie hier. Die Texte sind nicht frei von Hippie-Psychologie, wie die ganze Band ohnehin etwas ungewaschen aussieht, doch die Songs sind perfekt produziert, wunderbar instrumentiert und feine Gitarrenmusik zwischen Pop und Folk. Bedächtiger Beginn, dann etwas Schwung, ein dramatisches Finish: das Rezept funktioniert bestens, ob in Round Here oder dem grandiosen Mr. Jones.

Der heimliche Star der Platte ist dabei Drummer Steve Bowman. Eher zurückhaltend als virtuos koloriert er die Stücke prächtig, lässt Perfect Blue Buildings verschlafen und Anna Begins nebelverhangen werden. Spätestens bei Time And Time Again ist man in die Atmosphäre dieser Platte versunken. “I wanted the ocean to cover over me / I wanna sink slowly without getting wet / maybe someday I won´t be so lonely / and I´ll walk on water every chance I get.” Sullivan Street wird von Maria McKees Backingvocals veredelt, Ghost Train scheint in einer Wolke aufgenommen worden zu sein.

Die besten Stücke haben sich die Counting Crows dabei noch für den Schluss aufgehoben. A Murderer Of One groovt vorzüglich – und darunter schwelt die Eifersucht. “Are you happy where you´re sleeping / does he keep you safe and warm / does he tell you when you´re sorry / does he tell you when you´re wrong?” Raining In Baltimore wird getragen von Klavier und Gesang. Ein herrlicher Song über Sehnsucht und Misstrauen. “I need a phonecall, I need a planeride, I need a sunburn”, barmt Adam Duritz. “I wish it was a small world / ´cause I´m lonely for the big towns / I´d like to hear a little guitar.” Manchmal hilft das ja schon.

Ungewachen, aber eingängig: Der Clip zum Hit Mr. Jones:

Counting Crows bei MySpace.

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Comments

6 Responses to “Hingehört: Counting Crows – “August And Everything After””

  1. [...] So wird Can´t We Move This fast zur Folkrock-Nummer, die man so auch von den Gin Blossoms oder Counting Crows hätte hören können. Oder von Neil Young, der hier sowieso allgegenwärtig [...]

  2. [...] mit anderen radiokompatiblen Gitarrenrockbands messen. Einige Male drängen sich Vergleiche zu den Counting Crows, aber auch zu Midnight Oil und vor allem zu den Manic Street Preachers [...]

  3. [...] sich schon immer eine Band wie die Counting Crows gewünscht hat, aber ohne die Exaltiertheit von Adam Duritz, der wird ob der Existenz von Patty [...]

  4. [...] Eagle Eye Cherry zu Radiohits verholfen haben. My Heroics Part One ist eine schöne Klavierballade im Stile der Counting Crows, ein bisschen sexy, ein bisschen [...]

  5. Fotos, Werk 2, Leipzig : shitesite on Februar 3rd, 2011 23:34

    [...] ist die erste Zugabe und gibt Toms Stimme, irgendwo zwischen Adam Duritz, Evan Dando und Gisbert zu Knyphausen, ganz viel Raum. Auch Explodieren singt er alleine zur Gitarre [...]

  6. [...] The Hill klingt, wie man das von einer Session-Größe erwarten dufte: Auf dem Album regiert die Könnerschaft. Mit vielen tollen Gitarrensounds, ein paar hübschen Melodien und prominenten Mitstreitern wie Jim Keltner (Drums) und Ivan Neville (Keyboards) wird das ganze Spektrum von Blues bis Country, von Rock bis Bluegrass abgesteckt. Pete Droge (The Hill, Northern Hights) oder die Rembrandts (Road) können als Bezugspunkte dienen. Wenn es besonders entspannt (und ein bisschen melancholisch) wird, wie bei Fool, dann könnte das auch zu den Counting Crows passen. [...]

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