Hingehört: Crowded House – “Recurring Dream”

April 26, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Kinderlieder mit heiserer Stimme: "Recurring Dream".

Künstler Crowded House
Album Recurring Dream – The Very Best Of
Label Capitol
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung ***1/2

Musikalisch fanden die Brüder Neil und Tim Finn leider nur für das Album Woodface zusammen. Das 1991er Werk war das beste Album von Crowded House und ist auf ihrem Recurring Dream – The Very Best Of mit den vier Singles eher noch unterrepräsentiert.

Denn was Neil Finn davor und danach ohne seinen Bruder komponierte, erreichte nur selten diesen Standard. Eines besticht jedoch auch in den schwächeren Stücken: seine Stimme. Natürlich ist Neil Finn (so sehr er es auch versucht) nicht John Lennon, dennoch hat sein Gesang etwas, das den Hörer tief beeindrucken kann. “Simultaneously the saddest and most uplifting thing I´ve heard”, beschreibt Peter Paphiles in seiner liner notes die Musik von Crowded House. In der Tat ist es diese Spannung zwischen Kinderlied-Melodie und seltsam heiserer Stimme, die den Reiz der Band ausmacht.

Das reicht aber nicht, um 1980er-Konfektionsware wie World Where You Live oder When You Come wirklich interessant zu machen. Aufregender ist da schon Locked Out, vielleicht der einzig gute Rocksong, den Crowded House je hinbekommen haben. Nicht umsonst sind sie ja eher für Balladeskes bekannt. Da passt es ins Bild, dass Schnulzier Paul Young ihr Don´t Dream It´s Over zum Hit gemacht hat, ohne das Stück dafür groß ändern zu müssen. Schließlich haben wir es hier mit einer der besten Singles überhaupt aus den 1980er Jahren zu tun.

Into Temptation erinnert in Atmosphäre und Instrumentierung an Four Seasons In One Day, ohne dieses Ausnahmestück jedoch erreichen zu können. Besser gelingt da schon das leichtfüßige Pineapple Head mit diesem typischen Crowded-House-Refrain, der sich langsam anschleicht, dann nur ganz kurz in seiner vollen Schönheit stehenbleibt, um in einer herben Harmonie schnell wieder zu verschwinden.

Im sphärischen Private Universe steht Neil Finns Stimme ganz im Mittelpunkt, das beatleske Not The Girl You Think You Are kommt im Walzertakt daher, Instinct ist zumindest zu Beginn tatsächlich sexy.

Im Schlussteil macht die Platte dann noch einmal richtig Punkte gut. Distant Sun ist der herausragende Song des letzten Studioalbums Together Alone. Reduzierter Groove, luxuriöse Melodie. An Springsteen-Tracks erinnert das lebensfrohe Schlagzeug im feinen Something So Strong, dessen Anapher natürlich unwiderstehlich ist, und die versteckten Bläser im tanzbaren Mean To Me. V

ollkommen bezaubernd gerät Better Be Home Soon. Der Rausschmeißer beginnt etwas überambitioniert, profitiert aber von einem catchy Chorus: “Everything is good for you / if it doesn´t kill you.”

Ein Sahnestück der Achtziger: Der Clip zu Don’t Dream It’s Over:

Crowded House bei MySpace.

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Comments

4 Responses to “Hingehört: Crowded House – “Recurring Dream””

  1. [...] wie Your House oder Sweetness erinnern entfernt sogar an 1980er-Jahre-Bands der besseren Sorte, wie Crowded House oder Glass Tiger. Das traumhafte Hear You Me hätte perfekt auf den Soundtrack zum Film City Of [...]

  2. [...] markant genug. Als würde noch jemand eine derart schmeichelnde Stimme zwischen Paul Young und Neil Finn haben. Oder Songs schreiben, die zwischen frühen Bon Jovi und späten Genesis [...]

  3. [...] hier zur Revolution auf — perfiderweise mit einer Eleganz, die sonst höchstens Morrissey oder Crowded House so lässig erreichen und mit einer Stimme, die so einschmeichelnd sein kann wie die von Paul Young [...]

  4. [...] ganz schüchterner E-Gitarre. Etwas zupackender kommt Wrong daher, das die Eleganz und Melancholie der besten Songs von Crowded House hat. I Have To Fall ist eine wunderhübsche Folk-Skizze. Zum Aschluss lebt Lay This Down von feinem [...]

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