Hingehört: Aerosmith – “Pump”

August 14, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Auf "Pump" haben sich Aerosmith endgültig gefunden.

Künstler Aerosmith
Album Pump
Label Geffen
Erscheinungsjahr 1989
Bewertung ****

Wenn Permanent Vacation ein Gitarren-Album war, dann kann man das hier wohl ein Schlagzeug-Album nennen. Die Drums sind weit nach vorne gemischt und meist dominant, und einmal darf der Kessel- und Beckenklopper sogar zu einem Solo ansetzen.

Eine Parallele zu Permanent Vacation sind die seltsamen Sound-Versatzstücke, die hier fast jedem Lied vorangestellt sind. Es gibt also beispielswiese Lied 3.1. und Lied 3.2. Ich habe mir sagen lassen, dass ältere CD-Player das sogar noch als zwei Teile erkennen (über einen Index oder so), aber es ist aus der Mode gekommen. Besser so.

Ganz und gar nicht aus der Mode gekommen ist dieses Album, denn es ist ein (und enthält einige) Klassiker. Aerosmith scheinen sich gefunden zu haben. Alles ist markant und auf den Punkt, kaum mehr was geht daneben. Der schwächste Song ist gleich der erste: Young Lust ist zwar enorm schnell, hat aber keinen Pepp. Dann geht es sehr steil bergauf: F.I.N.E. ist ein unaufhaltsamer Stampfer, Love In An Elevator zwar hoffnungslos überproduziert, aber immer noch ein Hit.

Es folgt das erste Highlight: Janie´s Got A Gun. Wie fast immer bei Aerosmith ein klasse Video und dazu ein Mörder-Song. Diese Melodie ist Steven Tyler angeblich beim Billardspielen in einem Nebenraum des Tonstudios eingefallent. Und man kriegt sie in etwa genau so schwer aus dem Ohr, wie eine Billardkugel aus dem Arsch. Dazu dieser Stabreim! Der Hammer.

The Other Side steht dem in kaum etwas nach. My Girl (Rockabilly auf Koks) und das leicht gebremste Don´t Get Mad, Get Even sind dann etwas schwächer, werden (wie bei allen Klasse-Alben) aber durch den Kontext (= die Lieder davor und danach) aufgewertet. Der vorletzte Track ist Hoodoo Voodoo Medicine Man. Das Stück wird tatsächlich so schräg und unterschwellig bedrohlich wie dieser Name vermuten lässt.

Der Schluss ist das Beste: What It Takes, die Ballade. Steven Tyler singt mit unglaublich viel Soul und Einsatz, und – hey – der Mann ist verzweifelt. Eines der wenigen Lieder hierauf, bei denen der Text mit der Musik Schritt halten kann. Ich hatte dieses Album erst nur auf Kassette von jemandem überspielt. Auf der zweiten Seite war Tom Petty. Dieses Tape habe ich jedenfalls auf der Heimreise von unserer Abschluss-Klassenfahrt im 10. Schuljahr gehört. Eigentlich hat der Song ja nicht so recht zur Provence gepasst, obwohl sogar ein Akkordeon zu hören ist. Ich war auf der Busfahrt jedenfalls gerade dabei, mir einzureden, dass ich ein kalter Hund sei. Aber als ich dieses Lied gehört habe, hatte ich doch plötzlich Liebeskummer. Hat sich toll angefühlt. Solche Lieder vergisst man nicht.

Obwohl What It Takes mein Lieblingslied auf der Platte ist, gibt es hier das Video zu Janie’s Got A Gun, weil er der bessere Clip ist.

Aerosmith bei MySpace.

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Comments

5 Responses to “Hingehört: Aerosmith – “Pump””

  1. [...] ergreifend überambitioniert und suchen verzeifelt nach einer Richtung. “Die Richtung heißt Pump“, möchte man ihnen zurufen, doch weder Magic Touch noch das völlig konfuse Simoriah oder [...]

  2. [...] hat sich seit Pump nicht viel geändert, Aerosmith sind immer noch eine grandiose — naja, in den 1980ern hat man [...]

  3. [...] und er war es ja auch, der kurz zuvor Aerosmith (die auf Trash ebenfalls mit von der Partie sind) zu einem unverhofften Comeback verhalf. Nun holt er den alten Kinderschreck Alice Cooper aus der Versenkung, indem er ihm Songs wie Spark [...]

  4. [...] ist die belangloseste, austauschbarste und leerste Musik, die man sich vorstellen kann. Manchmal Aerosmith-Resteverwertung (Sister Mary), manchmal gar an Hanson erinnernd (Makin Me Crazy). Und: Es klingt [...]

  5. [...] waren sie unter anderem auf Tour mit Gov’t Mule, den Black Crowes, Queens Of The Stone Age und Aerosmith), hat auf Americana aber auch seinen eigene Stil zu bieten. Vor allem wenn es in Pictures Of You [...]

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