Hingehört: The Cranberries – “No Need To Argue”

September 16, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Ein bisschen anders als das Debüt und ein bisschen besser: "No Need To Argue".

Künstler The Cranberries
Album No Need To Argue
Label Island
Erscheinungsjahr 1994
Bewertung ***1/2

Eine organische Entwicklung nennt man so etwas wohl. Das Cover ist gegenüber dem Debüt nur leicht modifiziert, und das gilt auch für die Musik. Noch immer sind die Songs der Cranberries fest im Boden verankert, noch immer dominiert die Stimme von Dolores O´Riordan, noch immer findet Produzent Stephen Street fast stets die richtigen Mittel, um aus all dem ein rundes Ganzes zu machen.

Die Stärken wurden also beibehalten, und Schwächen muss man auf No Need To Argue schon ganz genau suchen. Denn vor allem das Songwriting hat enorme Fortschritte gemacht. Stachen die Singles Dreams und Linger auf dem Vorgänger noch klar heraus, gibt es jetzt gleich eine ganze Reihe von Stücken, die dieses Kaliber haben.

Das fängt schon mit Ode To My Family an. Stimme, Gitarre und Schlagzeug zunächst ganz sanft, im Refrain aber voller Kraft. Famos auch der Drive von I Can´t Be With You: das Schlagzeug ein Springinsfeld, der Bass mehr als verzerrt. Könnte auch eine Single von The Cure sein, wenn da nicht die unverkennbare Stimme von Dolores wäre. Die entrückt auch das verschlafene Twenty One vollständig. Keine Dramatik, nur Atmosphäre. Was man von Zombie nicht gerade behaupten kann. Laut-leise, effektiv wie immer und dank kraftvoller Drums gar nicht so weit weg von Nirvana.

Empty ist dann der erste Schwachpunkt. Durchaus phantasievoll instrumentiert, aber so lang, dass Dolores’ Kopfstimme etwas nervig wird. Auch Everything I Said und The Icicle Melts überzeugen nicht ganz, werden aber jeweils durch die kreativen Drums gerettet. Mit dem zerrissenen Disappointment ist der Durchhänger dann aber vorbei. Ridiculous Thoughts ist fast tanzbar und auf jeden Fall der positivste Song auf dieser Platte – auch wenn er sich manchmal dazu zwingen muss.

Beim Hören von Dreaming My Dreams wagt man sich kaum zu bewegen, aus Angst, man könnte das Lied aufwecken. Yeat´s Grave fasziniert durch den Sprechgesang, das doppelt so lange Daffodil Larment durch seine Stimmung, Vielseitigkeit und die Inbrunst des Vortrags.

Noch emotionaler wird es zum Abschluss. Nur die Stimme von Dolores, dazu eine Trauerorgel. No Need To Argue beschwört der Titel. Und doch weiß er, dass diees nur eine Illusion ist.

Sehr kunstvoll, sehr bunt und fast schon The Cure: Der Clip zur Single I Can’t Be With You:

Die Cranberries bei MySpace.

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Comments

4 Responses to “Hingehört: The Cranberries – “No Need To Argue””

  1. [...] Dido muss man da als Bezugspunkt nennen, und Enya. Vor allem aber erinnert Baertsoens Stimme sofort an die Cranberries. In der Stimme steckt oft eine mühsam unterdrückte Wut, die sich gerade auf dem letzten Millimeter [...]

  2. Hundreds, Centraltheater, Leipzig : shitesite on Dezember 9th, 2010 23:16

    [...] Beth Gibbons, Amanda Palmer und Vienna Teng (jeweils große Portionen) sowie Alanis Morissette und Dolores O’Riordan (jeweils eine kleine Prise). Ihr Gesang packt die Zuhörer im Centraltheater vor allem, weil sie [...]

  3. [...] Sie werde nach Amerika auswandern, schwört Kathleen Edwards im ersten Stück der Platte – um dann zuzugeben, dass das nur eine leere Drohung ist. Heiter und trotz des druckvollen Beats erstaunlich sachte klingt dieser Empty Thread. Danach erklärt sie in Chameleon/Comedian, sie brauche nicht unbedingt Pointen zum Lachen, und das Ergebnis klingt wegen der Stimme und der leidenschaftlichen Melancholie nach den Cranberries. [...]

  4. [...] Nouvion singt, ebenso wie Dolores O’Riordan bei den Cranberries, sehr gerne „ahaha“, und sie singt mit einer solchen Strahlkraft, dass sich die Instrumente [...]

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