Hingehört: The Doors – “Light My Fire”

Oktober 5, 2001 · Posted in CD-Regal, Musik 

Räucherstäbchen und Metaphern: der Sound der Doors.

Künstler The Doors
Album Light My Fire
Label Duchesse
Erscheinungsjahr 1998
Bewertung ***1/2

Viel cooler kann eine Band kaum werden. Im März 1969 kamen 30.000 Menschen in Miami zusammen, um im Namen der “Liga für den Anstand” gegen die Doors zu demonstrieren. Diese Leute störten sich nicht nur an den obszönen Bühnenshows, am Drogenkonsum und an den todessehnsüchtigen Texten der Band, sondern sie protestierten quasi gegen sich selbst, gegen die amerikanische Gesellschaft mit ihren hehren Idealen und ihrer zynischen Realität.

Denn erst dieses bigotte Umfeld sorgte dafür, dass alle großen weißen Bands des Landes aus dem Underground kamen, meist neurotische Außenseiter und nicht selten potenzielle Selbstzerstörer waren. Eine Tradition, die von Velvet Underground bis zu Nirvana reicht.

Die Doors fügen sich in diese Reihe ein, und zwar recht nahe am Anfang. 1965 gegründet, entwickelte das Quartett schnell seinen eigenen Sound, für den Ray Manzareks Orgel mindestens ebenso wichtig war wie LSD, Meskalin und die noch ältere Droge: der Blues.

Schon Light My Fire baut auf ganz wenige Akkorde. Die Kraft liegt nicht in der Komposition, sondern in der Atmosphäre. Viereinhalb Minuten allein für die Soli, virtuos und dramatisch, dann Jim Morrisons manisches Finale. In Break On Through steckt sein Gesang noch mehr voller Energie und Mystik, dazu spielt die Band mit lateinamerikanischen Rhythmus-Elementen – eine Mischung, mit der auch schon die Rolling Stones den Teufel heraufbeschworen haben.

Noch heißer geht es in Soul Kitchen zu: ein Groove aus kochendem Blut. The Crystal Ship setzt stattdessen auf beeindruckende Metaphern und Räucherstäbchen-Sound.

Zwischen diesen beiden Polen pendeln auch die anderen Stücke: lebensmüder Blues und fleischliche, drogenschwangere Gelüste als Ablenkung davon. Selbst der untypische Alabama Song von Brecht/Weill passt in dieses Schema, weil die Doors den 2/4-Takt beibehalten und gar nicht erst versuchen, dem Lied ein Rock-Kleid zu verpassen.

Besonders gut gelingen I Looked At You, gleichsam spartanisch und psychedelisch, und End Of The Night, in dem Slidegitarre und die zentnerschwere Orgel für eine Gänsehaut sorgen. Und natürlich The End. Ein Meilenstein gleich in vielerlei Hinsicht. Kaum jemand hatte sich bis dahin auf einen derart gespenstischen Trip gewagt, kaum jemand hatte zuvor zwölf Minuten lange Stücke im Studio gespielt und niemand hätte sonst jemals auf einer Plattenaufnahme die Worte “Father, I want to kill you” in den Mund genommen. Eine Zeile, die all den Frust, die Wut und den Protest der Jugend in den 1960ern konzentriert, ein Ventil und ein Motor, an american prayer.

Noch mehr Räucherstäbchen: Eine 9-Minuten-Version von Light My Fire, live 1968:

Die Doors bei MySpace.

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Comments

5 Responses to “Hingehört: The Doors – “Light My Fire””

  1. [...] neuen Aufschwung erlebte die Musik der Band durch Oliver Stones Verfilmung ihrer Geschichte. Light My Fire war plötzlich wieder in den Charts, die Doors dreißig Jahre nach ihrer Gründung wieder omnipräsent. In einer der Schlüsselszenen [...]

  2. [...] Danach kam ihr Sound, der in den energischsten Momenten an Primal Scream und in den langsamsten an die Doors erinnert, plötzlich [...]

  3. [...] überzeichnet Jack ist, den man sich als eine Mischung aus John Lennon (Talent, Einfluss) und Jim Morrison (Look, Lifestyle) vorstellen muss, so plausibel ist die Geschichte. Liza Cody macht aus dem [...]

  4. [...] Tingles ist verhaltener Bluesrock mit viel Hall auf der Stimme, also fast The Doors, der Rausschmeißer Pinball klingt dann wie ein untröstlicher Pete Doherty (noch so ein [...]

  5. Draufgeschaut: The Doors : shitesite on Dezember 29th, 2011 17:57

    [...] wie blasse Erfüllungsgehilfen ihres genialischen Sängers wirken, so ist es doch immer wieder die Musik der Doors, die gefeiert wird. Hätte es zu ihrer Zeit schon Musikvideos gegeben, hätte man ihre Songs nicht [...]

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