Hingehört: Donovan – “The Very Best Of”
| Künstler | Donovan |
| Album | The Very Best Of |
| Label | Epic |
| Erscheinungsjahr | 1995 |
| Bewertung | **** |
So richtig kann auch die Geschichte nicht immer erklären, warum manche Musiker unsterblich werden und andere in Vergessenheit geraten. Während die Beatles gerade an ihren Anthologies bastelten, die Stones mit ihren Tourneen alle Rekorde brachen und Bob Dylan auf den Literatur-Nobelpreis wartete, tingelte Donovan Leitch durch die Provinz, um seine neue Platte Sutras anzupreisen.
Auch in Fulda machte er damals Station, im edlen Ambiente der Orangerie. Das Auditorium war gut gefüllt (nur gepolsterte Sitzplätze, natürlich) und ich war mit Abstand der Jüngste im Saal (neben Donovans Sohn, der das Vorprogramm bestritt). Nach dem Konzert traf ich auf dem Weg hinaus meinen Englischlehrer, der mir “so einen guten Geschmack gar nicht zugetraut” hatte. In der Tat hatte ich vorher nur wenig von Donovan gehört und war nur von meinem Vater mit hingeschleppt worden, doch nach diesem Konzert hatten einige seiner Stücke Eingang in meine all-time-favourites gefunden.
Denn an den Songs kann es wirklich nicht gelegen haben, dass Donovan nicht in die selbe Liga aufstieg wie die Beatles, Stones oder Dylan. Zu seinen besten Zeiten konnte er sich tatsächlich mit diesen Klassikern (mit denen er gut bekannt war und von denen er hoch geschätzt wurde) messen. Nach seinem Durchbruch 1964 zählte der Schotte fast zehn Jahre lang zu den erfolgreichsten und besten Musikern überhaupt.
Es war die Zeit der Hippies, und Donovan lieferte den Soundtrack dazu. Zunächst Protestsongs, dann Lieder über Blumen und Liebe. Sein Hang zur Natur, zu Mystik, Magie und Minne ließ ihn gelegentlich in kitschige Gefilde abrutschen, doch meist bot er Singer-Songwriter-Kunst vom Allerfeinsten.
Sunshine Superman macht den Auftakt, rhythmusbetont, fein instrumentiert und mit tollem Drive. Warum man Donovan gelegentlich “Pop-Parzifal” und eine CD-Box von ihm Troubadour genannt hat, macht das entzückende Catch The Wind deutlich: Lyrics, die wirklich Lyrik sind. Dazu wenig Gitarre, ein zartes Klavier und Tremolo-Gesang, bis diese unfassbar großen Bass-Töne das famose Finale einläuten.
Ebenso anmutig klingt auch sein vielleicht bekanntester Song, Atlantis. Mindestens so catchy gelingt Hurdy Gurdy Man mit dramatischen Drums und schweren E-Gitarren im Hintergrund.
An der musikalischen Umsetzung der Songs gibt es hier ohnehin kaum einmal etwas auszusetzen. Lalena verzaubert durch Streicher, Harfe und Flöten, Mellow Yellow groovt durch minimalistische Drums mit basslastigen Gitarren und mündet dann in ein Big-Band-Finale, Jennifer Juniper lacht durch Oboen, Klarinetten und ein Glockenspiel.
Ganz und gar ein Gitarrensong ist hingegen Colours – und was für einer! Das Picking, die Orgel und die zweite Stimme riechen nach frischem Kaffee, nach frischer Luft und den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Auch Sailing Homeward ist streng akustisch und voller Wärme. Im fast ebenso entrückten Wear Your Love Like Heaven schließlich verrät Donovan sein Credo: “Lord, kiss me once more, fill me with song / Allah, kiss me once more, that I may wear my love like heaven.”
Da war Dylan gar nicht so weit weg: Catch The Wind in einer Live-Version von 1964:
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