Hingehört: Nick Drake – “Bryter Layter”
| Künstler | Nick Drake |
| Album | Bryter Layter |
| Label | Island |
| Erscheinungsjahr | 1970 |
| Bewertung | **** |
Schon als Schuljunge liebte Nick Drake klassische Musik, spielte Klavier, Klarinette und Saxophon. Dass er dem Folk später zu neuer musikalischer Klasse bringen würde, hätte man fast ahnen können. Was auf Bryter Layter an den Instrumenten geleistet wird, ist der reine Wahnsinn.
Doch was diese Platte wirklich faszinierend macht, ist nicht die Komplexität der Kompositionen oder ihre virtuose Umsetzung. Sondern die Stimmung. Wie schon auf seinem Debüt Five Leaves Left gelingt es Nick Drake, eine Atmosphäre der feierlichen Traurigkeit zu kreieren. Er schafft das mit dem Instrument, das vielleicht am meisten unterbewertet ist: seiner Stimme. “He sounds as if he were singing on the moon. Ethereal and angelic, his voice seems to float over instrumentation”, hat ein Kritiker einst treffend umschrieben.
Gerade diese Stimme ist es, die den oft genug mindestens melancholischen Songs etwas Hoffnung verleiht. Und davon steckt eine Menge in dieser Platte. “If nothing can be said about Bryter Layter it is that the album is chock-full of good intentions”, schreibt T. J. McGrath in seiner Nick-Drake-Biographie. Der Sänger wollte nicht nur Anerkennung, er wollte den Durchbruch. So sind die Songs auf Bryter Layter trotz aller Vielschichtigkeit die eingängigsten aus Nick Drakes Schaffen.
Hazey Jane II wird von einem flotten Schlagzeug vorangetrieben, Richard Thompsons Gitarre und feine Bläser setzen sich ebenfalls im Ohr fest. Auch At The Chime Of A City Clock verhandelt das Stadtleben, das Nick Drake immer suspekt blieb. “For the sound of a busy place / is fine for a pretty face / who knows what a face is for.” Das Saxophon irrt durch die Straßen, das Schlagzeug rennt ihm nach, die Streicher warten vergeblich. One Of These Things First kommt dem Jazz noch ein Stück näher. Der Text assoziativ, das Klavier ungebunden, alles im 3/4-Takt.
Ein einziger Traum ist Hazey Jane, zart, zerbrechlich, fast gar nicht da. “Do you hope to find new ways / of quenching your thirst / do you hope to find new ways / of doing better than your worst?” In diesem Traum lässt einen das instrumentale Titelstück noch eine Weile, bevor man von Fly ganz vorsichtig aufgeweckt wird.
Allerdings ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht längst aufgehoben, wachen und träumen eins. Denn dieses Album ist eine eigene Welt, und Northern Sky ist ihr Gott. John Cale lässt Quellen der Glückseligkeit aus seinen Tasten sprudeln, und Nick Drake scheint sich tatsächlich daran gelabt zu haben. Für einen kurzen Moment.
John Cusack gibt den beautiful loser als Clip zu Northern Sky:
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