Hingehört: Nick Drake – “Pink Moon”
| Künstler | Nick Drake |
| Album | Pink Moon |
| Label | Island |
| Erscheinungsjahr | 1972 |
| Bewertung | ***** |
Das letzte Aufbäumen. Pink Moon wurde in nur zwei Tagen aufgenommen. Davor und danach saß Nick Drake wochenlang regungslos im Haus seiner Eltern, keine Hilfe wollend, das Ende wohl ahnend, vielleicht auch herbeisehnend. Nach den enttäuschenden Verkäufen der beiden Vorgänger war Nick Drake verzweifelt, verbittert, verloren.
Und so klingt auch diese Platte. “The songs are stripped to bare emotion. No lighthearted and melancholy verses – these songs are cloaked in despair”, trifft es T. J. McGrath in seiner Nick-Drake-Biographie namens Darkness Can Give You The Brightest Light. In der Tat: Arrangements muss man suchen, Schlagzeug, Streicher und Bläser gibt es nicht mehr. Nur noch Klavier, Gitarre und Gesang.
Das Picking ist faszinierend wie eh und je, doch der Gesang hat sich verändert. Plötzlich werden Silben verschluckt, wird genuschelt und geflüstert. Die Stimme leuchtet, aber bloß noch wie der Mond.
Die Nacht ist zweifelsohne eines der Leitmotive in Nick Drakes Werk, und auf seiner letzten Platte ist es endgültig stockfinster. Die Welt ist der Feind, und der Tod vielleicht die einzige Hoffung. Auswege gibt es höchstens noch in Fragen, die unbeantwortet bleiben, zwischen den Zeilen aber doch die Richtung erahnen lassen. “And I was green, greener than the hill / where flowers grew und the sun shone still / now I´m darker than the darkest sea / just hand me down, give me a place to be.”
Unter Menschen fühlt sich Nick Drake nur noch als Parasite, findet keinen Halt mehr. Vier Zeilen machen in Know das Ausmaß der Orientierungslosigkeit deutlich. “Know that I love you / know I don´t care / know that I see you / know I´m not there.” Dazu eine geslappte Gitarre, so aggressiv wie stoisch.
Drake seziert seine Qualen nicht nur, er deutet auch schon die Konsequenzen an. “I can take a road that´ll see me through” weiß er. “Hear me calling, won´t you give me a free ride”, sucht er Rechtfertigung. Und schließlich, in Harvest Breed: “Falling fast and falling free / you look to find a friend / falling fast and falling free / this could just be the end.”
Immerhin die Bewunderung der Nachwelt war ihm sicher: Bei einem Tribut-Konzert spielen Robyn Hitchcock und Graham Coxon Free Ride:
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