Hingehört: Oasis – “Heathen Chemistry”
| Künstler | Oasis |
| Album | Heathen Chemistry |
| Label | Sony |
| Erscheinungsjahr | 2002 |
| Bewertung | ****1/2 |
Es wird Noel Gallagher amüsieren, was die Kritiker in schöner Regelmäßigkeit über eine neue Oasis-Platte schreiben. 1994 wurde das Debüt Definitely Maybe euphorisch gefeiert. Als dann Morning Glory herauskam, war die Presse zunächst enttäuscht. Erst als die Scheibe in jedem dritten Haushalt im UK stand und allein in Großbritannien über 18 Millionen Exemplare verkauft hatte, hörten die Rezensenten noch einmal etwas genauer hin – und erkannten plötzlich ein Meisterwerk.
Das dritte Album wurde allgemein als ihr schwächstes bewertet, das letzte Studiowerk Standing On The Shoulder Of Giants vor zwei Jahren zumindest wieder etwas wohlwollender aufgenommen.
Dass all diese Schwankungen nur durch Launen der Journaille und Bedingungen der Rezeption begründet sind – und keineswegs durch die Musik selbst – sollte spätestens jetzt, mit dem Erscheinen von Heathen Chemistry, klar sein. Über dieses Album hat der Rolling Stone bereits geschrieben, es sei “fast so gut wie Definitely Maybe“. Doch auch das ist natürlich Quatsch, weil gar nicht mehr möglich. Der Überraschungsmoment ist dahin, unwiederbringlich verloren. Die Band ist nicht saturiert geworden, aber domestiziert. Die Gallaghers sind nicht mehr so aufregend wie früher.
Dafür sind sie nun erstmals entspannt – und haben sich selbst gefunden. Die Vorab-Single The Hindu Times klang so sehr nach Oasis, dass man fast eine Parodie hatte vermuten müssen. Genau diese Berechenbarkeit war es, die nach Be Here Now die Enttäuschung hervorrief. Doch obwohl Oasis seit 1997 praktisch immer die gleiche Platte aufgenommen haben, hat sich Berechenbarkeit inzwischen in Verlässlichkeit verwandelt.
Auf dem Papier gibt es allerdings auch diesmal ein paar Neuigkeiten. Die Bandmitglieder dürfen jetzt mitkomponieren, und zwar Schweinerock (Hung In A Bad Place) und psychedelische Instrumentals (A Quick Peep).
Als eine Band mit Liam Gallagher als Sänger allerdings Instrumentalstücke aufzunehmen, ist ungefähr so sinnvoll, wie Pélé zum Eishockeyspielen zu zwingen. Denn diese Stimme ist nach wie vor das Oasis-Markenzeichen. Genau wie erbarmungslose Stampfer wie Force Of Nature, Beatleskes wie Born On A Different Cloud und kleine Hymnen wie Little By Little.
Ansonsten gibt es Akustik-Ausflüge wie das bezaubernde Songbird. Und eine große Hymne. Stop Crying Your Heart Out ist so schön, dass man darin leben möchte. Die beste Oasis-Single seit Stand By Me, mindestens.
Heathen Chemistry ist einfach ein weiteres Oasis-Album. Also so ziemlich die beste Gitarrenmusik, die derzeit zu kriegen ist.
So gehen Hymnen: Stop Crying Your Heart Out, live in Mailand:
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[...] Zeiten. Das trifft auch auf die Musik zu. Don’t Believe The Truth macht dort weiter, wo Heathen Chemistry angesetzt hatte: Oasis stoppen den freien Fall. Nach dem hohlen Geprotze von Be Here Now und der bunten Leere von [...]