Durchgelesen: Howard Sounes – “Down the highway. The life of Bob Dylan”

Februar 9, 2003 · Posted in Bücher, Bücherregal 

Howard Sounes setzt in seiner Dylan-Biographie auf Recherche statt Vergötterung.

Autor Howard Sounes
Titel Down the highway. The life of Bob Dylan
Verlag Black Swan
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung ****

Eine unfassbar faktenreiche und durchaus aktuelle Biographie. Sounes legt seinen Schwerpunkt auf bisher unbekannte Aspekte in Dylans Leben, insbesondere seine finanzielle und familiäre Situation.

Außerdem versucht er sich an psychologischen Studien. Anhand der Quellen und Augenzeugen wird ein höchst widersprüchliches Bild von Bob Dylan gezeichnet, das der Wahrheit über diesen Mann wohl sehr nahe kommt.

Leider bleibt der Autor völlig im Dunkeln. Warum Howard Sounes diese Fleißarbeit betrieben hat, erklärt er uns nicht, seine Beziehung zu Dylan scheint eine fast dienstliche zu sein. Auch sprachlich bleibt er zu nüchtern. So entsteht gelegentlich der Eindruck, Sounes habe viel recherchiert, aber nichts verstanden.

Die beste Stelle ist eine Anekdote aus den “Desire”-Sessions: “‘Okay guys, that’s the end’, said the producer Don de Vito. ‘Bobby’s lost his voice.’ ‘What fucking voice?’ growled Kokomo guitarist Jim Mullen.”

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Comments

One Response to “Durchgelesen: Howard Sounes – “Down the highway. The life of Bob Dylan””

  1. [...] Für Dylan-Biograph Howard Sounes ist dies “the record that marked his resurgence as an artist.” Für Elvis Costello ist Time Out Of Mind gar “die beste Platte, die Dylan je gemacht hat”. Trotz all der Großtaten in den 1960ern, trotz Blood On The Tracks kann man diesem Urteil getrost folgen. Denn nach sieben Jahren Pause meldet sich Bob Dylan hier mit einer Platte zurück, auf der er all seine Stärken vereint — und sie in seltener Konsequenz ausspielt. Drei Grammys waren für Time Out Of Mind das Mindeste, der Preis als “best album of the year” eine Selbstverständlichkeit. In nur elf Tagen nahm Bob Dylan das Album auf. “Bei Time Out Of Mind wollte ich, dass meine Musik durch diesen ganzen technischen Apparat hindurchläuft und so schnell wieder am anderen Ende herauskommt, dass der Apparat gar nicht merkt, was er da eigentlich gemacht hat”, hat er später darüber gesagt. Vielleicht auch wegen dieser zeitlichen Konzentration ist es ein Album geworden, dass in seiner atmosphärischen Dichte so gut wie einmalig ist. Dylan: “It’s a spooky record. Because I feel spooky.” Das Geheimnisvolle mag auch daher kommen, dass viele Songs nach Einbruch der Nacht entstanden. Es manifestiert sich nicht nur im Sound, sondern auch in den Themen. “Zu essenzieller, roher Musik und einem Sound der Vergangenheit spricht Dylan lauter letzte Sätze”, bringt der Rolling Stone die Sache auf den Punkt. Dylan selbst erklärt: “Ich wollte kein Album, das die Songs in ein zeitgenössisches Umfeld setzt. Meine Musik hat keine Affinität zu moderner Technologie. Entweder sie funktionieren, oder sie funktionieren nicht. Wenn sie richtig geschrieben sind, sind sie in Stein gemeißelt.” In der Tat erreichen Dylans Songs hier eine Gravität, wie man sie sonst höchstens von Johnny Cash kannte. Durch die Gerüchte um die Lungenkrankheit des Meisters und angebliche Todesahnungen wurde vieles als Dylans Abschied missverstanden. Doch Time Out Of Mind ist kein Testament, sondern ein Monument. Der Opener Love Sick schleppt sich aus dem Staub heran, hat eiserne Ketten an den Füßen und noch viel schlimmere Qualen durchlitten. Wie auf dem gesamten Album erklingt kein Ton zu viel: “Sometimes the silence can be like thunder.” Die Gelassenheit und Weisheit (aber auch die Ungeduld und Wehmut) des Alters dominieren. “I’m sick of love / I hear the clock tick / this kind of love / I’m love sick”, heißt das hier, im schleichenden Standing In The Doorway dann: “I got no place left to turn / I got nothing left to burn / don’t know if I saw you / if I kissed you or killed you / it probably wouldn’t matter to you anyhow.” Später wird es in Tryin’ To Get To Heaven nicht nur lakonisch, sondern erhaben: “Every day your memory grows dimmer / it don’t haunt me like it did before / I’ve been walking through the middle of nowhere / tryin’ to get to heaven / before they close the door.” Der Tod ist nicht so nah, wie er manchmal scheint — aber er ist nicht mehr zu leugnen. Oder aber: “It’s not dark yet, but it’s getting there”, wie es im besten Lied der Platte heißt. Definitiv vorbei ist nur die Jugend, und mit ihr hat sich fast all die Kraft verabschiedet, die man braucht, um immer wieder neue Hoffnung zu schöpfen: “I’ve been down on the bottom / of a whirlpool of lies / I ain’t looking for nothing / in anyone’s eyes.” Ein kurzer Moment der Zuversicht ist das grandiose Make You Feel My Love, wo sich Dylan noch einmal selbst überzeugen (oder betrügen) kann, dass sich das Aufbäumen vielleicht doch lohnt. Weil dies eine Verheißung ist, wird der Song so groß, weil es auch bloß eine Illusion sein könnte, ist er so tragisch — und beides liegt in Dylans Stimme, die allen Stolz aufgibt und sich völlig ausliefert: “I could make you happy, make your dreams come true / nothing that I wouldn’t do / go to the ends of the earth for you / to make you feel my love.” Das Gegenstück dazu ist der Rausschmeißer Highlands. Wieder geht es ums Anbandeln. Doch diesmal ist es kein fragiler letzter Versuch, auf den Dylan alles setzt und von dem alles abhängt. Diesmal ist es das alte Spiel, ganz alltäglich und beiläufig. Mit viel Anlauf nährt sich Dylan einer kecken Kellnerin, doch irgendetwas steht zwischen ihnen, lässt den Flirt zum Kampf werden. Vielleicht ist es das Schicksal, vielleicht auch nur die Müdigkeit über “the same old rat race”. Selbst in diesen sechzehneinhalb Minuten ist kein einziger überflüssiger Moment. Genau deshalb ragt Time Out Of Mind so heraus. Weil Dylan sich konzentriert, sich nicht mehr auf Nebenschauplätzen verzettelt oder in bloßer Koketterie ergeht. “Nichts scheint dylanesk. Kein Hirnfick, kein Schwurbel, kein Literatenlatein, keine Mystik, überhaupt keine Beflissenheit. Kein Nuscheln, kein Nölen, keine verschluckten Endsilben”, hat der Rolling Stone richtig erkannt. Das trifft auch auf die Themen zu. Im Mittelpunkt fast aller Songs steht das Dilemma, das in Dylans Werk schon immer zentral war, das er aber selten so glorios durchlitt: “Die Sinnlosigkeit der Liebe, zu der es doch, wie Dylan barmt, keine Alternative gibt.” Adele singt das herzzerreißende Make You Feel My Love live bei Jools Holland: [...]

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