Hingehört: Arcade Fire – “Funeral”

April 12, 2005 · Posted in CD-Regal, Musik 

"Funeral" ist ein bombastisches, erlösendes Werk.

Künstler Arcade Fire
Album Funeral
Label Rough Trade
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ****1/2

Dem Daily Mirror war kürzlich eine interessante Statistik zu entnehmen: die beliebtesten Lieder bei Beerdigungen, geordnet nach Ländern. Demnach verabschieden sich die Briten am liebsten mit dem Robbie-Williams-Song Angels von dieser Welt. Europaweit haben Queen mit The Show Must Go On die Nase vorn. In Deutschland wähnen sich nicht wenige mit AC/DC auf dem Highway To Hell.

Dazu kommen die üblichen Verdächtigen: Time To Say Goodbye von Andrea Bocelli (beliebtester Abschiedssong der Norweger), Eric Claptons Tears In Heaven (Nummer Eins in Schweden), Mozarts Requiem (in Spanien und Italien beliebt), natürlich auch Elton Johns ultimative Schluchz-Schnulze Candle In The Wind.

Ein paar dieser Lieder werden im letzten Jahr auch die sieben Mitglieder von Arcade Fire gehört haben. Denn die Band aus Montreal musste insgesamt neun Beerdigungen miterleben, während sie an ihrem Album arbeitete, das nun folgerichtig Funeral heißt. Zehn ausgetüftelte Stücke gibt es, eine Art Post-Rock, reichlich Streicher und Glockenspiele, alles mit einer feinen Dramaturgie und Dynamik.

Kein Wunder bei solch düsteren Begleitumständen: Tod und Verlust sind die bestimmenden Themen der Platte – verpackt in wunderbare Lyrik. “My family tree is losing all its leaves” heißt es etwa im Rausschmeißer In The Backseat.

Wer nun allerdings glaubt, Funeral sei ein Trauerkloß, sieht sich getäuscht. Denn die Kanadier schaffen es, aus der Beschäftigung mit Abschied und Vergänglichkeit ein bombastisches, positives, erlösendes Werk zu machen. Wenn sich das programmatische Wake Up in höchste Motown-Höhen aufschwingt oder sich das zunächst verdrießliche Crown Of Love plötzlich zu einem Discobeat aufrafft, dann ist das beinahe eine Party-Platte.

Arcade Fire ziehen aus den widrigsten Umständen den erstaunlichsten Optimismus, und passend dazu versucht Win Butler mit seiner brüchigen Stimme andauernd, Hymnen zu singen. Funeral ist ein Triumph des Trotzes.

David Bowie ist ein großer Fan – und singt gemeinsam mit Arcade Fire auch gleich Wake Up:

Arcade Fire bei MySpace.

Ähnliche Beiträge:

  1. Hingehört: Arcade Fire – “The Suburbs” Künstler Arcade Fire Album The Suburbs Label Merge Records Erscheinungsjahr 2010 Bewertung **** Meine Damen und Herren, willkommen zum Untergang!...
  2. Hingehört: Arcade Fire – “Neon Bible” Künstler Arcade Fire Album Neon Bible Label Geffen Erscheinungsjahr 2007 Bewertung ***1/2 Diese Band ist aus der Zeit gefallen. Dass...
  3. Hingehört: Shout Out Louds – “Howl Howl Gaff Gaff” Künstler Shout Out Louds Album Howl Howl Gaff Gaff Label Capitol Erscheinungsjahr 2005 Bewertung **** Wenn es gut genug für...
  4. Hingehört: Cloud Control – “Bliss Release” Künstler Cloud Control Album Bliss Release Label Infectuous Erscheinungsjahr 2011 Bewertung *** „I used to stand rooted to the spot...
  5. Hingehört: The Enemy – “We’ll Live And Die In These Towns” Künstler The Enemy Album We’ll Live And Die In These Towns Label Warner Erscheinungsjahr 2007 Bewertung ***1/2 Die Stadt von...

Comments

2 Responses to “Hingehört: Arcade Fire – “Funeral””

  1. [...] Band ist aus der Zeit gefallen. Dass seit Funeral drei Jahre vergangen sind, spielt keine Rolle. Es könnten auch 30 Jahre sein oder bloß drei [...]

  2. [...] Damen und Herren, willkommen zum Untergang! Diesmal ist es wirklich schlimm. War auf Funeral noch die dahinsiechende Verwandtschaft schuld am Gram von Arcade Fire und auf Neon Bible dann quasi [...]

Leave a Reply