Premium statt prüde
Das war wenig schmeichelhaft gemeint: Snow Patrol machen Musik für Ford-Mondeo-Fahrer, war kürzlich in einer Rezension über das aktuelle Album der schottischen Band zu lesen. Will sagen: zuverlässig, praktisch, alltagstauglich. Aber auch ein bisschen bieder und unspektakulär. Das Gegenteil von sexy.
Bei Ford wusste man wohl um dieses Image. Denn was das Team um Chefdesigner Jens Ludmann in der neuen Generation aus Fords Mittelklasse-Flaggschiff gemacht hat, ist mehr als beachtlich. Das Auto, das ab 16. Juni beim Händler steht, versprüht plötzlich Emotion: Die markanten Radhäuser setzen Ausrufezeichen, der trapezförmige Kühlergrill macht mächtig viel her, sechs Zentimeter mehr Breite gegenüber dem Vorgängermodell vermitteln ebenfalls Potenz. “Der Mondeo sieht jetzt auch so dynamisch aus wie er sich fährt”, meint Marketing-Chef Jürgen Stackmann. Und auch das ist nicht übertrieben.
Denn bei Bedienkomfort, Handling und Motoren muss sich Ford ohnehin nicht verstecken. Das trifft auf die dritte Mondeo-Generation mehr denn je zu: Im ersten Test erweist sich der Neue als enorm agil. Die Lenkung ist wunderbar direkt, die Schaltung leichtgängig, die Abstimmung ideal. Dazu trägt unter anderem eine komplett neu entwickelte Hinterachse bei, die sich die hoch gelobte Konstruktion vom Focus zum Vorbild nahm. Zudem ist das Cockpit nun deutlich übersichtlicher gestaltet.
Nach wie vor wird es den Mondeo als klassische Limousine, als Fließheck und für 1000 bis 1300 Euro Aufpreis auch als Kombi geben. Gewachsen sind sie gegenüber ihren Vorgängern alle. Allein im Turnier hat der Stauraum noch einmal um 45 Liter (auf 1745 Liter) zugelegt.
Auch für die Passagiere ist das Platzangebot üppig: Beinfreiheit (plus 24 Millimeter) und Schulterbreite (plus 52 Millimeter) lassen keine Wünsche offen und dürften in dieser Klasse ihresgleichen suchen. Wer hier drin sitzt, wundert sich auch nicht mehr, dass der Mondeo, der sich die technische Plattform mit der Großraumlimousine Galaxy teilt, von den Maßen her inzwischen zum Fünfer- BMW aufgeschlossen hat.
Den Premium-Anspruch verfolgt Ford aber nicht nur quantitativ: Gerade im Innenraum sorgen eine sehr gute Verarbeitung und vor allem hochwertige Materialien für gehobenes Ambiente. Die gediegene Ausstattungslinie Ghia setzt beispielsweise auf helles Leder und Holz-Applikationen. Bei der moderneren Titanium-Version (jeweils 1800 Euro Aufpreis gegenüber der populärsten Ausstattungslinie Trend) gibt es ebenso schmuckes gebürstetes Alu.
Das Interieur sieht nicht nur gut aus und fühlt sich gut an, es klingt auch gut: Die Lautstärke der Fahrgeräusche wurde um zwei bis vier Dezibel reduziert. “So laut, wie der Mondeo früher beim Tempo 120 war, ist er jetzt erst bei 160″, erklärt Stackmann. 21.990 Euro, die für den Einstiegs-Mondeo fällig werden, sind angesichts solcher Attribute und einer Ausstattung, die Klimaanlage, ESP und sieben Airbags einschließt, schon ein Kampfpreis.
Günstig ist auch der Unterhalt: Sollbruchstellen vorne und austauschbare Teile hinten sollen die Reparaturkosten nach Unfällen senken, was die Versicherer mit einer niedrigen Einstufung belohnen. Teure Werkstattbesuche ganz und gar verhindern soll eine weitere Innovation: Eine neue Tanköffnung macht es unmöglich, einen Benziner versehentlich mit Diesel zu befüllen oder umgekehrt. Ford verspricht ohnehin seltenen Gebrauch der Zapfpistole: 5,7 Liter soll der kleinste Dieselmotor (100 PS) pro 100 Kilometer schlucken, beim Einstiegsbenziner (110 PS) stehen 7,2 Liter zu Buche.
Insgesamt stehen drei Dieselmotoren (100 bis 140 PS) zur Auswahl. Dass Ford dabei später nach oben noch einmal nachlegen will, wundert nicht. Denn der Top-Selbstzünder mit zwei Litern Hubraum und 320 Newtonmetern Drehmoment hat zwar genug Kraft selbst für schaltfaules Fahren, könnte aber etwas geschmeidiger sein. Um richtig Spaß zu haben, muss man den Motor schon in den hohen Drehzahlbereich bringen.
Besser gefällt beim ersten Ausritt der Spitzen-Benziner. Weil der Fünfzylinder-Turbomotor seine 220 PS über ein sehr breites Drehzahlband zur Verfügung stellt, macht Cruisen hier genauso viel Freude wie Kurvenräubern. Damit kann man dann auch dem Aufruf von Snow Patrol folgen: Deren bisher größter Hit heißt nämlich Chasing Cars. Frei übersetzt: andere Autos jagen.
Halbherzig
Hessen macht Ernst. Das Land stürmt voran. So verkaufte Sozialministerin Silke Lautenschläger gestern den Entwurf für einen nach ihren Worten umfassenden Nichtraucherschutz. Das Schlimme dabei ist: Sie muss selbst wissen, dass dies Etikettenschwindel ist. Das Rauchverbot ist nicht umfassend, sondern halbherzig. Und Hessen ist kein Vorreiter, sondern setzt träge eine längst überfällige Maßnahme um.
Wieder einmal zeigt sich, wie wenig die Politik an der Sache orientiert ist – und wie viel stattdessen um Posten, Ideologien und Pfründe geschachert wird. Auch beim Klimaschutz, der Kinderbetreuung oder der Reform des Gesundheitswesens stehen die Politiker sich selbst und einer Lösung der drängenden Probleme im Weg. Die Debatte um den Nichtraucherschutz zeigt dies jedoch fast exemplarisch.
Jedermann weiß – und auch Lautenschläger führte diese Zahlen gestern ins Feld – wie gefährlich das Rauchen ist: 140.000 Menschen fallen ihm hier zu Lande pro Jahr zum Opfer – 20 Mal so viele wie bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Das Gesundheitssystem wird durch die Folgen des Nikotinkonsums pro Jahr mit 40 Milliarden Euro belastet.
Andere Länder haben aus diesen Argumenten längst ihre Schlüsse gezogen, rigide Maßnahmen ergriffen und damit sogar positive Erfahrungen gemacht. Doch von Anfang an erinnerte die Diskussion in Deutschland an das Treiben auf einem Basar. Tabaklobby und militante Nichtraucher brachten verdrehte Statistiken ins Spiel, und den Politikern ist nicht einmal daran gelegen, diese zu enttarnen, so lange sie damit dem politischen Gegner schaden können.
Jedes Bundesland hatte seine eigenen Einwände; selbst als endlich ein Kompromiss gefunden war, schossen einige wieder quer. In Bayern darf man nun in Bierzelten rauchen, in Sachsen vielleicht nicht, in Nordrhein-Westfalen dafür aber möglicherweise in einer Eckkneipe. Quer durch die Republik mag sich da manche Landtagsfraktion freuen, dass sie sich durchsetzen konnte – in der Praxis aber sind solche Gesetze nichts als ein heilloses Durcheinander.
Lautenschläger will die Kontrolle der neuen Vorgaben den Wirten überlassen und diese bei Verstößen zur Kasse bitten. Glaubt sie ernsthaft, dass ein Kneipier seine Stammkunden überzeugen kann, sich künftig zum Rauchen in einen abgetrennten Raum zurückzuziehen? Das ist ebenso realitätsfern wie der angekündigte Verzicht auf zusätzliches Personal bei den Ordnungsämtern, das die Einhaltung des Rauchverbots überwachen könnte.
Auch das Beharren auf einem eigenen Gesetzentwurf ist kein gutes Zeichen. Selbst wenn sich CDU, SPD und Grüne in Hessen inhaltlich einmal einig sind – und das ist beim Nichtraucherschutz der Fall -, wird auf belanglosen Details herumgeritten, statt sich zu einem gemeinsamen Entwurf durchzuringen und das Gesetzgebungsverfahren somit zu beschleunigen. Das zeigt wenig menschliche Größe, wenig politischen Verstand – und vor allem wenig Interesse an der Sache.

