Hingehört: Robyn – “Robyn”

Juli 4, 2007 · Posted in CD-Regal, Musik · 6 Comments 

Robyn wird zur ultimativen Pop-Prinzessin.

Künstler Robyn
Album Robyn
Label Konichiwa Records
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ****

Wahrscheinlich hat man sich im hohen Norden schon lange geärgert. Eine Prinzessin haben die Schweden. Eigentlich haben sie sogar zwei, und eine davon ist laut Bild sogar die schönste in ganz Europa. Pop-Titanen haben sie auch reichlich. Produzent Max Martin zum Beispiel. Der schrieb am Fließband einige der größten Hits etwa von Britney Spears, Celine Dion oder Kelly Clarkson. Doch die Kombination aus beidem, eine echte Pop-Prinzessin, fehlte ihnen.

Bis jetzt. Denn Robin Miriam Carlsson ist zurück. Vor zehn Jahren schaffte sie es als Robyn mit Show Me Love in die US-Top-10. Danach kamen ein paar Flops und Erfahrungen, die der mittlerweile 28-Jährigen die Lust auf den Mainstream verdorben haben. Als sie ganz unten war, kurz vorm Aussteigen aus dem Musikgeschäft, setzte sie alles auf eine Karte – eigene Plattenfirma, eigene Songs und eigener Sound.

Das Ergebnis ist Robyn. In Schweden ist das Album längst ein Erfolg, nun startet Robyn damit den Angriff auf den Rest der Welt. Und bei solch famosem Pop sollten sich Konkurrentinnen wie Fergie, Britney oder Gwen lieber ganz warm anziehen.

Ein paar Landsleute haben mitgeholfen, doch schon das Intro macht klar, dass dies ganz und gar Robyns Platte ist. Sie präsentiert sich verwandelt statt verwest, verbessert statt verbittert. Als eine Art Ani diFranco des Zukunfts-Pop feiert sie ihre neue Unabhängigkeit. Es geht um Ehrgeiz, um Integrität, um die eigene Stärke, um die Lust aufs Geldverdienen und die Unlust auf Kompromisse. Und das alles ist so eingängig verpackt, dass Robyn damit zur Ikone der Girl Power 2.0 werden könnte.

Konichiwa Bitches ist hoffnungslos verspielt und doch exakt auf den Punkt. Der Bubblegum-Sound des kunterbunten Cobrastyle ist so zuckersüß, dass er Karies machen würde, wenn die Ohren Zähne wären. Handle Me, das tolle Bum Like Me, der Energie-Kick Be Mine! oder das grandiose With Every Heartbeat (das es in England aus dem Nichts an die Spitze der Charts geschafft hat) sind exzellenter Pop in einer Liga, von der Madonna und Rihanna nur träumen können.

Auf ein Lied wie Who’s That Girl wären sogar die Sugababes neidisch. Robotboy und Should Have Known sind wohl die Sorte Avantgarde-Pop, wie sie Robbie Williams auf seinem letzten Album nicht hinbekommen hat. Und mit dem nur hingehauchten, umwerfenden Eclipse und dem Rausschmeißer Anytime You Like zeigt Robyn, dass sie nicht nur tough sein kann, sondern auch sanft. Zu einer Prinzessin passt das ja auch besser.

Einen Pop-Nobelpreis gibt es zwar (noch) nicht, aber Robyn übt schon einmal: Be Mine! live und akustisch bei der Verleihung des Friedensnobelpreises:

Robyn bei MySpace.

Hingehört: Pieta Brown – “Remember The Sun”

Juli 2, 2007 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

"Remember The Sun" ist ein Frühwerk, aber trotzdem souverän.

Künstler Pieta Brown
Album Remember The Sun
Label One Little Indian
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Über mangelnde Kontakte kann sich Pieta Brown weiß Gott nicht beschweren. Als Tochter des Country-Komponisten Greg Brown (dessen Songs unter anderem von Willie Nelson aufgenommen wurden und der für den Grammy zumindest mal nominiert war) kam sie nicht nur sehr früh mit allen Spielarten von amerikanischer Folkmusik in Berührung, sondern offensichtlich auch mit der dazugehörigen Szene. Und so hat sie als Teenager schon Gedichte und Songs geschrieben, die sie nun (nachdem sie unter anderem bereits mit Calexiko gearbeitet hat) zusammen mit Produzent Bo Ramsey zu ihrem Debütalbum geschmiedet hat. Und der ist kein Geringerer als der Bandleader von Lucinda Williams.

Man merkt Remember The Sun dieses Erfahrene, Souveräne ein bisschen an, wenn auch auf eine sehr angenehme Art. Nichts drängt sich hier auf, denn jedes Stück weiß um seine Qualität. Der Auftakt Rollin’ Down The Track ist deshalb nicht mitreißend, sondern ein bisschen träge. Pieta Brown singt, als hätte sie eigentlich gar keine rechte Lust dazu. Und darin steckt ein doppelter Reiz: Zum einen ahnt man, dass sie auch deshalb singt, weil es ihre Berufung ist, der sie nachgeben muss, auch wenn sie eigentlich lieber etwas anderes täte. Zum anderen deutet sich schon an, dass man für das Warten auf etwas motiviertere Momente belohnt werden wird.

Diese Hoffnung wird nicht enttäuscht. Schon das sanfte Innocent Blue hat eine enorme Tiefe, kommt von ganz weit her. Are You Free? entwickelt eine hoch erotische Spannung, der zerbrechliche Song For A Friend ist nur hingehaucht, ein Nebel. Das zackige Sonic Room gefällt ebenso wie das enorm lässige In My Mind I Was Talkin’ To Loretta. Das berückende Worlds Within Worlds zeigt einmal mehr, dass Balladen Pieta Browns ganz große Stärke sind.

Freilich gelingt nicht alles. West Monroe schunkelt schön, aber etwas belanglos, der Titelsong ist nur hübsch, aber nicht viel mehr. Dennoch: Mit Pieta Brown sollte man unbedingt in Kontakt bleiben.

Eine Performance von West Monroe im US-TV:

Pieta Brown bei MySpace.

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