Der teuerste Wahlkampf aller Zeiten
1,2 Milliarden kostet der aktuelle US-Wahlkampf. Diese Dimension ist in Deutschland undenkbar – und auch in den USA unerreicht. Ich habe mir angeschaut, wo das Geld herkommt, wofür es ausgegeben wird und welche Rolle die Spenden spielen, die vor allem Barack Obama so erfolgreich sammelt wie niemand zuvor. Und natürlich läuft das auf die Frage hinaus: Kann man sich die Stimmen der Amerikaner kaufen?
Die Angst vorm ersten Schritt
Offiziell darf Deutschland keine Atomwaffen haben. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass das US-Militär noch immer Atombomben in Deutschland lagert – die im Ernstfall von deutschen Piloten mit Bundeswehr-Flugzeugen transportiert werden. An diesem Wochenende wird die Friedensbewegung wieder dagegen demonstrieren. Und ich habe zusammen mit meiner Kollegin Lena Högemann herausgefunden, warum die Bomben nicht längst aus Deutschland verschwunden sind. Und in welches Dilemma sie die deutschen Soldaten stürzen.
Den kompletten Artikel gibt es auf news.de.
“Wir sind abhängig vom Fliegerhorst”
Büchel wäre ein ziemlich unscheinbarer Ort mitten im Nirgendwo. Gäbe es dort nicht eine US-Kaserne, in der nach Meinung von Experten die einzigen verbliebenen US-Atomwaffen auf deutschem Boden lagern. Ich habe mit dem Bürgermeister von Büchel gesprochen. Und erstaunlicherweise machen ihm die Bomben keine Angst. Er wünscht sich sogar, dass sie noch möglichst lange bleiben. Denn die Kaserne ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Ort.
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Draufgeschaut: “Der Baader Meinhof Komplex”

Moritz Bleibtreu und Johanna Wokalek überzeugen in wichtigen Rollen. Doch insgesamt fährt der Film zu viel Prominenz auf.
| Film | Der Baader Meinhof Komplex |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2008 |
| Spielzeit | 150 Minuten |
| Regie | Uli Edel |
| Hauptdarsteller | Johanna Wokalek, Martina Gedek, Moritz Bleibtreu |
| Bewertung | ***1/2 |
Worum geht´s?
Die Verfilmung von Stefan Austs Buch zeigt die Geschichte der RAF, die als Baader-Meinhof-Bande anfing, im Deutschen Herbst der ganzen verkrusteten Adenauer-Republik den Krieg angesagt hatte, und als isolierter, zerstrittener Zirkel im Stammheimer Hochsicherheitstrakt endete.
Das sagt shitesite:
Zum in jeder Hinsicht bewegten Jahr 1968 passt nur die aufwühlende Anfangsszene. Danach wird “Der Baader Meinhof Komplex” zu einem erstaunlich nüchternen Dokument. Das taugt eher als sehr eindrucksvoller Zeitgeschichts-Unterricht für Schulklassen denn als cineastische Unterhaltung oder politische Provokation.
Die komplette Rezension gibt es auf news.de.
Der Trailer zum Film:
Interview mit Nina Hagen
Am Wochenende wird in Büchel wieder gegen die US-Atomwaffen protestiert, die höchstwahrscheinlich dort gelagert werden. Mit dabei ist Nina Hagen, die ein Konzert gibt, um die Demonstranten zu unterhalten und zu unterstützen. Das Interview mit ihr darüber war natürlich eine Erfahrung der dritten Art. Es geht um die Angst vor der Bombe, um Barack Obama und die Rechte von Frauen. Und es gibt ein bisschen Ärger für die Jungspunde in der deutschen Musikszene.
Das komplette Interview gibt es auf news.de.
Durchgelesen: Claude Simon – “Die Akazie”
| Autor | Claude Simon |
| Titel | Die Akazie |
| Verlag | Süddeutsche |
| Erscheinungsjahr | 1989 |
| Bewertung | **** |
Wäre Claude Simons Sprache ein Fluss, so wäre dieser groß, mitreißend, monströs. Und doch kein reißender Strom, der nur auf dem schnellsten Weg zum Ziel will. Sondern fein verästelt, sich immer wieder selbst nährend, mäandernd.
Denn nichts ist in “Die Akazie” linear. Es gibt so viele Einschübe und Sprünge in diesen Sätzen, die manchmal mehr als eine Seite lang sind, dass man in der Grammatik des Literaturnobelpreisträgers beinahe einen Vorläufer der Programmiersprache HTML sehen mag, ein Netz, ein Geflecht, einen Kosmos.
Und doch ist “Die Akazie” anschaulich und authentisch. Denn den Roman zeichnet eine sagenhafte Gier nach Wahrnehmung aus, die jede Geste, jeden Geruch, jedes Geräusch genau registriert und speichert.
Es ist die Geschichte zweier Generationen aus der selben Familie, über zwei Männer, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben ließen. Simon zeigt gekonnt die Unbarmherzigkeit der Schlacht und die Ironie des Schicksals: Die beiden Protagonisten erleben durch ihr Soldatendasein einen gesellschaftlichen Aufstieg – nur um dann als Soldaten zu sterben. Der unentrinnbaren Maschinerie des Militärs, der Kunst des Krieges (der ewig komplex ist und doch nur ein ganz einfaches Ziel hat) entsprechen die langen Kettensätze in diesem Buch. Mehr noch als diese formale Perfektion beeindruckt die Schärfe, mit der Simon die Hintergründe aufzeigt.
Denn gerade die Ungerechtigkeit der Welt wird für die beiden Hauptfiguren zur Motivation, ihr Glück beim Militär zu versuchen. Sie ist es also, die letztlich zur fatalen Legitimation und morbiden Anerkennung der Kriegerkaste führt.

