Hingehört: Lily Allen – “It’s Not Me, It’s You”

April 15, 2010 · Posted in CD-Regal, Musik 

Niemand anders hätte diese Platte machen können als Lily Allen.

Künstler Lily Allen
Album It’s Not Me, It’s You
Label Emi
Erscheinungsjahr 2009
Bewertung ****

It’s Not Me, It’s You heißt das zweite Album von Lily Allen. Diesen Satz kann man sich in einer Menge Situationen vorstellen. Etwa als Antwort auf die Frage “Was stinkt hier eigentlich so?” Oder als Konter von Lily Allen gegen all die, die ihr vorwerfen, sie sei bloß ein talentloses/verwöhntes/undankbares Gör, das Ruhm und Erfolg lieber all den glücklosen Ehrgeizigen überlassen sollte, die nie eine Chance bekommen, oder ein böses/unabhängiges/aufmüpfiges Girlie, das schleunigst zurück in Papas Goldenen Käfig gehört, bevor es endgültig die Jugend Britanniens runiniert. Oder ein Vorwurf in einem Beziehungsdrama, wenn beide den Grund dafür suchen, wie aus Liebe eigentlich solch ein Trümmerfeld werden konnte.

Letzteres ist die Ausgangssituation von Never Gonna Happen, einer Mischung aus Balkan-Schunkelsounds, Kinderzimmer-Verspieltheit und ziemlich kompromisslosen Beats. Den zweiten Ansatz thematisiert Lily Allen im Elektro-Feger Everyone’s At It und der fantastischen Single The Fear. Ein Lied über Fürze gibt es zwar nicht, dafür aber immerhin ähnlich Gewagtes: Wie anstrengend Blow-Jobs kombiniert mit Erektionsstörungen sein können, erklärt Not Fair (das musikalisch in einem Comic-Country-Gewand daherkommt). Back To The Start ist eine bitterböse und vollkommen öffentliche Abrechnung mit der eigenen, neidischen Schwester. Das veträumte Him hält die weltexklusive Erkenntnis bereit, was die Lieblingsband von Gott ist: Creedence Clearwater Revival. Und dann ist da noch das absolute Highlight: Ein zuckersüßes Klavier, ein Kinderlied-Beat und eine himmlische Melodie zieren das achte Stück, das aber dummerweise Fuck You heißt – und das auch so meint.

Spätestens dann ist klar: Es sind die Texte, die Stimme und die Attitüde von Lily Allen, die diese Songs besonders machen. In weniger stilsicheren Händen wären Lieder wie das eingängige 22 oder das von Take That komponierte Who’d Have Known bloß belanglose Massenware. Die allermeisten dieser Stücke würden überhaupt nicht funktionieren, würde man sie einen anderen Interpreten singen lassen, denn niemand könnte so rotzfrech und dennoch niedlich zugleich sein.

Man muss sich also unbedingt noch eine weitere Situation vorstellen: Das Album ist im Kasten, die Beteiligten hören sich zum ersten Mal das Resultat ihrer Arbeit an, und Lily Allen kann es kaum fassen, was für ein famoses Album ihr Songwriting-Partner Greg Kurstin da wieder produziert hat. Und der sagt einfach die Wahrheit: It’s not me, it’s you.

Ein inoffizielles Video zu Fuck You, aber besser als der echte Promo-Clip:

Lily Allen bei MySpace.

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Comments

2 Responses to “Hingehört: Lily Allen – “It’s Not Me, It’s You””

  1. [...] Dazu kommen eine beachtliche Energie und der unkaputtbare Optimismus, den Out Of Frequency ausstrahlt. Über weite Strecken klingt das Album, als hätte jemand The Sounds mehrere Monate in einem Freizeitpark eingesperrt – mit nichts als Nahrung außer einem Stapel Parliament-Platten. Fantasy Friend Forever ist ein gutes Beispiel dafür, auch Mafia gehört dazu, das ebenso sonnig und rotzig klingt wie Lily Allen. [...]

  2. [...] und voller Lebensfreude. Wer sich wünscht, SoKo würde ein bisschen häufiger lächeln, oder einen halbwegs adäquaten Ersatz für Lily Allen sucht, der könnte hier seine neue Lieblingssängerin gefunden [...]

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