Hingehört: Crowded House – “Intriguer”
| Künstler | Crowded House |
| Album | Intriguer |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Bewertung | *** |
Seit fast 25 Jahren gibt es Crowded House. Die Neuseeländer haben einiges durchgemacht: Selbstmord ihres Drummers, Auflösung in der Zeit des größten Erfolgs, Bruderzwist zwischen Neil und Tim Finn. Seit der Wiedervereinigung vor drei Jahren haben sie aber offenbar zumindest ein wenig Konstanz gefunden – und den Fleiß für sich entdeckt. Das neue Album Intriguer, das am Freitag erscheint, ist erst die sechste Platte in der Karriere von Crowded House, aber schon die zweite seit der Reunion. Sie zeigt, dass zwischen den Höhen und Tiefen von Crowded House immer die Beatles als Konstante blieben. Und sie ist ein bisschen wie Claudia Schiffer: sehr schön, aber langweilig.
Die komplette Rezension gibt es bei news.de.
Viel Wohlklang und ein bisschen Psychedelik liefert auch der Clip zur neuen Single Saturday Sun:
Draufgeschaut: Philadelphia
| Film | Philadelphia |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1993 |
| Spielzeit | 125 Minuten |
| Regie | Jonathan Demme |
| Hauptdarsteller | Tom Hanks, Denzel Washington, Antonio Banderas |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Andy Beckett ist ein erfolgreicher Anwalt, ein charmantes Schlitzohr, ebenso gewieft wie beliebt. Was in seiner Kanzlei jedoch niemand weiß: Andy ist schwul. Und er hat Aids. Als er unter einem fadenscheinigen Vorwand gekündigt wird, vermutet er, dass seine Krankheit der Grund dafür ist. Er will seine Firma wegen Diskriminierung verklagen. Doch das erweist sich als enorm schwierig: Zunächst muss Andy einen Anwalt finden, der sich mit der mächtigsten Kanzlei der Stadt anlegt. Und dann muss er auch noch den Prozess durchstehen, obwohl ihm die Krankheit immer mehr zu schaffen macht.
Das sagt shitesite:
Selten hat Melodrama so gut funktioniert wie in Philadelphia: Tom Hanks ist die perfekte Besetzung für das hilflose, gedemütigte, immer stolze und würdevolle, aber niemals trotzige Opfer. Denzel Washington ist fast noch besser mit seiner Verkörperung des homophoben Anwalts, der seine eigenen Vorurteile überwindet und dem Schreckgespenst Aids nach und nach immer näher kommt – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kamera ist sehr oft ganz nah dran und fängt somit die ganz persönliche Scham ebenso ein wie die Angst vor kleinen Berührungen, die letztlich den Horror der Gesellschaft vor dem tödlichen Anderen symbolisiert. So wird Philadelphia zu einer sehr gelungenen Parabel über Macht und Ohnmacht, Mut und Feigheit, Achtung und Ächtung. Wenn dann noch an ganz zentralen Stellen der Soundtrack seine Wirkung entfaltet (Bruce Springsteen zu Beginn, Neil Young am Schluss und Maria Callas mittendrin), dann ist das sehr dick aufgetragen. Aber es funktioniert vortrefflich und zeigt letztlich: Philadelphia ist ein Hochamt für den Wert des Lebens, ein eindrucksvoller Appell an unser Mitgefühl – mit den Mitteln des Kinos.
Der Trailer zum Film:
Draufgeschaut: Doc Hollywood
| Film | Doc Hollywood |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1991 |
| Spielzeit | 100 Minuten |
| Regie | Michael Caton-Jones |
| Hauptdarsteller | Michael J. Fox, Julie Warner, Bridget Fonda, Woody Harrelson |
| Bewertung | **1/2 |
Worum geht’s?
Dem Arzt Benjamin Stone winkt eine glänzende Karriere als Schönheitschirurg in Kalifornien. Auf dem Weg dahin hat er allerdings einen Autounfall und hängt deshalb tagelang in der Kleinstadt Grady fest. Die Bewohner wollen ihn dort am liebsten gar nicht mehr weg lassen, weil es in dem Städtchen keinen Arzt gibt. Und nach und nach scheint Stone tatsächlich den Verlockungen der Beschaulichkeit zu erliegen.
Das sagt shitesite:
Charmante und solide Gags tragen Doc Hollywood. Die Vorzüge der Provinz und die Kauzigkeit ihrer Bewohner sorgen hier für Unterhaltung. Michael J. Fox bleibt blass, dafür sind Bridget Fonda und Woody Harrelson in Nebenrollen durchaus spektakulär.
Der Trailer zum Film:
Hingehört – The Charlatans – “You Cross My Path”
| Künstler | The Charlatans |
| Album | You Cross My Path |
| Label | Cooking Vinyl |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Bewertung | *** |
Manchmal ist es eben ganz entscheidend, dass man der Erste ist. Elisha Gray kann ein Lied davon singen: Er hatte 1876 die geniale Idee, Töne über elektrische Signale zu übermitteln. Leider hatte zwei Stunden vorher auch Alexander Graham Bell ein Patent für diese Methode angemeldet – und seitdem gilt Bell als Erfinder des Telefons, und Elisha Gray kennt keine Sau mehr.
Eberhard Köllner ist auch nicht gerade eine Berühmtheit geworden. Dabei hat nicht viel gefehlt, und er wäre der erste Deutsche im All gewesen. Doch aus Gründen, die sie nicht näher erläuterten, wählten die russischen Raumfahrt-Chefs dann Sigmund Jähn aus.
Und seit You Cross My Path kennen auch die Charlatans das Gefühl, dass es eben nicht dasselbe ist, wenn man nicht der erste ist. Dabei war die Idee sehr gut: Sie boten You Cross My Path komplett kostenlos im Netz an. Die Band hatte keinen Plattenvertrag mehr, tat sich mit dem Radiosender XFM zusammen und auf dessen Seite konnte man im März 2008 alle neuen Charlatans-Songs kostenlos bekommen.
In Zeiten, in denen quasi jeder über die Zukunft der Musikindustrie diskutierte, hätte das ein veritabler Marketing-Coup für die Veteranen werden können. Womöglich sahen die Charlatans schon die Schlagzeilen vor sich: “Revolution!” “Ich habe die Zukunft gesehen – und sie ist kostenlos!” Oder aber auch “Tim Burgess beerdigt die Musikindustrie”.
Es gab da nur ein Problem: Die Charlatans waren zu spät dran. Radiohead hatten fünf Monate vorher genau dieselbe Idee – und generierten so den Hype um ihr Gratis-Album In Rainbows. Als das dann auch als physischer Tonträger erschien, wurde es Nummer 1 in England und den USA. Für You Cross My Path reichte es nur zu Platz 39 im UK.
Ein ordentliches Album ist es trotzdem. Wenige Bands können auf ihrem zehnten Longplayer noch eine Energie entfachen wie die Charlatans im Opener Oh! Vanity. Das Bass-Riff von Bad Days klingt verdammt danach, als ob es Krist Novoselic feuchte Träume beschert. The Misbegotten macht dann einen Ausflug in elektronische Gefilde, genauer gesagt: ins New-Order-Land. My Name Is Despair spielt mit Krautrock-Einflüssen und weist in etwa in die Richtung, die The Horrors (deren Faris Badwan hier das Cover gestaltet hat) mit ihrem zweiten Album eingeschlagen haben. Irgendwo zwischen Air und Primal Scream bewegt sich das irre A Margin Of Sanity. Der Rausschmeißer This Is The End ist lupenreiner Stadionrock mit einem Intro, das nicht allzu weit von Summer Of ’69 entfernt ist.
Die Lust, alle möglichen Stile auszuprobieren und der Drang, ständig allen zu beweisen, was sie alles können, waren es vielleicht (neben Krebs, Tod und Gefängnisstrafen), die der Band um Frontmann Tim Burgess im Wege standen, als es galt, eine wirklich ganz große Nummer zu werden. Auch auf You Cross My Path schlägt das Pendel zwischen Muso und Glamour zu oft in die falsche Richtung aus. Aber gegen kompetenten Rock mit viel Verzweiflung und einem Hang ins Düstere ist trotzdem nichts einzuwenden. Wenn sie so weitermachen, werden es die Charlatans wohl einst von Madchester-Mitläufern zu respektierte UK-Größen gebracht haben. Und damit wären sie dann wirklich die ersten.
Hier sind sie definitiv mehr Glamour als Muso – der Clip zur Single Oh! Vanity:
Warum der Vuvuzela-Filter ein Fehler ist
Weil das laute Tröten der Vuvuzelas bei der Fußball-WM in Südafrika die deutschen Fernsehzuschauer nervt, blenden viele Sender den Ton nun aus. Für die Fußballfans im Fernsehsessel mag das angenehm sein. Wenn Journalisten sich aber zu einer solchen Manipulation hinreißen lassen, haben sie ihren Job nicht verstanden: Sie sollen die Wirklichkeit abbilden. Auch, wenn sie laut ist.
Den kompletten Kommentar gibt es auf news.de.
Durchgelesen: Benjamin von Stuckrad-Barre – “Auch Deutsche unter den Opfern”
| Autor | Benjamin von Stuckrad-Barre |
| Titel | Auch Deutsche unter den Opfern |
| Verlag | KiWi |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Bewertung | **** |
Was ist bloß aus dem guten, alten Stuckrad-Barre-Bashing geworden? Was das nicht mal der Schnösel, der sich für einen Schriftsteller hielt? Der Rotzlöffel, der erst einmal ein bisschen buckeln sollte, bis die Herren in der Beletage des deutschen Journalismus ihn überhaupt für wahrnehmenswürdig befanden? Der Typ, der sich hochschlafen wollte, als es karrieremäßig nicht mehr so gut lief?
Diese Zeiten sind offensichtlich längst vorbei. Es gibt einen neuen Konsens, und der lautet: Preiset den Herrn! “Wer unsere Republik im neuen Millenium begreifen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei”, behauptet der Spiegel angesichts von Auch Deutsche unter den Opfern, einer Zusammenstellung von Stuckrad-Barres Reportagen für diverse Springer-Publikationen. Ganz ähnlich merkt auch die Zeit an: “Einen besseren Chronisten unserer Zeit gibt es einfach nicht.” Und die FAZ attestiert ihm einen “unerbittlichen Blick”.
Die Lobhudeleien funktionieren offensichtlich so gut, dass sich Auch Deutsche unter den Opfern weiter ganz glänzend verkauft. Das Buch ist sogar so gefragt, dass die neuesten Auflagen (wegen einer Papierkrise, wer hielte so etwas in Zeiten des iPads noch für möglich!) beinahe hätten verschoben werden müssen, dann aber doch (auf minderwertigem Papier) erschienen sind.
Benjamin von Stuckrad-Barre wird selbst wissen, wie amüsant das alles ist. Debb genau die Leute, die einst Deutsches Theater zerrissen und Blackbox nicht verstanden haben, sind nun voll des Lobes. Ein bisschen ist es die Oasis-Strategie: Wenn man einfach nur lang genug dasselbe macht (und dieses Selbe so gut wie niemand sonst), finden es die Leute irgendwann wieder großartig.
Gerade zu Blackbox gibt es hier große Parallelen. Der damals noch erbittert geführten Debatte, ob das nun (schon) Literatur ist oder (doch bloß) noch Journalismus, ist Stuckrad-Barre längst entschwebt. Er verschmilzt Beides, wie Helmut Dietl bereits in seinem erstaunlichen Vorwort richtig analysiert. “Der Autor schreibt, was ist.” Und weil sich diese Gegenwart/Realität/Szenerie eben nicht auf reine Fakten beschränken lässt, arbeitet er damit auch mit den Mitteln der Prosa.
So früh wie kaum ein anderer hat Stuckrad-Barre erkannt, dass Journalismus, vor allem politischer, der Wahrheitsfindung dienen muss. Und dass man dieser Wahrheit manchmal eben dann besonders nahe kommt, wenn man sich vom rein Faktischen löst und subjektiv, interpretierend, literarisch wird.
Diese Symbiose perfektioniert er in Auch Deutsche unter den Opfern. Er ist, wie schon bei Blackbox, vor allem Chronist eines politischen Systems, in dem die Inszenierung so bedeutend geworden ist, dass es nur noch mit einem künstlerischen Blick wirklich wahrhaftig betrachtet werden kann, ob bei der mittlerweile legendären Zugfahrt mit Angela Merkel, bei den Meinungsforschern von Forsa oder an der Basis, mit der Linken in Marzahn.
Stuckrad-Barre profitiert dabei nicht nur von seinem hoch sensiblen Gespür für die Details, die das Geschehen entlarven. Er ist vor allem ein Meister der Reduktion.
Stets hat man in seinen Texten den Eindruck, dass da noch viel mehr war, dass da eine riesige Recherche erfolgt ist. Doch trotz seines nach wie vor vorhandenen Hanges, für einen schnellen Witz auch einen kleinen Umweg einzulegen (“Wäre ich ein Porsche, ich würde vermutlich schon brennen”, meint er beim Besuch mit Anzug und Krawatte in einer Kreuzberger Kneipe), gerät Stuckrad-Barre nie ins Schwafeln. Seine Geschichten enthalten ganz viel Kern, er reißt Masken herunter und lässt Fassaden einstürzen. Er zeigt das Besondere im Allgemeinen. Mehr kann man von einer Reportage nicht verlangen.
Beste Stelle: “Ich kaufe jedes Best-Of-Album von Rod Stewart, einfach, um ihn jedesmal wieder neu zu feiern, diesen Mann, der einen immer daran erinnert, dass man in der Summe doch zu wenig Zeit in leopardengemusterten Badehosen verbringt. Vielleicht einfach mal wieder die Haare blond färben und über einen Ohrring nachdenken? Und das alles dann bleiben lassen, Rod hören, der macht das für uns.”
Draufgeschaut: Kann das Liebe sein?

Lucard (Vincent Lindon), hat sich auf den ersten Blick in die Künstlerin Elsa (Sandrine Bonnaire) verliebt.
| Film | Kann das Liebe sein? |
| Originaltitel | Je crois que je l’aime |
| Produktionsland | Frankreich |
| Jahr | 2007 |
| Spielzeit | 89 Minuten |
| Regie | Pierre Jolivet |
| Hauptdarsteller | Sandrine Bonnaire, Vincent Lindon, François Berléand, Liane Foly |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Lucas ist ein erfolgreicher und wichtiger Manager. Doch als er sich in die Künstlerin Elsa verliebt, die im Foyer seiner Firma an einem Fresko arbeitet, bekommt er es mit der Angst zu tun. Denn als er sich das letzte Mal verliebt hat, wurde er schlimm hintergangen – und das stürzte ihn in eine Krise, die fast seine Firma in die Pleite getrieben hätte. Also will er diesmal auf Nummer sicher gehen: Er setzt einen Detektiv auf Elsa an, der herausfinden soll, ob man sich bedenkenlos in die selbstbewusste, eigenwillige Frau verlieben kann. Aber natürlich wartet die Liebe nicht so lange, bis der Detektiv eine Antwort darauf findet. Und der Ärger erst recht nicht.
Das sagt shitesite:
Kann das Liebe sein? ist eine amüsante Betrachtung unseres unsinnigen Drangs, nichts dem Zufall zu überlassen, nicht in die Kraft der Freiheit zu vertrauen und keine Geheimnisse zu tolerieren. Dabei funktioniert der Film vor allem, weil alle Figuren von Kann das Liebe sein? mit einer guten Portion Selbstironie agieren: Vincent Lindon als spätpubertärer, zum Selbstmitleid ebenso wie zum Größenwahn neigender Wirtschaftsboss. Sandrine Bonnaire als spleenige Außenseiterin, die aber doch ein Faible für das Bodenständige hat. Und vor allem Francois Berléand, der als Detektiv Roland herrlich hemmungslos ist. Das Ergebnis ist extrem charmant, und die Moral ist natürlich: Es gibt keine Liebe ohne Vertrauen.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: The Gaslight Anthem – “American Slang”
| Künstler | The Gaslight Anthem |
| Album | American Slang |
| Label | SideOneDummy Records |
| Erscheinungsjahr | 2010 |
| Bewertung | ***1/2 |
Heute morgen bin ich von meinem iPod mit The River von Bruce Springsteen geweckt worden. Natürlich ein guter Start in den Tag, eine Hyme, ein Tearjerker, voller Aufbegehren – und doch eines der romantischsten Lieder überhaupt. Bei der Zeile “I remember her sliding in her mother’s car” kann man auch nach 30 Jahren noch leicht eine Gänsehaut bekommen.
Und da wurde mir klar: Es sind Zeiten wie diese, in denen die Sehnsucht entsteht. Die Sehnsucht nach großen Gefühlen, echten Werten und unbedingter Authentizität. Der Wunsch, etwas zu finden, das Bedeutung hat. Jemanden an seiner Seite zu wissen, an den man glauben kann.
Denn die Krise, in der alles wankt, vieles fragwürdig ist und nichts sicher erscheint, erschüttert nicht nur unser Sparbuch, unsere Altersvorsorge oder die Urlaubsplanung. Sie berührt uns vor allem auch emotional, sie raubt uns Lebensfreude, ruhigen Schlaf und Hoffnung.
Genau da setzen The Gaslight Anthem an. Seit ihrem Debüt Sink Or Swim im Jahr 2007 macht das Quartett aus den USA Musik, die beinahe berstet vor Leidenschaft. Diese Band gibt sich nie damit zufrieden, dass sie beeindruckt. Sie legt immer noch eine Schippe drauf, bis sie wirklich begeistert. Und die Texte von Sänger Mike Fallon haben oft genug genau die feine Beobachtungsgabe, genau das richtige Wort an der passende Stelle, die sie so allgemeingültig (also: besonders) machen.
Übermorgen erscheint mit American Slang ihr drittes Album, und auch diesmal gilt: The Gaslight Anthem sind eine Band, deren Lieder man nicht nur hören, sondern selbst in Zeiten von MySpace und Spotify auch haben (also tatsächlich: kaufen) will. Ihre Textzeilen scheinen nicht auf einem profanen Notizblock das Licht der Welt erblickt zu haben, sondern wirken wie abgelesenen von (oder gemacht für) Unterarm-Tätowierungen. Dies ist Musik, die «noch in ferner Zukunft Bestand haben wird», wie der NME schon über den grandiosen Vorgänger The ’59 Sound geschrieben hat.
Auf American Slang perfektioniert die Band ihren Sound, der sich nach wie vor sehr praktisch mit zwei Worten beschreiben lässt (da isser dann wieder): Bruce Springsteen. Auch der wurde in Zeiten der Rezession zum Anker für den kleinen Mann, auch er kannte den blue-collar-Puls und auch er erzählte die kleinen Geschichten vom großen Niedergang – und wurde als angenehmer Nebeneffekt zum Superstar.
Auf seinen Spuren wandeln The Gaslight Anthem, die genau wie der «Boss» aus New Jersey kommen, auch diesmal. Es gibt Hymnen, Inbrunst und jede Menge Aufrichtigkeit. Es gibt die Wut auf das übermächtige System, und das Wissen um die kleinen Schliche, mit dem man ihm doch ein Schnippchen schlagen kann. Das wäre womöglich arg peinlich, wenn es nicht echt wäre: Die Band stammt aus der Punk-Szene von New Brunswick, Mike Fallon ist gelernter Schreiner.
American Slang, das wie der Vorgänger von Ted Hutt produziert wurde, zeigt aber auch so etwas wie eine neue Virtuosität (wenn man bei einer Band, die aus der Hardcore-Punk-Szene kommt, solch einen Begriff gebrauchen darf). Er habe sich ein Beispiel am Musiker-Ethos von Eric Clapton genommen und «angefangen, richtig Gitarre spielen zu lernen», sagt Fallon, wenn er die Unterschiede zum bisherigen Sound erklären soll. Und er sagt: «Mit diesem Album haben wir, kurz gesagt, hart daran gearbeitet, herauszufinden, was uns ausmacht.»
Und das ist, neben Energie und Melodien, nun vor allem das Leitmotiv der Selbstvergewisserung: Wir haben noch immer das Herz am rechten Fleck. Wir sind nicht mehr ganz jung, aber «Establishment» ist noch immer ein Schimpfwort für uns. Ein paar (Frauen-)Geschichten sind schief gelaufen, aber es gibt nichts zu bereuen. Wir sind jetzt eine erfolgreiche Band, aber wir haben immer noch genug über das echte Leben zu erzählen. Vieles hatten wir uns anders vorgestellt im Leben, aber das ist kein Grund, aufzugeben.
Dazu kommt diesmal die Lust an der ganz großen Geste. Dass sie nicht nur als Gäste von Bruce Springsteen in riesigen Hallen auf der Bühne stehen wollen, sondern auch selber diese Liga im Visier haben, macht American Slang ganz deutlich. Fallon macht daraus, ganz Punk-untypisch, gar keinen Hehl: “Wir wollen nicht einfach nur eine Fußnote in der Musikgeschichte sein. We want to be The Ones, y’know?” Und man hört der Platte an, dass hier in Großbuchstaben gesprochen wird.
Auch im Vorfeld hatten The Gaslight Anthem eine Menge getan, was sich mit Punk-Purismus nicht gut vereinen lässt, American Slang aber sicher helfen wird, ein Erfolgsalbum zu werden. Es gibt eine Extra-Website für das Album mit einem Video-Tagebuch über die Arbeit im Studio. Und die Plattenfirma verschenkt im Tausch gegen E-Mail-Adressen und Fan-Unterstützung einen akustischen Gratis-Song.
Und genauso ambitioniert klingt American Slang. Schon im Titelsong ganz am Beginn der Platte gibt es Glocken und Chöre. Bring It On setzt auf einen verspielten Call-and-Response-Gesang, The Diamond Church Street Choir schafft es, gleichzeitig die eigene Street-Credibility zu beschwören und gleichzeitig ein paar Seiten aus dem großen U2-Handbuch für Stadionrock zu reißen. Mit dem packenden Orphans und dem noch ein Stückchen besseren Boxer sind zwei echte Hits dabei.
Eines der Schlüsselstücke ist das ebenfalls sehr gelunge Stay Lucky. Der Song hat einen Refrain, der auch von Green Day stammen könnte. Der Text ist von High Fidelity inspiriert und erzählt davon, welch passende (und gefährliche) Begleiter die richtigen Platten für Nostalgie und Selbstmitleid sein können. Keine Frage: Eines Tages wird American Slang für ganz viele Menschen auch eine dieser Platten sein.
The Gaslight Anthem auf der Bühne mit ihrem Held und Mentor: Bruce Springsteen macht mit bei The ’59 Sound:
The Gaslight Anthem bei MySpace.
Der kritische Blick: Pro und Contra Vuvuzela
Die einen sagen: Die Vuvuzela nervt. Sie stört die Spieler. Sie muss verboten werden. Die anderen sagen (so wie ich): So ist die WM nun einmal: schwarz und laut. Darauf muss man sich einlassen, wenn man zu Gast in Afrika ist. Ein Streitgespräch.
Mehr Kommentare zu aktuellen Themen gibt es bei den News.de-Videos.
Draufgeschaut: Delphinsommer
| Film | Delphinsommer |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2004 |
| Spielzeit | 85 Minuten |
| Regie | Jobst Oetzmann |
| Hauptdarsteller | Anna-Maria Mühe, Tino Mewes, Samuel Finzi, Birge Schade, Sophie Rogall |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Nathalie zieht mit ihrer Familie nach Berlin und kommt in eine neue Schule. Dort hat sie es schwer, weil sie zu einer streng christlichen Sekte gehört und deshalb kaum die Freuden des Teenager-Daseins genießen kann. Als sie Sibille kennenlernt, die ebenfalls Mitglied der Sekte ist, aber fliehen möchte, werden ihr die Fesseln der Gemeinschaft brutal vor Augen geführt.
Das sagt shitesite:
Delphinsommer ist eine gut gespielte und spannende, aber streckenweise doch etwas platte Kritik an religiösem Fanatismus und Herdentrieb.
Der Trailer zum Film:







