Der kritische Blick: Die Jammer-Taktik der Bauern

Juli 22, 2010 · Posted in Ich, Kommentare, Videos, Weltgeschehen · Comment 

Schon wieder jammern die Bauern. Diesmal ist nicht die Regierung schuld, auch nicht die Discounter. Diesmal ist ihnen das Wetter zu schlecht. Erst war’s zu kalt, jetzt ist es zu heiß – die Ernte ist bedroht. Ich kann’s nicht mehr hören und habe nur einen Wunsch an die Bauern: Hört endlich auf zu jammern!

Mehr Kommentare zu aktuellen Themen gibt es bei den News.de-Videos.

Interview mit Roman Fischer

Juli 21, 2010 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · Comment 
Berlin ist für Roman Fischer das, was für andere Leute ein Haus in Spanien ist. Foto: Ronny Banas

Berlin ist für Roman Fischer das, was für andere Leute ein Haus in Spanien ist. Foto: Ronny Banas

Mit erst 25 Jahren hat Roman Fischer den Ruf des deutschen Indiepop-Wunderkinds schon hinter sich gelassen. Vielleicht erweist er sich deshalb als vergleichsweise mutiger junger Mann. Ich treffe den 25-Jährigen zum Interview an der Leipziger Parkbühne, wo er das Vorprogramm für das Unplugged-Konzert der Sportfreunde Stiller bestreitet. Auf der Bühne spielt er fast nur Stücke vom neuen Album Roman Fischer, das erst übermorgen erscheinen wird und das deshalb nicht einmal seine größten Fans kennen können.

Einen Tag nach dieser Show wird er bei Rock am Ring auf der Bühne stehen. Doch vor dem Festival in der Eifel, wo es normalerweise eher um harte Männer geht als um sensible Indiepop-Wunderkinder, ist ihm nicht bange. «Für uns ist es eine Ehre, dass wir da spielen dürfen», sagt er. Und verrät danach im Interview, warum er nach Berlin ziehen musste, um seine Ruhe zu finden. Und wie er auf dem neuen Album den Mut gefunden hat, auf Deutsch zu singen.

Wenn man das neue Album Roman Fischer hört, könnte man den Eindruck haben, dass der Gedanke an Sommer, Festivals und Konzerte schon im Studio eine Rolle gespielt hat.

Fischer: Auf jeden Fall. Es ging darum, kreativ zu sein, ohne sich allzu viele Gedanken zu machen. Früher habe ich oft nach möglichst cleveren Akkorden gesucht. Diesmal wollten wir einfach Spaß haben, und ich habe zum Beispiel ganz viel mit Klischees gespielt. Wenn man so will, habe ich auf dieser Platte meinen Humor entdeckt. Wir haben als Team ganz befreit gearbeitet, auch dank Produzent Patrick Berger.

Bisher hast Du sehr viele Instrumente selbst eingespielt. Die neue Herangehensweise bedeutete aber auch, dass Du die Alleinherrschaft über Deinen Sound abgeben musstest. War das schwierig?

Fischer: Das war vor allem am Anfang eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Aber im Rückblick hat mir das nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sehr weiter geholfen. Im Lied Let It Go schreibe ich darüber, dass es manchmal gar nicht so wichtig ist, dass man alles selber im Griff hat.

Bist Du auch sonst eher ein Einzelgänger?

Fischer: Ich bin kein Partymensch, der die ganze Zeit ausgeht und es krachen lässt. Aber ich bin auch kein Einzelgänger, schon gar nicht im musikalischen Bereich. Ich bin schon seit Jahren mit so vielen Musikern verbunden, mit denen ich auch sehr gerne zusammenarbeite, da wurde es höchste Zeit, diese Offenheit auch mal im Konzept der Platte zu berücksichtigen.

Wünscht Du Dir manchmal, Du hättest auch schon auf den ersten beiden Alben auf diese Weise gearbeitet?

Fischer: An manchen Stellen schon. Andererseits bin ich auch sehr zufrieden mit den beiden Platten. Bei Bigger Than Now war ich natürlich noch sehr jung und habe dann später versucht, mich ein bisschen von diesem leichten Pop zu distanzieren. Wenn ich mir das Album heute anhöre, finde ich sie aber sehr gut und mutig.

Die zweite Platte hast du kürzlich in einem Interview als «schockierend düster» bezeichnet. Wenn man den Videoclip zu Lightscapes anschaut, in dem Du eine Wand durchbrichst, die für alle anderen undurchlässig ist – muss man das dann auch als Statement interpretieren, dass Du nun wieder den Durchbruch zu optimistischeren Sounds geschafft hast?

Fischer: Die Idee für das Video kam von Regisseur Julian Reich, und man kann sie in viele Richtungen interpretieren. In dem Song geht es eigentlich eher um das System, in dem wir leben, um die Tatsache, dass immer mehr in immer kürzerer Zeit passiert. Inzwischen sehe ich das Video aber auch ein bisschen so, dass es für mich ein Durchbruch sein könnte, in eine andere Richtung zu gehen.

Hört man Roman Fischer an, dass die Platte nicht mehr in Augsburg, sondern in Berlin entstanden ist?

Fischer: Berlin ist in meinen Augen keine besonders inspirierende Stadt. Aber es ist eine Stadt, die mir die Freiheit gibt, Musiker zu sein. Trotzdem hätte ich die Platte nicht so gemacht, wenn ich noch in Augsburg gewohnt hätte, weil ich dann zu sehr auf mein Umfeld gehört hätte.

Also war das Ziel nicht so wichtig, aber es war wichtig, überhaupt rauszukommen?

Fischer: Ja. Andere Leute gehen in ein einsames Haus in Spanien, und ich bin eben nach Berlin gegangen und habe es dort geschafft, meine Ruhe zu finden und mir ganz viel Zeit zu nehmen, um zu reflektieren. Auch die elektronische Musik in Berlin hat die Platte sicherlich beeinflusst.

Was gab es sonst für Vorbilder für den Sound des Albums?

Fischer: Ganz viele. Es waren ja immerhin vier Jahre, die zwischen den beiden Platten liegen, und da entdeckt man eine Menge toller neuer Musik. Ich denke schon, dass man dem Album anhört, was ich selber für Bands und Musikrichtungen mag. Zum Beispiel haben diesmal die Blood Brothers eine große Rolle gespielt. Das ist eine Hardcore-Punkband, die sich jetzt leider aufgelöst hat. Aber auch Chairlift aus New York haben mich sehr inspiriert. Außerdem träume ich seit Jahren davon, einmal ein ganz hartes Soul- und R’n'B-Album zu machen. Das Schwierige war, diese sehr verschiedenen Einflüsse unter einen Hut zu kriegen.

Gibt es auch deutsche Künstler, an denen Du Dich orientierst?

Fischer: Natürlich schaue ich, ob es da Bezugspunkte gibt. Das ist aber auch ein Problem. Wenn man einmal von der deutschen Presse gelobt wird, so wie das bei Personare der Fall war, dann versucht man oft, daran anzuschließen. Und mit dieser Herangehensweise habe ich eine Menge Zeit verschwendet. Erst dann habe ich erkannt: Es bringt nichts, wenn man sich selber noch einmal kopiert.

Gibt es für Dich trotzdem so etwas wie ein deutsches Selbstverständnis bei Deiner Musik?

Fischer: Mitterweile ja, das ist ganz witzig. Denn die Schweden, mit denen ich jetzt am neuen Album gearbeitet habe, sind alle riesige Deutschland-Fans. Produzent Patrick Berger hätte sich als Teenager beinahe «Autobahn» auf den Arm tätowieren lassen, weil er von Kraftwerk so begeistert war. Und ich habe eigentlich erst durch die Schweden diese urdeutschen Sachen wie Krautrock so richtig gut kennen gelernt. So ist dann auch All Night All Day entstanden, wo ich auch auf Deutsch singe. Deutsch und Englisch zu mischen, fand ich eigentlich immer total uncool. Aber die Schweden sagten dann: Wieso? Du kommst doch aus Deutschland? Damit kannst Du auch Stellung beziehen zu Deiner Heimat. Und sie hatten Recht: Letztlich ist All Night All Day ein Lied geworden, das unbedingt auf die Platte drauf musste.

Dieses Interview gibt es auch bei news.de.

Roman Fischer bei MySpace.

Videointerview mit Roman Fischer

Juli 21, 2010 · Posted in Ich, Interviews, Videos, Weltgeschehen · 1 Comment 

Vor ein paar Wochen hat Roman Fischer das Vorprogramm für die Sportfreunde Stiller bei deren Unplugged-Show in der Parkbühne Leipzig bestritten. Ich habe ihn danach hinter der Bühne getroffen. Im Video-Interview verrät er, warum er auf dem neuen Album Roman Fischer plötzlich wieder gute Laune hat, wieso er diesmal nicht alles selbst gemacht hat und weshalb es Zuspruch aus Schweden brauchte, damit er sich traute, auf Deutsch zu singen.

Roman Fischer bei MySpace.

Hingehört: Roman Fischer – “Roman Fischer”

Juli 20, 2010 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 
Roman Fischer ist auf seinem dritten Album unverschämt Pop.

Roman Fischer ist auf seinem dritten Album unverschämt Pop.

Künstler Roman Fischer
Album Roman Fischer
Label Universal
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung ***

Es ist ein faszinierender Moment. Da ist Roman Fischer, von seiner Plattenfirma nicht ganz zu Unrecht als „das Wunderkind der deutschen Indiemusik“ bezeichnet. Mit gerade einmal 24 Jahren veröffentlich er sein bereits drittes Album. Er nennt die Platte Roman Fischer und deutet damit einen Neuanfang an. Und dann singt er plötzlich auf Deutsch.

Dem Augsburger, dessen Sound bisher irgendwo zwischen A-ha, Coldplay und Placebo schwankte, platzt nun plötzlich, kurz vor dem Ende seines übermorgen erscheinenden Albums, das Wort „Herzschmerz“ heraus. Es gehört zum Lied All Night All Day, ist ein Bastard aus Deutsch und Englisch, Neuer Deutscher Welle und Nu Rave – und ein Volltreffer. Erst Patrick Berger, der schwedische Produzent der Platte, habe ihn überzeugen können, auch mal in seiner Muttersprache zu singen, verrät Roman Fischer im Interview: „Bei Patrick hat es klick gemacht. Er hat mich zur Popmusik zurückgebracht und mir gezeigt, dass es nicht darum geht, sich selbst etwas zu beweisen, sondern dass der Song und das Gefühl im Vordergrund stehen müssen.“

All Night All Day ist einer von vielen erstaunlichen Songs auf Roman Fischer. Nach dem hoch gelobten (im November 2006 Platte des Monats im Musikexpress), aber sehr düsteren Vorgänger Personare hat Roman Fischer offensichtlich die Leichtigkeit entdeckt. Er traut sich Pop. Er hat keine Angst mehr vor der Möglichkeit, dass der Rest der Welt das womöglich nicht cool, virtuos oder glaubwürdig findet. Und er öffnet sich auch in seiner Arbeitsweise: Spielte das Multitalent bisher fast alle Instrumente selbst ein, so wurde diesmal bei den Sessions in Schweden auf Zusammenarbeit gesetzt.

„Von meinen Empfindungen her bin ich mit Sicherheit ein schwerer Mensch, aber trotzdem habe ich eine gute Zeit und bin längst nicht so schwer, wie mich viele Leute sehen“, sagt Roman Fischer. Dass er zuletzt im Vorprogramm der Sportfreunde Stiller zu sehen war, ist plötzlich gar nicht mehr so erstaunlich. „Positive Energie“ lautet sein neues Motto.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Roman Fischer nun wie Daniel Küblböck klingt. Aber es gibt ganz viel feinen Pop. We’ll Never Meet Again hat auch dank der reduzierten Strophe einen famosen Drive. Das wundervolle Not For Everyone, in dem Roman Fischer so etwas wie die Emanzipation von seiner eigenen Erwartungshaltung feiert, vereint eine leicht melancholische Strophe mit einem unendlich euphorischen Refrain, wie das sonst nur The Cure oder die Shout Out Louds so perfekt hinbekommen. Auch Let It Go, das ein ganz ähnliches Thema hat, gefällt mit viel Schwung und Liebe zum Detail.

Ausgerechnet der Auftakt misslingt allerdings. Into Your Head bietet ein durchaus faszinierendes Zusammenspiel von Bass, Beat und an Depeche Mode oder Human League erinnernden Gesang. Doch dann kommt der Kopfstimmen-Refrain – das Gegenteil von Pop. Der Disco-Rhythmus und die pseudo-eingängige Melodie wollen unbedingt ein Hit sein, doch genau dieser Ehrgeiz lässt den Refrain der Vorab-Single verkrampft klingen. Dass die Textzeile „Out of my mind and into your head“ ganze 13 Mal wiederholt wird, macht das Ganze auch nicht eingängiger.

Nach knapp der Halbzeit der Platte wird es ein bisschen düsterer. Das klavierlastige Lighstcapes und Sooner Or Later mit seinem gespenstischen Arrangement lassen an Get Well Soon denken. Beware hat zwar mehr Kraft, aber auch nicht die Unbeschwertheit der ersten Stücke. Dafür gibt es die Komplexität und Intensität, die Roman-Fischer-Fans nach den ersten beiden Alben schätzen dürften.

Some Other Man (“textlich habe ich mich darin über diese ganze Kleingeistigkeit ausgekotzt“) vereint die Dresden Dolls mit Muse, das reduzierte Out Of Control ist eine berückende Ballade, der Rausschmeißer Carpet pure Eleganz. Wenn Roman Fischer darin von der Orientierungslosigkeit singt, darf man mittlerweile sicher sein: Das ist Lyrik – und nicht mehr die Suche nach sich Selbst. Denn das hat er auf Roman Fischer gefunden.

Auch hier ein Durchbruch: Im Clip zu Lightscapes will Roman Fischer mit dem Kopf durch die Wand:

Roman Fischer bei MySpace.

John Fogerty, Leipzig, Parkbühne

Juli 19, 2010 · Posted in Live, Musik · 4 Comments 
Die anderen auf der Bühne könnten alle seine Söhne sein. Aber John Fogerty beweist selbst noch genug Frische.

Die anderen auf der Bühne könnten alle seine Söhne sein. Aber John Fogerty beweist selbst noch genug Frische.

Ich habe den Sonntag beim Melt sausen lassen, um dieses Konzert von John Fogerty zu sehen. Manch einer mag darüber den Kopf schütteln. Ein sehr böser Mensch hat sogar behauptet, ich würde nur hingehen, um mal wieder der Jüngste bei einem Konzert zu sein. Doch das ist natürlich Quatsch. In Wirklichkeit bin ich hingegangen, weil nicht allzu oft lebende Legenden direkt um die Ecke spielen. Und weil John Fogerty einer der Größten ist, wenn es um Gitarrenmusik mit bestechenden Melodien und betörendem Groove geht.

Und es wird beim Auftritt auf der Parkbühne Leipzig auch schnell klar, dass dieser Abend ein Erfolg wird. Manch einer Oldieshow sieht man an, dass sich die Helden von einst nur noch auf die Bühne quälen, um ein halbwegs passables Auskommen im Alter zu haben – oder weil sie nach Jahrzehnten on the road ohne Bewunderung, Applaus und Freigetränke hinter der Bühne einfach keinen anderen Lebensinhalt mehr finden können.

John Fogerty kommt zumindest für die erste Kategorie infrage. Schließlich hat der einstige Chef von Creedence Clearwater Revival, der in der erfolgreichsten Zeit von CCR Welthits am Fließband geschrieben hat, jahrelang um die Urheberrecht an seinen eigenen Songs gestritten – und sich mit den horrenden Anwaltskosten fast ruiniert. Doch jede Sekunde der Show in Leipzig macht deutlich: Dieser Mann steht nicht auf der Bühne, um Geld zu verdienen. John Fogerty spielt, weil es ihm Spaß macht.

Mit dem Rückblick aufs eigene Schaffen geht er durchaus humorvoll um. “This is an old song”, will er ziemlich zu Beginn ein Lied ankündigen, doch dann merkt er selbst, dass er sich korrigieren muss: “In fact, all my songs are old songs.” Doch nach einem etwas zähen Beginn (die Fans werden schnell ungeduldig, als der Meister nicht pünktlich zur Tagesschau-Zeit auf der Bühne steht, dann sind zunächst Stimme und Schlagzeug zu laut), kommt John Fogerty schnell in Schwung. Mit The Midnight Special nimmt er Fahrt auf, danach erstrahlt Have You Ever Seen The Rain in voller Pracht und geht direkt in die erste von zwei Coverversionen des Abends über: Die Pretty Woman kommt hier definitiv in Lack und Leder daher.

Dass sich John Fogerty später noch erfolgreich am Summertime Blues (Eddie Cochran) und Rockin’ All Over The World (das er selbst geschrieben hat, das aber erst von Status Quo zum Riesenhit gemacht wurde) versucht, beweist ebenfalls: Er hat einfach Lust aufs Spielen. Seine Stimme klingt noch immer wie in den 1960ern – dabei ist Fogerty inzwischen selbst, wie er etwas ungenau einräumt, “in my sixties”. Und vor allem an der Gitarre beweist er eine faszinierende Spielfreude.

Das Zusammenspiel mit seiner Band (alle Mitstreiter auf der Bühne könnten als seine Söhne durchgehen) ist exzellent. Immer wieder entsteht der patentierte CCR-Groove, mit viel Druck, aber niemals plump – und die Bandbreite reicht dabei von lupenreinem Country bis hin zu durchaus brachialem Hardrock. Das Highlight (neben dem hymnischen Rausschmeißer Proud Mary) ist der Doppelpack aus Bad Moon Rising und Fortunate Son.

Und John Fogerty macht bei seinen Soli deutlich, dass er dringend in sämtliche Listen der noch lebenden Gitarrengötter aufgenommen werden sollte. Natürlich ist dieser Mann ein famoser Sänger und noch talentierterer Komponist. Doch auch an seinem Instrument hat es Fogerty zu einer Meisterschaft gebracht, die oft übersehen (oder eben überhört) wird. Wenn er sich Duelle mit dem Mann an der Fiddle liefert oder ganz am Ende einer Art Sechssaiter-Polonaise mit allen vier Gitarristen auf der Bühne anführt, wird klar: All seine Hits hat dieser Mann vor allem aus einer unendlichen Liebe zur Gitarre geschrieben. Und er liebt sie noch immer – die Gitarre und seine Hits.

Proud Mary hat sich John Fogerty bis ganz zum Schluss aufgehoben. Aber das Warten hat sich gelohnt:

John Fogerty bei MySpace.

Melt Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen, Tag 3

Juli 19, 2010 · Posted in Live, Musik · 1 Comment 
Zum Schluss gab es beim Melt wieder viel Sonne. Und Massive Attack. Foto: Melt/Stephan Flad

Zum Schluss gab es beim Melt wieder viel Sonne. Und Massive Attack. Foto: Melt/Stephan Flad

Ich will nicht schwindeln: Ich war nicht da. Nicht etwa, weil ich nach dem superheißen Freitag oder der Chris-Cunningham-Debatte am Samstag genug vom Melt gehabt hätte. Sondern weil ich meinem Papa lange vorher versprochen hatte, mit ihm zum John-Fogerty-Konzert zu gehen. Um die Berichterstattung trotzdem zu komplettieren, gibt es hier einfach die besten Tweets zum Sonntag beim Melt:

Platz 10: bodidily_uk

Mullet spotted on a girl. And not at the tranny party. Scared, but gettin a beer out of it! 3-1 to me. #mulletwatch #melt2010

Platz 9: Kraetzsche

I’m still melted! Thanks for a fantastic #meltfestival

Platz 8: bodidily_uk

Damn you Bench and your free alcohol! #melt2010 (P.S.: Bench ist einer der Hauptsponsoren und versorgt seine VIP-Gäste offensichtlich sehr großzügig).

Platz 7: lila_lampion

“Bei Friendly Fires wurde eine E-Gitarre mit einem Tischstaubsauger bespielt.” ich wusste, ich verpasse was!

Platz 6: mariesche

Perfekter letzter Tag auf einem perfekten #meltfestival. Jetzt erstmal auf nen Bagger steigen http://twitpic.com/26ix3l

Platz 5: stylewalker

Going home from of the best #meltfestival ever. Great music, great weather, great people..

Platz 4: angelii

fucked up passen hier nicht hin. das intro zelt ist nicht mal halb gefüllt … die, die da sind drehen aber komplett am rad.

Platz 3: franticzek

Sangria flavoured cigarette.vom zeltnachbarn.#meltfestival http://yfrog.com/m9p13ij

Platz 2: benjamin030

lightly drunk and back at home. @meltfestival was the holiest shit ever, best 4 days! YOU #MELT MY HEART

Platz 1: bhrgero

alles kryptokrass! #melt2010

Nach allem, was man hört, waren die Kings Of Convenience eines der absoluten Highlights am Sonntag:

Melt Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen, Tag 2

Juli 18, 2010 · Posted in Live, Musik · 3 Comments 

The Big Pink brauchten eine Weile, lieferten zum Schluss aber eine Hymne.

The Big Pink brauchten eine Weile, lieferten zum Schluss aber eine Hymne.

Auch am zweiten Tag beim Melt spielte das Wetter eine Hauptrolle. Statt der Frage “Wo gibt es Schatten und wie soll man diese Hitze ertragen?” musste man diesmal aber eher bang gen Himmel blicken und sich wundern: “Wann fängt es an zu regnen und wie schlimm wird es dann?”

Natürlich erinnert beim Melt fast nichts an Woodstock, doch in Ferropolis fand sich ein deutlich wirkungsvolleres Gegenmittel, um mit kollektiver Kraft Niederschlag zu verhindern als dämliche “No Rain”-Sprechchöre: tanzen. Keine Frage: Der Samstag beim Melt war für Bewegung gemacht – und das galt nicht nur, weil nun keine schweißtreibenden Temperaturen mehr herrschten.

Besonders gut funktionierte das, weil die momentan angesagte Newcomer-Reihe keine Berührungsängste mit Mainstream und lupenreinem Pop kennt. Bei Hurts wurde das nicht nur in den Ansagen (“so viele Mädchen!”) und schicken Anzügen deutlich, sondern auch im Sound. Obwohl die Engländer ihren Hit Wonderful Life gleich als erstes raushauten, hielten sie die Menge bei Laune. Feine Show.

Darwin Deez trieb die Tanzeslust allerdings auf die Spitze. Seine Show begann (nachdem sich der Drummer backstage nicht etwa mit Drogen, sondern mit Liegestützen aufgepeitscht hatte) mit einer grandiosen Breakdance-Einlage der gesamten Band. Danach gab es von New Yorker viel gute Laune und (dann doch wieder) jede Menge Schweiß beim Melt.

Friendly Fires standen dem in nichts nach. Von Beginn an lieferten sie eine begeisternde Performance ab und lieferten sich ein spannendes Rennen mit den eigenen Fans, wer nun mehr Körpereinsatz an den Tag legt. Am Ende lagen die Fans knapp vorne, was sicherlich auch für die Band als Gewinn gewertet werden konnte. In jedem Fall zeigten Friendly Fires, wie effektvoll man alleine mit Rhythmus (in allen Varianten von Disco bis Samba und mit allen Instrumenten von Kuhglocke bis Tamburin) für Extase sorgen kann. Und mit den Direkt aufeinander folgenden On Board und Paris hatten sie definitiv den größten Doppelhit des Festivals. Auf das neue Album, das sie im Interview für Anfang 2011 versprechen, darf man sich auf jeden Fall freuen.

Auch The Big Pink (die sich am Nachmittag übrigens Regen gewünscht hatten, weil sie im Zelt spielten und so auf regeren Besuch hofften) brachten beim Melt ein paar Füße in Bewegung, brauchten dazu aber eine ganze Weile. Zudem machten sie mir ein schlechtes Gewissen: Im Interview hatte ich ihnen noch versprochen, dass es voll wird bei ihrem Auftritt, weil ich bestimmt nicht der einzige war, der sich mächtig auf diese Band gefreut hat. Dann war es aber doch recht leer im Intro-Zelt – und es wurde am Anfang noch leerer.

So recht wollte der Funke einfach nicht überspringen, insbesondere bei einer sehr langen (und an Wiederholungen reichen) Version von Crystal Visions warfen viele Fans einen Blick ins Programmheft auf der Suche nach einer größeren Attraktion. Als Sänger Robbie Furze danach auch noch einen neuen Song ankündigte, musste man eine Katastrophen-Show erwarten. Doch gerade dieses Stück erwies sich als Wendepunkt. Danach kam ihr Sound, der in den energischsten Momenten an Primal Scream und in den langsamsten an die Doors erinnert, plötzlich an.

Am Schluss war Dominos dann ein Triumph (so sehr, dass Keyboarder Milo Cordell seinen dämlichen Mallorca-Touristen-Strohhut ins Publikum warf) und man ahnte plötzlich: Dieser Song könnte die Hymne des Festivals werden. “Unsere Shows sollen immer ein Erlebnis sein”, hatte Milo im Interview noch philosophiert – das war es auf jeden Fall.

Die Bassistin ist wohl im Nebenberuf ein Gummiball: Darwin Deez spielt The City beim Melt:

Homepage vom Melt.

Melt Festival, Ferropolis, Gräfenhainichen, Tag 1

Juli 17, 2010 · Posted in Live, Musik · 4 Comments 
Der erste Tag beim Melt! war heiß. Und dank The XX sehr gelungen.

Der erste Tag beim Melt! war heiß. Und dank The XX sehr gelungen.

Soviel vorab: Die popkulturelle Nachricht des Tages spielte keine Rolle beim Melt. Dass Robbie Williams wieder mit Take That vereint ist, war weder im Publikum noch backstage oder gar auf der Bühne ein Thema. Stattdessen standen beim Melt zwei andere Dinge im Mittelpunkt: die Hitze und The XX.

Zunächst zur Hitze: Die war so groß, dass zwei Mitglieder von Two Door Cinema Club am Nachmittag beim Soundcheck, kurz bevor der Einlass begann, noch oben ohne auf der Bühne standen. Abends hatten sie sich dann züchtig bekleidet. Allerdings trug der Drummer noch immer dasselbe Rolling-Stones-T-Shirt, dass er schon am Nachmittag völlig durchgeschwitzt hatte. Eklig.

Keine Probleme mit mehr als 35 Grad Celsius beim Melt schienen Bonaparte zu haben. Der Zirkus der Postmoderne aus Berlin erschien zur Pressekonferenz im kompletter Bühnenmontur: Pferdeköpfe, Discokugel-Hüte und allerlei andere Utensilien, die nicht gerade einer angenehmen Körpertemperatur zuträglich sind. Bonaparte-Chef Tobias Jundt verriet später im Interview, dass sein Kollektiv in dieser Hinsicht gestählt ist: Im Bonaparte-Tourbus fällt öfter mal die Klimaanlage aus. Von den ähnlichen Problemen bei der Bahn hatte er allerdings noch nichts gehört.

Auch das zeigt: der Mann, den alle stets den “Partykaiser” nennen, lebt in seiner eigenen Welt. Bei der Show spielt er die ersten drei Songs versteckt unter einer schwarzen Mülltüte. Im Interview wirkt er ein bisschen wie eine Partypunkversion von Daniel Küblböck. Allerding machen Bonaparte auf der Bühne auch sehr deutlich, warum sie gerade den Lea-Award als bester deutscher Live-Act gewonnen haben: Barockkostüme, Menschen als Pferde, Cocktailkleider, Phantom der Oper, Josephine-Baker-Tänze, Prinzengarde und zum Schluss auch noch barbusiges Frauencatchen – es gibt so viel zu sehen, dass die Musik fast keine Rolle mehr spielt.

Die Shout Out Louds aus Schweden haben sich durch perfekte Italien-Touristen-Outfits an die tropischen Temperaturen beim Melt angepasst. Insbesondere Sänger Adam Olenius ist kaum wieder zu erkennen: Bei den Promo-Terminen für das aktuelle Album Work war er noch ein blasser Skandinavier, nun geht er als Latin Lover mit dunklem 3-Tage-Bart und Ray-Ban-Sonnenbrille durch. Im Interview (wo neben jemand backstage übrigens vergeblich versucht, Plastikpalmen aufzublasen, um noch mehr südliches Flair beim Melt zu verbreiten) schwärmt er von der aktuellen Tour und sagt: “Festivals sind wie ein Kindergarten für Bands.”

Auf der Bühne nimmt er dann bei einer sehr feinen Version von Impossible endlich die Sonnenbrille ab und wagt sich am Schluss bei Tonight I Have To Leave It sogar ins Publikum. Auch sonst sind die Shout Out Louds vergleichsweise experimentierfreudig: In Little By Little bauen sie ein Stück Walk Like An Egyptian von den Bangles ein. Und am Bass wird Ted Malmros (der gerade Vater wird) würdevoll vertreten von einem Mann, dessen Name ich mir nicht merken konnte. Schließlich gibt es ein – passend zum Wetter – ausuferndes 100° – und spätestens da ist klar: Die Shout Out Louds sind der perfekte Soundtrack zum Sonnenuntergang.

Tocotronic machen den Fans mit ein paar alten Stücken (mein Highlight: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit). Health werden dafür auf der Bühne im Intro-Zelt noch ein bisschen böser als sonst schon, weil die Technik ihren Sound ruiniert: Irgendetwas, was mit Bass zu tun haben könnte, ist gar nicht zu hören. Und der Gesang von jake Duzsik ist allenfalls ein Flüstern. Bei Sigur-Rós-Sänger Jónsi hat dann nur der englische Fan vor mir ein Problem. Seinem Aufschrei ist nichts hinzuzufügen: “Shut up, Jónsi! Go fuck a geysir! And give us our money back!”

The XX haben danach sicher aber auch ihn wieder besänftigt. Das Trio aus London lockte mit Abstand die meisten Zuschauer des Tages vor die Hauptbühne – und hat wohl jeden von ihnen atemlos gemacht. Live klingen The XX zwar quasi genau wie auf Platte. Aber wenn man weiß, dass diesen Sound, der aus ganz wenigen ganz langen Tönen und noch längeren Pausen besteht, aber trotzdem sagenhaft brodelnd ist, tatsächlich nur drei blutjunge Leute fabrizieren, kann man das kaum fassen. VCR war ein Traum, jeder Song ein Treffer, und selbst wenn Bassist Oliver Sim nur “Thank you very much” sagt, klingt das tausendmal intensiver als bei anderen Bands. Mal sehen, ob das an diesem Melt-Wochenende noch jemand toppen kann.

Der perfekte Soundtrack für den Sonnenuntergang: Die Shout Out Louds spielen Please Please Please beim Melt:

Homepage vom Melt.

Interview mit Shout Out Louds

Juli 16, 2010 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 5 Comments 
Adam Olenius, Sänger der Shout Out Louds, geht inzwischen als Latin Lover durch.

Adam Olenius, Sänger der Shout Out Louds, geht inzwischen als Latin Lover durch.

Die Shout Out Louds sind die perfekte Band für den Sommer: tolle Melodien, sonniger Sound und die nötige Entspanntheit für heiße Tage, die man in Schwerden eben so mit sich bringt. Kein Wunder, dass sich die Band auf der aktuellen Tour pudelwohl fühlt und auch bei den großen europäischen Festivals längst zu den Stammgästen zählt.
Beim Melt habe ich Sänger Adam Olenius und Drummer Eric Edman getroffen. Sie erzählen im Interview, warum sie nicht in den USA leben möchten, wieso sie jeden Abend dieselbe Setlist spielen und weshalb sie ihre Fans für ahnungslos halten. Und, noch eine gute Nachricht: Sie waren gerade im Studio, laut Adam gibt es schon “eine handvoll” neue Songs, die auf dem nächsten Album erscheinen könnten.

Reichlich Konzerte in den USA, ein Gastspiel beim Hurricane und nun ein Sommer voller Festivals: Ihr scheint gerade viel Spaß auf Tour zu haben.

Adam: Ja. Egal, wo wir in diesem Jahr waren: Es war immer so gut wie noch nie. In den USA, zuhause in Schweden, auch bei den Festivals.

Woran kann das liegen?

Adam: Es gibt viele Gründe. In erster Linie sind wir natürlich eine fantastische Band (lacht). Und es hilft auch, dass wir jetzt drei Alben haben, aus denen wir die besten Stücke aussuchen können. Außerdem mögen die Fans sicher die Tatsache, dass wir nicht plötzlich riesig berühmt geworden, sondern schön langsam gewachsen sind. Wir haben uns dieses Publikum wirklich selbst aufgebaut.

Sind die USA für die Shout Out Louds inzwischen so etwas wie die zweite Heimat geworden?

Eric: Nicht wirklich. Wir sind gerne dort, aber der wichtigste Ort für uns ist immer noch zuhause in Schweden. Dort leben unsere Freunde, dort proben wir, dort schreiben wir die meiste Musik. Ich kann mir nicht vorstellen, in den USA zu leben.

Es scheint aber durchaus eine besondere Beziehung der Shout Out Louds mit den USA zu geben. Dort hattet ihr sehr früh Erfolg, und auch das letzte Album Work habt ihr dort aufgenommen.

Adam: Ich denke, das liegt daran, dass wir nach unserem ersten Album sehr präsent in den USA waren. Wir waren fast fünf Monate lang dort auf Tour. Und auch jetzt freuen wir uns immer, wenn wir dorthin zurückkehren können. Es ist ein gutes Land, um dort zu Gast zu sein. Aber nicht unbedingt, um dort zu leben.

Morgen steht wieder eine Show in Schweden auf dem Programm. Merkt ihr einen großen Unterschied, wenn ihr in eurem Heimatland spielt?

Eric: Wir spielen immer gerne in unserer Heimat, aber das merkt man kaum. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es nicht so große Unterschiede, es fällt nicht mal auf, ob man in einer Großstadt spielt oder irgendwo in der Provinz. Man merkt auf der Bühne eher, ob man gerade für ein Festival-Publikum spielt oder ein eigenes Konzert in einem Club.

Adam: Das stimmt. Bei Festivals ist das Publikum in der Regel deutlich jünger. Und man merkt, dass die Leute da eher auf Party aus sind. Die kommen, singen bei vier oder fünf Liedern mit, und sind dann wieder weg, um die nächste Band zu sehen.

Was mögt ihr lieber: Festival-Fans oder euer eigenes Publikum?

Adam: Mir ist es lieber, wenn wir eine eigene Show in einem Club spielen. Nicht so sehr wegen der Fans. Aber eine eigene Show kann man viel leichter zu einem ganz besonderen Abend machen. Und bei solchen Konzerten hat man einfach über alles die Kontrolle, und da fühle ich mich wohler. Trotzdem sind Festivals toll. Es ist Sommer, man spielt draußen, man trifft andere Künstler – das ist wie ein Kindergarten für Bands.

Von welchen Bands wollt ihr denn hier beim Melt unbedingt auch das Konzert sehen?

Adam: Ich freue mich auf Midlake. Und ich bin sehr gespannt auf The Very Best.

Eric: Und will unbedingt The XX sehen.

Wie sieht es mit eurer eigenen Show aus? Adam, du hast einmal gesagt, dass es dir großen Spaß bereitet, in einem einfach Popsong für Chaos zu sorgen. Gilt das auch für eure Konzerte? Gibt es da fiese Tricks, Brüche und Scherze?

Adam: WIr albern da wirklich gerne herum. Das kommt aber immer auch auf das Publikum an und darauf, in welcher Stimmung wir sind. Wir spielen fast jeden Abend dieselben Lieder in derselben Reihenfolge. Aber das hilft uns auch. Es gibt uns die Sicherheit, innerhalb dieses Rahmens auch mal Experimente wagen oder völlig ausflippen zu können. Es ist auch wichtig, so kleine Veränderungen einzubauen, damit alles spannend bleibt.

Bekommt das Publikum das dann auch mit? Oder sind das eher Insider-Jokes innerhalb der Band?

Eric: Die Fans sind da meistens ahnungslos. Da muss schon wirklich etwas mächtig schief gehen, damit man das im Publikum wirklich bemerkt.

Mein Eindruck ist, dass so etwas bei euch wohl kaum passieren kann. Ihr wirkt wie eine sehr gut organisierte und vor allem extrem fleißige Band.

Adam: Es gab wirklich eine Zeit, die sehr stressig war. Nach dem ersten Album haben wir direkt das zweite gemacht, und dazwischen waren wir permanent auf Tour. Danach brauchten wir erst einmal ein halbes Jahr Pause. Jetzt legen wir uns die Termine so, dass alles etwas entspannter ist. Es kann trotzdem sein, dass wir fleißiger sind. Wir kümmern uns vielleicht einfach ein bisschen mehr um alles. Im Vergleich zu anderen Bands machen wir auch viel mehr außerhalb der Musik, wir gestalten das Artwork und reden bei den Videos viel mit. So etwas interessiert uns sehr, und andere Bands begnügen sich vielleicht einfach mit der Musik.

Das Video für Show Me Something New habt ihr unter Wasser gedreht, bei der Hitze heute kann man da ganz neidisch werden. Wie ist diese Idee entstanden?

Adam: Ein guter Freund von uns ist Regisseur und der hat einen Werbespot in Südafrika gedreht, dabei mit Unterwasserkameras gearbeitet – und das waren wirklich tolle Bilder. Und da hatten wir die Idee, das auch für den Clip zu I Know Nothing zu versuchen. Der Song hat ja ein bisschen eine Atmosphäre von Ersticken und Atemlosigkeit.

Welche Ziele habt ihr noch für die Shout Out Louds?

Eric: Wir haben uns nie besondere Ziele gesetzt. Als wir die Band gegründet haben, hätten wir nie gedacht, einmal dorthin zu kommen, wo wir jetzt sind.

Adam: Das stimmt. Ich denke auch nicht, dass es die Shout Out Louds noch in 20 Jahren geben wird. Andererseits macht mir der Erfolg riesigen Spaß. Je mehr wir erreichen, desto weiter möchte ich kommen. Es gibt noch so viel zu entdecken, so viele Songs zu schreiben und so viele Länder zu besuchen – und ich habe große Lust, die Grenzen immer noch ein bisschen weiter auszutesten. Schließlich könnte ich morgen tot sein.

Wie groß können die Shout Out Louds dann noch werden?

Adam: Keine Ahnung, noch sehr groß, denke ich. Ich möchte immer weiter kommen, andererseits ist es schwer, diesen Ehrgeiz mit einem ganz normalen Alltag unter einen Hut zu bekommen. Und es kommt auch künstlerisch darauf an, wie viel man für noch größeren Erfolg opfern muss. Da wollen wir unseren Sound natürlich auch nicht zu sehr verändern. Wenn man das macht, was man gerne macht, ist das am Ende immer auch die beste Chance auf Erfolg, denke ich.

Verdammt heiß: Die Shout Out Louds spielen 100° live beim Melt:

Shout Out Louds bei MySpace.

Das Interview gibt es mit einer Fotostrecke von den Shout Out Louds auch bei news.de.

Hingehört: “Twilight Eclipse – Biss zum Abendrot”

Juli 15, 2010 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 

Für viele Bands ist der Twilight-Soundtrack der Schlüssel zum Erfolg.

Künstler Diverse
Album Twilight Eclipse O.S.T.
Label Warner
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung ***

Sie ist die vielleicht mächtigste Frau im Musik-Business. Sie kann unbekannte Künstler mit einem einzigen Lied ganz groß rausbringen. Und sie hat das goldene Händchen: Was sie macht, wird ein Mega-Erfolg.

Alexandra Patsavas wiegelt zwar ab, wenn man sie auf ihren enormen Einfluss im Musikbusiness anspricht. Aber selbst die Plattenfirma Warner, für sie arbeitet, ist so beeindruckt von ihrem guten Händchen mitten in der Krise der Branche, dass Patsavas nun sogar ein eigenes kleines Label namens Chop Shop Records leiten darf.

Verdient hat sich Alexandra Patsavas all diese Lorbeeren mit Soundtracks. Als Supervisor hat sie die Musik für die TV-Erfolgsserien The OC und Greys Anatomy zusammengestellt und damit beispielsweise Snow Patrol zu einer großen Nummer in den USA gemacht. Jetzt ist sie die Frau, die entscheidet, wer auf den Soundtrack zum Kino-Blockbuster Twilight kommt. Für manche Bands ist sie damit der Schlüssel zum Erfolg. Ob man jahrelang durch winzige Clubs tingeln muss oder ob man auf einen Schlag in der ersten Liga spielt – das liegt in ihrer Hand.

Paramore können ein Lied davon singen. Die US-Rockband veröffentlichte 2005 ihr erstes Album, kam damit in der Heimat und in Deutschland aber gar nicht in die Charts und in England nur auf Platz 51. Im vergangenen Jahr hingegen erreichte die CD Brand New Eyes Platz 1 in England, Platz 2 in den USA und Platz 7 in Deutschland. Was war passiert? Paramore hatten 2008 den Song Decode zum Soundtrack von Twilight – Biss zum Morgengrauen beigesteuert. Die Single erreichte in den USA Platinstatuts und machte Paramore zu Superstars. Inzwischen ist das Quintett zwar genervt davon, ständig als «die Twilight-Band» bezeichnet zu werden. Doch zumindest im Gedanken haben Paramore bestimmt schon einen Altar für Alexandra Patsavas errichtet.

Natürlich ist es momentan nicht schwer, Produkte an den Mann zu bringen, auf denen «Twilight» steht. Die Fans wollen alles, was mit der Vampir-Saga um Robert Pattinson (als Eward Cullen) und Kristen Stewart (als Bella Swan) zu tun hat. Der erste Twilight-Roman wurde weltweit 70 Millionen Mal verkauft, die ersten beiden Filme lockten alleine in Deutschland sechs Millionen Zuschauer in die Kinos, bei der Premiere für den heute anlaufenden dritten Streifen Eclipse – Biss zum Abendrot waren die Twilight-Fans schon vier Tage vorher am roten Teppich, um ihren Stars nahe zu sein.

Doch die düstere Musik zu den Vampirfilmen ist auch für sich genommen eine Erfolgsgeschichte. Die Zahlen: 3,5 Millionen Exemplare wurden vom ersten Soundtrack Biss zum Morgengrauen verkauft. Alle bisher erschienenen Twilight-Soundtracks haben Platinstatus erreicht. Momentan stehen gleich vier Twilight-CDs unter den Top100 der deutschen Albumcharts. Beeindruckende Ziffern in einer Zeit, in der sich mit Plattenverkaufen sonst kaum noch Geld verdienen lässt.

Das liegt nicht nur an der riesigen Marketing-Maschinerie. Wo Soundtracks sonst meist nur bereits bestehendes Material zweitverwerten, gibt es bei Twilight viele exklusive Lieder. Das Anforderungsprofil der Macher ist nicht allzu scharf: Die Musik muss zur Atmosphäre und den Themen von Twilight passen: Liebe, Romantik, Verlust. So reicht die Bandbreite von extrem optimistischem Powerpop (Ours von The Bravery) über den modernen Blues von Florence & The Machine (das seltsam träge Heavy In Your Arms) bis hin zum beschwingten Sound von Gnarls-Barkley-Chorknabe Cee Lo Green, der mit What Part Of Forever durchaus Lust auf sein bevorstehendes Soloalbum macht.

Daneben setzt Alexandra Patsavas auch immer wieder auf neue, unbekannte Bands. So zeigen Fanfarlo mit dem charmanten Atlas, dass sie in die Fußstapfen von Clap Your Hands Say Yeah treten könnten. Die Eastern Conference Champions machen mit A Million Miles An Hour deutlich, wie Radiohead mit Wucht klingen könnten. «Die Fans mögen das. Und auch die Regisseure haben einen sehr modernen, fortschrittlichen Musikgeschmack», sagt sie. Teenieschwarm und Hauptdarsteller Robert Pattinson, der selbst musikalische Ambitionen hat, durfte auf den Soundtracks sogar zweimal selbst singen.

Die Macher schaffen es aber auch immer wieder, Weltstars für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Radiohead-Frontmann Thom Yorke, der sich sonst gern als Gralshüter von Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit inszeniert, hat kein Problem, extra für den Blockbuster den Song Hearing Damage beizusteuern. Auf dem aktuellen Soundtrack Eclipse sind beispielsweise Muse und The Dead Weather (das bedrohliche Rolling In On A Burning Tire) mit Liedern vertreten, die es sonst nirgends gibt. Beck legt eine klasse Kooperation mit Bat For Lashes hin, das Ergebnis Let’s Get Lost klingt zugleich ultracool und intensiv brodelnd).

Muse, deren aktuelle, gewohnt pompöse Single Neutron Star Collision (Love Is Forever) schon ihr zweiter Twilight-Beitrag ist, sind die Lieblingsband von Twilight-Autorin Stephenie Meyer. Sänger Matt Matt Bellamy ist gerne Teil ihres Franchise-Systems. «Als Band ist man heute automatisch in ganz vielen Medien präsent. Unsere Musik ist auch im Computerspiel Guitar Hero zu hören. Und nun im Twilight-Soundtrack. Das stört mich überhaupt nicht – im besten Falle gewinnen wir dadurch Fans», sagte er der schottischen Zeitung The Daily Record. Ezra Koenig, Sänger von Vampire Weekend, sieht im gewohnt heiteren Twilight-Beitrag seiner Band eine nette Chance, zwischen zwei Alben den Fans neues Material zu bieten und mal etwas Neues zu probieren.

Auch Jennifer Rostock sind stolz auf ihren Twilight-Exkurs. Ihr Lied Es tut wieder weh war 2009 auf der deutschen Version des Soundtracks zu New Moon – Biss zur Mittagsstunde zu hören. «Für uns als Musiker war es wie ein Ritterschlag, sich auf einer Compilation zwischen all den großartigen anderen Bands wiederzufinden», sagen sie. Auch der Band von der Ostsee brachte Twilight eine ganz neue Dimension von Aufmerksamkeit: «Wir haben auf YouTube noch nie derart viele Abrufe gehabt und anderseits so sehr polarisiert wie mit dieser Nummer. Aber wir leben auch weiterhin musikermäßig von der Hand in den Mund. Auf dem Konto merken wir davon leider nicht allzu viel.»

Auch wenn der Erfolgs-Turbo in diesem Fall noch nicht ganz gezündet hat, bereuen Jennifer Rostock die Zusammenarbeit kein bisschen: «Karriere hin oder her – wir durften Robert Pattinson die Hand schütteln!»

Auch Metric hoffen offensichtlich auf den Twilight-Turbo. Sie haben ihren Beitrag zum Soundtrack gleich Eclipse genannt:

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