Draufgeschaut: Good Bye, Lenin!
| Film | Good Bye, Lenin! |
| Produktionsland | Deutschland |
| Jahr | 2003 |
| Spielzeit | 121 Minuten |
| Regie | Wolfgang Becker |
| Hauptdarsteller | Daniel Brühl, Katrin Saß, Maria Simon, Florian Lukas |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Kurz bevor die Mauer fällt, hat die Lehrerin Christiane Kerner, überzeugte Sozialistin und stolze Bürgerin der DDR, einen Herzinfarkt. Sie liegt monatelang im Koma. Als sie erwacht, ist sie so geschwächt, dass die kleinste Aufregung sie umbringen könnte. Ihre Kinder Alex und Ariane versuchen deshalb, die politische Veränderung von ihr fernzuhalten und eine Illusion der DDR aufrecht zu erhalten. Was gar nicht so einfach ist.
Das sagt shitesite:
Good Bye, Lenin! ist eine sehr einfühlsame Erzählung eines persönlichen Schicksals und der Wendezeit. Der Film versteht es sogar, sich nicht auf eine Ost- oder Westperspektive festlegen zu lassen. Grandios, rührend und lustig.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Ghost Of Tom Joad – “Black Musik”
| Künstler | The Ghost Of Tom Joad |
| Album | Black Musik |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | *** |
My Body Is A Drum Machine heißt der zweite Song auf Black Musik. Frontmann Henrik Roger thematisiert darin seine lebenslange Besessenheit, sein Leben für die Musik. „My heart beats / in 4/4 time“, heißt die Selbsterkenntnis. Diese Zeile kann durchaus als Credo für das gesamte Album gelten: Black Musik macht deutlich, wie sehr The Ghost Of Tom Joad die Musik lieben – und vor allem all die Ausdrucksmöglichkeiten, die sie bietet.
Das schon erwähnte My Body Is A Drum Machine wandelt mit seiner Symbiose aus Disco und Rock auf den Spuren von The Rapture und LCD Soundsystem. Der Titelsong am Beginn des Albums schafft es, rückwärtslaufende Synthie-Streicher mit wilden Drums zu vereinen. Das Ende von Just A Dog wartet mit einem fiesen Hardrock-Gitarrensolo auf, im Refrain von Snow In The Summertime, das genauso gut ein vergessener Klassiker aus den Achtzigern sein könnte, ist Henrik Rogers Stimme dann plötzlich so sehr autotuned, dass es fast wie der Softpop von Owl City klingt.
Wild Things ist eine vergleichsweise konventionelle Indie-Hymne, aber in jedem Fall der Hit der Platte. Pretty Girls könnte in jeder Hinsicht The Virgins glücklich machen. Wenn einfach mal straight gerockt wird, tritt die Ähnlichkeit von Rogers Stimme mit der von Ben Fox Smith (Serafin) und Thomas White (Electric Soft Parade) am deutlichsten zutage. Auch alles andere ist ebenso tanzbar, ambitioniert und von einer Pop-Sensibilität und Eleganz durchzogen, wie man das sonst vielleicht von Nada Surf oder den Shins kennt.
Was der Platte fehlt, ist ein roter Faden. Der auch im Albumtitel angedeutete Flirt mit Unrock reicht nicht als eine Klammer, die aus Black Musik mehr macht als eine lose Sammlung guter Songs. Dafür macht das Trio aus Münster, das mit Black Musik sein drittes Album vorlegt, hier auch deutlich, was die Kollegen von Motor veranlasst hat, sie als „Indieboys 2.0“ zu bezeichnen: Die Sozialisation ist hier immer Rock, doch die Produktion ist ganz oft HipHop. Das mag daran liegen, dass die Platte im Royal Bunker in Berlin entstanden ist, wo sonst fast ausschließlich der HipHop zuhause ist. Vielleicht auch einfach daran, dass The Ghost Of Tom Joad genug haben vom klassischen Geschrammel. Fall sie ein Gegenmittel zum Gitarreneinerlei gesucht haben, kann man ihnen nur gratulieren: Mit Black Musik haben sie es gefunden.
Das Video zu Black Musik hat nichts mit üblichen HipHop-Clips gemein. Eher schon mit dem Anfang von Herr Lehmann:
The Ghost Of Tom Joad bei MySpace.
Draufgeschaut: Grasgeflüster

Grace (Brenda Blethyn) baut mit ihrem Gärtner (Craig Ferguson) Drogen an, um sich vor der Pleite zu retten.
| Film | Grasgeflüster |
| Originaltitel | Saving Grace |
| Produktionsland | Großbritannien |
| Jahr | 2000 |
| Spielzeit | 93 Minuten |
| Regie | Nigel Cole |
| Hauptdarsteller | Brenda Blethyn, Craig Ferguson, Valerie Edmond, Martin Clunes |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Als ihr Mann stirbt, bricht für die schrullige Rosenzüchterin Grace eine Welt zusammen. Nicht nur, dass zu seiner Beerdignung eine langjährige Geliebte auftaucht, von der sie nichts ahnte. Ihr Gatte hat ihr auch noch einen Berg Schulden hinterlassen – und deshalb droht Grace nun sogar der Verlust ihres Hauses. Gemeinsam mit ihrem Gärtner baut sie deshalb Hanf im großen Stil an, was bei ihren Nachbarn auf einer beschaulichen Insel für einiges Aufsehen sorgt.
Das sagt shitesite:
Ohne einige Klischees kommt Grasgeflüster leider nicht aus, aber insgesamt ist der Film sehr charmant und äußerst originell. Vor allem zum Ende hin entwickelt Grasgeflüster eine beeindruckende Dynamik. Eine feine Komödie mit genau der richtigen Prise Anarchie.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Those Dancing Days – “Daydreams & Nightmares”
| Künstler | Those Dancing Days |
| Album | Daydreams & Nightmares |
| Label | Wichita |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ***1/2 |
Nach ihrem spektakulären Debüt In Our Space Hero Suits (2008) hätten Those Dancing Days genau drei Platten machen können. 1. Noch einmal genau dasselbe Album, voller Killer-Refrains und jugendlichem Leichtsinn. Das hätte ihnen vielleicht ein paar neue (womöglich oberflächliche) Fans eingebracht, aber auch den Vorwurf, berechenbar und eindimensional zu sein. 2. Ein komplett anderes Album, düster, komplex und 72 Minuten lang. Das hätte vielleicht dafür gesorgt, dass noch ein paar mehr Musikkritiker feuchte Träume von den fünf jungen Schwedinnen haben, aber auch alles pulverisiert, wofür Those Dancing Days bisher standen. 3. Ein Album irgendwo dazwischen, mit eingängigen Liedern, aber auch Ecken und Kanten und einer deutlich hörbaren Weiterentwicklung.
Those Dancing Days haben Variante 3 gewählt. Und zwar aus Versehen. „Eigentlich hatten wir keinen bestimmten Plan, wie die neuen Lieder klingen sollten. Es ist einfach passiert”, erzählt mir Schlagzeugerin Cissi Efraimsson im Interview über das heute erscheinende Daydreams & Nightmares. ”Wahrscheinlich hat sich unser Sound einfach verändert, weil wir nun ein bisschen älter sind. Wir haben neue Erfahrungen gemacht, und wir haben eine ganze Menge Konzerte gespielt. Wir sind selbstbewusster geworden, würde ich sagen. Das wirkt sich natürlich auf die Musik aus.”
Auch Keyboarderin Pyk Wirström sieht in der Erfahrung aus zwei Jahren auf Tour den Grund für die Weiterentwicklung des Sounds von Those Dancing Days: ”Wenn du auf der Bühne stehst, dann willst du immer so viel wie möglich von allem. Und diesmal wollten wir auch im Studio so viel wie möglich von allem.”
Das führt bei Daydreams & Nightmares, entstanden unter der Regie von Produzent Patrik Berger (Robyn, Roman Fischer) zu einer neuen Bandbreite und Vielfalt, ohne die alten Stärken von Those Dancing Days über Bord zu werfen. „Wir kommen, wir kommen, wir kommen“, scheint die Botschaft von Reaching Forward zum Auftakt zu sein. Das Clevere daran: Es bleibt bei der Ankündigung. Das Lied verströmt viel Energie und den unvergleichlichen Optimismus in der Stimme von Sängerin Linnea Jönsson, doch Reaching Forward bleibt ein einziger langer Anlauf, weil das Schlagzeug im Refrain nur die Toms benutzt statt auf einen naheliegenden Bumm-Tschak-Rhythmus zu setzen. Das ist durchaus selbstbewusst – und baut viel Spannung auf für das, was folgt.
Dream About Me ist fast eine Ballade und erinnert mit dem feinen Harmoniegesang und seiner Eighties-Gitarre an die Bangles, Help Me Close My Eyes gönnt sich ein bisschen Entspanntheit und bleibt doch packend. Fuckarias hat eine geheimnisvolle Düsternis, ganz am Ende sorgt Orlando Weeks von den Maccabees im bezaubernden Duett One Day Forever für eine besondere Dynamik. Fast immer machen Those Dancing Days im Refrain (Gott sei Dank) keine Experimente, nehmen sich aber in den Strophen die Freiheit, sich auszutoben und zu zeigen, dass sie inzwischen viel mehr drauf haben als zuckersüßen Indiepop.
Den gibt es freilich auch noch. I’ll Be Yours wird mit einer Orgel aus dem Kinderzimmer völlig betörend und klingt am Schluss wie eine außer Kontrolle geratene Pyjama-Party. Den patentierten Drive aller Produktionen von Max Martin (Katy Perry, Kelis) hat Can’t Find Entrance. Gegen Ende von Daydreams & Nightmares glänzen Those Dancing Days mit When We Fade Away (elegant, luftig, toll), Keep Me In Your Pocket (so zackig, dass es sich fast selbst über den Haufen rennt) und I Know Where You Live, Part 2 (Joy Division mutieren zu purer Lebensfreude).
„Ich würde mich freuen, wenn diesmal mehr über die Musik geschrieben wird und nicht mehr darüber, wie alt wir sind oder was wir für Klamotten tragen”, wünscht sich Efraimsson. Those Dancing Days liefern mit Daydreams And Nightmares auf jeden Fall genug Gesprächsstoff, um diesen Wunsch wahr werden zu lassen.
Erst soll man nicht mehr “putzig” zu ihnen sagen, und dann machen sie so ein Video zu I’ll Be Yours. Das ist nicht fair!
Those Dancing Days bei MySpace.
Draufgeschaut: Grabgeflüster
| Film | Grabgeflüster |
| Originaltitel | Plots with a View (Undertaking Betty) |
| Produktionsland | USA/Großbritannien |
| Jahr | 2002 |
| Spielzeit | 94 Minuten |
| Regie | Nick Hurran |
| Hauptdarsteller | Brenda Blethyn, Alfred Molina, Christopher Walken, Robert Pugh, Naomi Watts |
| Bewertung | *** |
Worum geht’s?
Seit er ein kleiner Junge ist, ist Boris in Betty verliebt. Doch sie ist längst verheiratet und er arbeitet mittlerweile als Bestattungsunternehmer. Als Bettys Schwiegermutter stirbt, kommen sich die beiden endlich näher. Aus der Romanze entsteht eine Verschwörung: Sie wollen Bettys Tod vortäuschen, damit sie gemeinsam aus der Stadt fliehen können.
Das sagt shitesite:
Grabgeflüster ist eine schwarze Komödie, die etwas schleppend beginnt, aber mit einem irren Finale belohnt. Auch dank vieler skurrilen Nebenfiguren bietet Grabgeflüster insgesamt gute Unterhaltung.
Der Trailer zum Film:
Interview mit Those Dancing Days
Morgen erscheint Daydreams & Nightmares, das famose zweite Album von Those Dancing Days. Heute und morgen sowie Anfang März noch einmal für zwei Shows sind die Schwedinnen zudem live in Deutschland zu bewundern. Ich habe vorab mit Schlagzeugerin Cissi Efraimsson gesprochen. Über die Dynamik in der Band, die Zusammenarbeit mit Produzent Patrik Berger und die ärgerliche Tatsache, dass das Musikgeschäft immer noch voller Chauvis ist.
Hallo, Cissi. Ich habe Daydreams & Nightmares gerade in mein iTunes importiert. Das Album ordnet sich zwischen Day & Age von den Killers und Dear Catastrophe Waitress von Belle & Sebastian ein. Fühlt Ihr Euch wohl in dieser Umgebung?
Efraimsson: Ja, auf jeden Fall. Vor allem Belle & Sebastian gefallen mir. Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands.
Was gefällt Dir an ihnen?
Efraimsson: Sie sind so ehrlich. In ihrer Musik stecken ganz viele Emotionen. Diese Lieder wecken bei mir viele Gefühle, wenn ich sie höre.
Ist das auch das Ziel, das Ihr mit Those Dancing Days verfolgt?
Efraimsson: Klar.
iTunes geht zwar nur nach dem Alphabet vor, aber trotzdem fand ich die Platzierung zwischen den Killers und Belle & Sebastian ganz passend, weil es meiner Ansicht nach Elemente von beiden Bands auch im Sound von Those Dancing Days gibt. Ihr habt keine Angst vor Pop, wie die Killers, und gerade in den Texten steckt immer auch eine Spur Melancholie wie bei Belle & Sebastian.
Efraimsson: Die Killers kenne ich nicht so gut, aber das klingt trotzdem logisch. Wir haben kein Problem damit, wenn Leute uns eine Popband nennen. Wir sehen uns selber so.
Gab es eine Band, an der Ihr Euch orientiert habt, als es an die Aufnahmen für das neue Album Daydreams And Nightmares ging?
Efraimsson: Das ist ein bisschen schwierig. Wir sind zu fünft, und eigentlich hat jede von uns einen ziemlich verschiedenen Musikgeschmack. Wir haben uns also nicht an einer bestimmten Band oder einem tollen Album orientiert, sondern eher am echten Leben. Dinge, die uns passiert sind. Leute, die wir getroffen haben. Die Erfahrungen, die wir als Gruppe gesammelt haben. Das hat uns inspiriert.
Wenn es musikalisch so unterschiedliche Einflüsse gibt, dürften bei Those Dancing Days ja manchmal richtig die Fetzen fliegen. Oder ist es leicht, da einen Kompromiss zu finden?
Efraimsson: Es kommt schon vor, dass wir uns streiten. Ich denke, das ist in allen Bands so. Aber in der Regel sind wir eine ziemlich demokratische Band. Jeder muss eben ein bisschen zurückstecken.
Was mir am neuen Album besonders gefällt: Es hat die Stärken Eures Debüts In Our Space Hero Suits, ist aber trotzdem ein Schritt in die Zukunft. Keine Revolution, aber eine Evolution. War das Euer Ziel?
Efraimsson: Eigentlich hatten wir keinen bestimmten Plan, wie die neuen Lieder klingen sollten. Es ist einfach passiert, und wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Wahrscheinlich hat sich unser Sound einfach verändert, weil wir nun ein bisschen älter sind. Wir haben neue Erfahrungen gemacht, und wir haben eine ganze Menge Konzerte gespielt. Wir sind selbstbewusster geworden, würde ich sagen. Das wirkt sich natürlich auf die Musik aus.
Wie war die Arbeit mit Produzent Patrik Berger? Ich habe vor eine Weile mit Roman Fischer gesprochen, der ebenfalls mit ihm im Studio war, und seiner Ansicht nach hat Patrik Berger vor allem eine große Stärke: Er lässt die Dinge einfach laufen. Hat das für Those Dancing Days auch funktioniert?
Efraimsson: Patrik ist jedenfalls ein sehr entspannter Typ. Man kann wirklich gut mit ihm auskommen und wir sind gute Freunde geworden. Was für uns besonders wichtig war: Er hat uns viel Mut zugesprochen. Er gibt einem niemals einen Grund nervös zu sein, wenn man etwas spielt. Seine größte Stärke ist meiner Ansicht nach aber etwas anderes: Er hat das perfekte Ohr für Pop. Er erkennt genau, was an einem Song gut funktioniert und was dem Lied vielleicht noch fehlt. Er hat da wirklich tolle Ideen.
Ihr habt ihn also ausgewählt, weil ihr ein Pop-Genie als Produzent wolltet?
Efraimsson: Das konnten wir ja vorher nicht wissen. In Wirklichkeit kam die Zusammenarbeit ganz anders zustande. Unsere Gitarristin Rebecka arbeitet in einem Café, in dem Patrik Stammgast ist. So haben sie sich kennen gelernt. Rebecka hat ihm unser Demo vorgespielt, und das hat ihm wirklich gut gefallen. Wir haben auch schnell gemerkt, dass zwischen uns die Chemie stimmt, und deshalb haben wir uns für ihn entschieden.
Wie kam das Duett mit Orlando Weeks von den Maccabees zustande, der auf One Day Forever mitsingt?
Efraimsson: Wir haben eine Show in Mailand mit den Maccabees gespielt, und sie waren wirklich nette Jungs. Ungefähr ein Jahr später haben wir ihre Coverversion von Boom Boom Pow gehört, dem Black-Eyed-Peas-Song. Wir haben uns alle total in die Maccabees-Version und in Orlandos Stimme verliebt. Deshalb haben wir sofort an ihn gedacht, als wir eine Männerstimme für One Day Forever gesucht haben. Wir haben ihm dann einfach eine E-Mail geschickt und er hat sofort zugesagt.
Das Album heißt nun Daydreams & Nightmares. Wie sieht dein Tagtraum davon aus, wie die Platte aufgenommen werden sollte, wenn sie morgen erscheinen wird?
Efraimsson: Zuerst mal hoffe ich, dass die Platte den Leuten gefällt. Dass es als etwas Neues und Originelles wahrgenommen wird. Es wäre schön, wenn die Platte erfolgreich genug ist, damit wir damit in der ganzen Welt auf Tour gehen können. Ich hoffe, dass wir die Musik ein bisschen in eine neue Richtung bringen können, den Pop ein wenig weiterentwickeln. Ich möchte Leute inspirieren. Das Beste wäre, wenn wir ein paar Mädchen dazu kriegen könnten, die Drumsticks oder die Gitarre in die Hand zu nehmen und selbst Musik zu machen. Die Welt braucht mehr Bands mit Mädchen.
Und wie sieht Deine Albtraum-Resonanz für das Album aus?
Efraimsson: Hmm, das ist schwieriger. Ich weiß, dass wir unser Bestes gegeben haben, und wenn das Album den Leuten nun nicht gefällt, ist es erst einmal ihr Problem. Aber es wäre natürlich enttäuschend, wenn die Fans die Platte langweilig finden sollten. Das Schlimmste wäre wohl, wenn ein paar Leute behaupten, wir wären nur bekannt geworden, weil wir Mädchen sind. Es gab ja auch schon bei In Our Space Hero Suits ein paar Leute, die behauptet haben, wir würden gar nicht selbst unsere Instrumente spielen.
Kommt es Euch immer noch so vor, als müsstet Ihr Euch beweisen, weil Ihr eine reine Mädchen-Band seid?
Efraimsson: (überlegt lange) Ja, wahrscheinlich schon. Es nervt einfach, wenn man nur anhand seines Geschlechts beurteilt wird. Das macht mich echt wütend – und normalerweise spiele ich das Schlagzeug dann einfach noch ein bisschen härter.
Es nervt sicher auch, dass in fast jeder Kritik erwähnt wird, wie jung und süß Those Dancing Days doch sind. Andererseits würde Euer Sound natürlich auch nicht funktionieren, wenn ihn fünfzigjährige Hausfrauen spielen. Kannst Du Dir vorstellen, dass es irgendwann einmal so etwas wie reife, erwachsene Those Dancing Days geben wird?
Efraimsson: (lacht) Wir haben uns nie gewünscht, dass man uns niedlich nennt. Wir haben uns selbst nie süß gefühlt. Wir haben uns wie Punks gefühlt, weil wir einfach unser Ding gemacht haben – aber leider hat niemand sonst das so gesehen. Ich hoffe aber, dass das neue Album uns da ein Stückchen weiter bringt. Ich würde mich freuen, wenn diesmal mehr über die Musik geschrieben wird und nicht mehr darüber, wie alt wir sind oder was wir für Klamotten tragen.
Those Dancing Days bei MySpace.
Draufgeschaut: Gimme Shelter
| Film | Gimme Shelter |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1970 |
| Spielzeit | 91 Minuten |
| Regie | Charlotte Zwerin, Albert Maysles, David Maysles |
| Hauptdarsteller | The Rolling Stones, Ike & Tina Turner, Jefferson Airplane, The Flying Burrito Brothers |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Der Film dokumentiert die USA-Tour der Rolling Stones im Jahr 1969. Neben Konzertaufnahmen ist die Band auch hinter den Kulissen zu sehen. Zudem kommentieren Mick Jagger und Charlie Watts die Szenen.
Das sagt shitesite:
Ein packendes Dokument der Flower-Power-Ära und einer Band in Hochform wäre Gimme Shelter ohnehin. Durch die ausführliche Dokumentation des Konzerts in Altamont, bei dem ein Zuschauer erstochen wird, ist der Film aber noch mehr: der Moment, in dem die Beat-Epoche ihre Unschuld verlor, gebannt auf Zelluloid.
Der Trailer zum Film:
Video-Interview mit Roxette
Charm School heißt das neue Album von Roxette. Zehn Jahre nach dem letzten Studiowerk Room Service ist es eine erfreulich gelungene Rückkehr. Per Gessle, den ich in einem Leipziger Hotel zum Interview getroffen habe, erklärt in diesem Video Lied für Lied, wie Charm School entstand. Und er verrät, was die Fans auf der Tour 2011 erwarten dürfen.
Draufgeschaut: Good Will Hunting
| Film | Good Will Hunting |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1997 |
| Spielzeit | 122 Minuten |
| Regie | Gus Van Sant |
| Hauptdarsteller | Matt Damon, Robin Williams, Minnie Driver, Stellan Skarsgard, Ben Affleck |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Will mag Baseball, Bier und seine Heimatstadt Boston. Er hängt mit seinen Freunden rum, prügelt sich und hat laufend Ärger mit der Polizei. Als er an der Uni, wo er als Reinigungskraft arbeitet, eine schwierige Formel löst, entdeckt ein Professor, dass in Will ein Genie schlummert. Doch Will sträubt sich, sein altes Leben hinter sich zu lassen und nach den Regeln des Establishments zu spielen. Auch der Psychiater Sean, der ihm helfen soll, dringt nur schwer zu ihm durch. Es entsteht ein Kampf um die Seele des jungen Manns.
Das sagt shitesite:
Originell, authentisch und ohne allzuviel Hollywood-Brimborium wird Good Will Hunting ein bewegendes Drama. Sehr gute Darsteller machen die wenigen Klischees (missbrauchtes Kind, Arbeiterklasse gegen High Society) locker wett.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Bright Eyes – “The People’s Key”
| Künstler | Bright Eyes |
| Album | The People’s Key |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | *** |
Er ist schon ein cleverer, kleiner Bastard, dieser Conor Oberst. Um seine ersten Lieder unters Volk zu bringen, ließ der damals 13-Jährige seinen großen Bruder eigens eine Plattenfirma gründen. Später in seiner Karriere lebte er sein musikalisches Talent wahlweise als Bright Eyes, Park Ave, Desaparecidos, Monsters Of Folk oder Conor Oberst aus. Wenn er seinen ersten Fernsehauftritt hat (2002 bei David Letterman), dann spielt er natürlich kein Lied vom Erfolgsalbum Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground, sondern ein brandneues, unbekanntes Stück.
Nun veröffentlicht er mit den Bright-Eyes-Mitstreitern Mike Mogis und Nate Walcott The People’s Key, den ersten Longplayer nach fast fünf Jahren Pause. Er sorgt nicht nur für einige Vorab-Spannung, indem er Gerüchte streut, das Album würde das letzte von Bright Eyes werden, und zudem eher elektronisch und rockig klingen. Er bettet die neuen Lieder auch in so etwas wie schamanische Gebete ein, die Denny Brewer, ein Kumpel von Conor Oberst, hier immer wieder spricht. „Problems of the future can be solved by mankind because you create them. And you have to believe in the future. That’s what we have to do”, heißt eines seiner Gebote, gleich zu Beginn.
Man kennt solche Rahmenhandlungen aus dem HipHop – und dort nervt es meist, dass sie Songs von überflüssigen Skits unterbrochen werden. Bei Bright Eyes funktioniert die Methode anders: Sie sorgt dafür, dass The People’s Key ein ganzes Stück bedeutsamer klingt. Die Bibel, Hitler, das Wesen der Sprache, Einstein – all diese Themen werden in den Beschwörungen von Brewers seltsam verfremdeter Stimme angerissen. Das allein sorgt schon dafür, dass niemand auf die Idee käme, in The People’s Key einfach nur ein paar hübsche Liedchen zu sehen.
Das ist aber ziemlich genau das, was Bright Eyes hier abliefern. In der Tat wird es gelegentlich ein bisschen rockiger als gewohnt, zudem erkundet Conor Oberst vor allem mit geschickt eingesetzten Gesangseffekten und komplexen Beats weiter die elektronischen Welten, in die er sich schon auf Digital Ash In A Digital Urn (2005) gewagt hatte.
Firewall beginnt nach dem Monolog von Brewer mit einer Gitarre, die am letzten aller Tage gebaut worden zu sein scheint, auch ein bisschen Stevie-Wonder-Funk am Ende kann dem Stück nicht seine Düsternis austreiben. Das träge Approximate Sunlight hat ebenfalls diese Endzeit-Atmosphäre, der spinnerte Titeltrack scheint sich gleich in eine ganz andere Welt zu sehnen. Und auch die Rolle als untröstlicher Romantiker im Ladder Song steht dem 31-Jährigen natürlich gut.
Dazu gibt es große Pop-Kunst. Jejune Stars gönnt sich am Anfang ein paar Sekunden Metal, dann gibt es eine enorme Leichtigkeit und ein herrlich verspieltes Arrangement. Haile Sellassie ist ebenso schön wie putzig. One For You, One For Me profitiert am Ende von einer großen, sehr zurückgenommenen Eleganz. An die Heiterkeit und den Schwung von Fountains Of Wayne erinnern Beginner’s Mind und Tripal Spiral.
An erster Stelle ist hier aber die Single Shell Games zu nennen. Die Komposition ist klassische Piano-Songwriter-Schule, könnte also auch Ben Kweller oder Ben Folds sein. Doch bei Bright Eyes ordnen sich um diesen Kern auch noch Schichten aus Schlock-Rock, Achtziger-Keyboards, Arcade-Fire-Dramatik und einem Chor aus Computerstimmen an. Sehr clever.
Auch im Video zu Shell Games herrscht offensichtlich ein Akustikgitarrenverbot. Und außerdem lebt der Clip die Textzeile aus: Madness is the only place to be free:








