Draufgeschaut: Walk The Line

Johnny Cash (Joaquin Phoenix) und June Carter (Reese Witherspoon) sind nicht nur auf der Bühne eine explosive Mischung.
| Film | Walk The Line |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2005 |
| Spielzeit | 136 Minuten |
| Regie | James Mangold |
| Hauptdarsteller | Joaquin Phoenix, Reese Witherspoon |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Es ist die Geschichte von Johnny Cash. Ein Mann mit Ecken und Kanten, mit festen Überzeugungen, mit einigen dunklen Seiten und mit dem Herz am rechten Fleck. Erzählt wird seine Kindheit auf dem Land, der Tod seines Bruders, das schwierige Verhältnis zu seinem Vater. Der Aufstieg zu Ruhm und Reichtum, der tiefe Fall und die Wiedergeburt. Vor allem aber ist es die Geschichte seiner Beziehung zu June Carter, einer packenden, verzehrenden, unbedingten Liebe.
Das sagt shitesite:
Die Verkürzung von Johnny Cashs Biografie auf die entscheidende Phase seiner Karriere gelingt in Walk The Line sehr gut. Das liegt nicht nur an einer liebevollen Requisite, sondern vor allem an zwei grandiosen Hauptdarstellern. Und natürlich an der Musik, deren fesselnde Kraft und Urgewalt auch 50 Jahre später noch spürbar wird.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Tribes – “Baby”
| Künstler | Tribes |
| Album | Baby |
| Label | Island |
| Erscheinungsjahr | 2012 |
| Bewertung | *** |
1, 2, 3, 4. Dann ein markerschütternder Schlagzeugwirbel und ein Gitarreninferno. Dann eine Strophe, die so ungestüm und frisch klingt, dass man sofort noch einmal nachrechnen will, wie lang das jetzt noch einmal genau her ist mit Alright und Supergrass (knapp 17 Jahre, ergibt das Nachrechnen). Dann ein Refrain, in dem sich „young“ auf „fun“ reimt. So klingt When My Day Comes, und der Song kann als Manifest dienen für den Sound, das Credo, das Lebensgefühl von Tribes.
Das Quartett aus Camden legt mit dem am Freitag erschienenen Baby ein Debüt vor, das die vier Buchstaben „R-O-C-K“ so stolz vor sich herträgt als wäre Billy Idol der Premierminister und die Lederjacke die offizielle britische Schuluniform. Es ist eine dieser Platten, bei denen man tatsächlich Lust bekommt, Schlagzeug zu lernen, oder die Gitarre wieder einmal rauszuholen oder in jedem Fall sofort einen ganzen Collegeblock mit möglichen Namen vollkritzeln für die Band, die man morgen gründen wird.
Wer das altmodisch findet, wird in den schwächsten Momenten von Baby durchaus bestätigt. Himalaya beispielsweise probt die große Geste samt „ohoho“-Chor und klingt am Anfang noch wie ein Bryan-Ferry-Schauermärchen. Dann bleibt der Rest aber hohl, und die wiederholt gestellte Frage „Does it move you / the state I’m in?“, muss man eindeutig mit „Nein“ beantworten. Auch Nightdriving ist viel zu konventionell und durchschaubar.
Aber Johnny Lloyd (Gesang, Gitarre), Dan White (Gitarre), Miguel Demelo (Schlagzeug) und Jim Cratchley (Bass) haben keinerlei Problem damit, nicht modern zu sein. Sie benennen völlig freiwillig Nirvana und REM als wichtige Einflüsse. Als sie im April 2011 ihre erste EP We Were Children veröffentlichten und dazu ein Video drehten, da filmten sie ganz selbstverständlich ihren eigenen Auftritt auf dem Dach eines Hauses. Sie waren mit den Kooks auf Tour, demnächst sind sie als Vorgruppe der Kaiser Chiefs zu sehen, und das ist genau das richtige Umfeld für Tribes, denen Refrains offensichtlich wichtiger sind als Coolness.
Baby beginnt trotzdem (nach einem Sound, der so klingt, als würden Tribes ihre Knochen strecken und die Muskeln lockern) sehr cool, erst knapp vor der Mitte wird der Opener Whenever richtig leidenschaftlich. Dafür klingt das folgende We Were Children (das ebenso wie das eingangs erwähnte When My Day Comes schon zuvor auf EP erschienen ist) von Anfang an wie ein Glaubensbekenntnis. Es braucht nicht viel Fantasie, und man kann eine ganze Arena mitsingen hören: „Unknown stranger, you’re just like me / these things happen, we were children in the mid-90s“.
Der Track zeigt die größte Stärke von Tribes: Wenn sie ein bisschen Tempo rausnehmen, sind die Songs auf Baby am besten. Corner Of An English Field ist so ein Fall, leicht melancholisch, mit reichlich Grandezza und toller Melodie wie die Balladen von Ash. Halfway Home wird dann noch ein wenig zarter und hat all die Beiläufigkeit (und den Klassizismus), die die Kooks oder die Courteeners in ihren besten Momenten einzufangen vermögen. Alone Or With Friends klingt dann dank seiner zwölfsaitigen Gitarre, LSD-Lyrik (mit all den üblichen Metaphern von Engeln und Donner, dem Universum und einer Symphonie) und dem seltsamen Stimm-Effekt verdammt nach Seventies. Der Refrain wäre selbst für Oasis, Aerosmith oder, jawohl, Barclay James Harvest nicht zu groß.
Die Single Sappho hingegen könnte nicht mehr Rock sein, wenn sie in alte Socken von Keith Richards eingewickelt wäre und nur gemeinsam mit einer Urinprobe von Jet verkauft würde. Das Schlagzeug am Anfang von Walking In The Street ist wohl das Virtuoseste, was Baby zu bieten hat, und auch dieses Lied hat wieder einen Refrain, zu dem sich betrunkene Männer wunderbar in den Armen liegen können. Der Rausschmeißer Bad Apple beweist, dass Tribes auch nichts gegen ein bisschen Pathos haben, sodass etwas Ähnliches wie eine Guns’N’Roses-Ballade dabei herauskommt.
Egal, wie oft man Baby hört: Man kann sich voll und ganz dem Urteil anschließen, das Paul Lester im Guardian gefällt hat, als er Tribes vor einem guten Jahr vorgestellt hat: „Most likely to: Entertain us. Least likely to: Change rock music forever.”
Direkt aus dem Tour-Kleinbus: Auch mit dieser Akustik-Performance von We Were Children sind Tribes ganz und gar Rock:
Eine Kurzversion dieser Rezension gibt es auch bei news.de.
Draufgeschaut: Operation Walküre
| Film | Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat |
| Originaltitel | Valkyrie |
| Produktionsland | USA/Deutschland |
| Jahr | 2008 |
| Spielzeit | 120 Minuten |
| Regie | Bryan Singer |
| Hauptdarsteller | Tom Cruise, Kenneth Branagh, Bill Nighy, Tom Wilkinson, Carice van Houten, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Matthias Schweighöfer |
| Bewertung | ***1/2 |
Worum geht’s?
Oberst Stauffenberg hat genug vom Krieg gesehen, um zu wissen, dass Deutschland nicht mehr gewinnen kann. “Meine Pflicht als Offizier ist es nicht mehr, mein Land zu retten, sondern Menschenleben”, beschließt er. Er sieht nur einen Ausweg, um weiteres Blutvergießen und weitere Zerstörung zu verhindern: ein Attentat auf Adolf Hitler. Gemeinsam mit anderen Offizieren plant er einen Sprengstoffanschlag, der den Führer töten soll, um anschließend einen Putsch in die Wege zu leiten und dann mit den Aliierten über einen Waffenstillstand verhandeln zu können. Die Verschwörerer wissen: Schon der kleinste Fehler kann sie alle das Leben kosten.
Das sagt shitesite:
Zwei Tatsachen faszinieren am meisten an Operation Walküre: Zum einen ist der Film bei weitem nicht so schrecklich, unsensibel oder pompös, wie man das angesichts all des Ärgers im Vorfeld hätte erwarten können. Zum anderen schafft es der Thriller überraschenderweise, enorm spannend zu werden – obwohl man von Anfang an weiß, dass die Verschwörer scheitern und als Hingerichtete enden werden.
Als Verdienst muss man dem Film anrechnen, dass er es bei aller Zuspitzung auf die Titelfigur schafft, die Mechanismen der Macht zu beleuchten. Die Atmosphäre von Misstrauen und Denunzieren, gepaart mit blindem militärischen Gehorsam und beinahe religiöser Nibelungentreue sorgt dafür, dass von Anfang an klar ist, in welcher Schlangengrube sich Stauffenberg und seine Mitverschwörer bewegen. Weil auch die beiden missglückten Attentatsversuche im März 1943 und am 15. Juli 1944 gezeigt werden, wird zudem die Motivation der Rebellen ins rechte Licht gerückt: Diese Widerstandskämpfer waren nicht durchweg lupenreine Demokraten, die für Menschenrechte und gegen die Diktatur aufstanden. Es waren Militärs, die die Schmach einer Niederlage abwenden wollten, und Patrioten, die ihr Land vor Zerstörung und Stigmatisierung bewahren wollten.
Besonders clever ist, dass Adolf Hitler hier kaum ein Wort sagt. Gerade, weil er fast durchweg schweigt und dennoch jederzeit alles dominiert, wirkt er umso mächtiger, einschüchternder und unheimlicher. Diese Figur erklärt sowohl die Hoffnung, die die Verschwörer mit ihrem Attentat verbinden, als auch die Angst seiner Getreuen, auch nur einen Millimeter von Hitler abzurücken.
Schließlich ist Operation Walküre auch einigermaßen erträglich in seiner Erklärung des Scheiterns der Verschwörung: Dumme Zufälle spielten eine Rolle, kleine Fehler. Vor allem aber die Tatsache, dass sich im entscheidenden Moment ganz viele Menschen als feige erwiesen haben – und nur ganz wenige als tapfer.
Bestes Zitat:
“Wir müssen der Welt zeigen, dass wir nicht alle sind wie er.”
Der Trailer zum Film:
Was die Votings über das Dschungelcamp verraten

So sieht eine verdiente Dschungelkönigin aus: Bei allen Votings lag Brigitte Nielsen in der Gunst der Zuschauer vorne.
Brigitte Nielsen ist Dschungelkönigin. Die Schauspielerin gewann souverän, wie es news.de übrigens schon vor dem Start der sechsten Staffel vorhergesagt hatte. «Ich freue mich so! Dschungelkönigin 2012 – habe ich nie gedacht, mein Gott! Ich bin sooo froh, oberfroh und freue mich sehr!», jubelte sie im Interview nach ihrem Triumph. Auch der bisherige Amtsinhaber scheint zufrieden mit dieser Wahl. Peer Kusmagk lobte auf bild.de: «Ich könnte mir keine bessere Nachfolgerin vorstellen. Ich bin geehrt und gerührt zugleich.»
Auch in der Gunst der Zuschauer lag die laut RTL «offiziell 48-Jährige» deutlich vorne. Das zeigen die Voting-Ergebnisse der einzelnen Sendungen, die RTL nun öffentlich gemacht hat. Fast die Hälfte der Zuschauer stimmte beim ersten Final-Voting für Brigitte Nielsen. Kim Debkowski bekam nur ein Drittel der Stimmen, rund ein Sechstel der Anrufer stimmte für Rocco Stark ab. Im zweiten Voting lag die Dänin mit 56,7 Prozent ebenfalls deutlich vor der Zweitplatzierten Kim Debkowski.
Bei allen Abstimmungen, mit denen die Zuschauer entscheiden konnten, welche Kandidaten im Camp bleiben sollen, lag Brigitte Nielsen an der Spitze. Die Schauspielerin war auch die Kandidatin, die die meisten Zuschauer von Ich bin ein Star, holt mich hier raus bei Bewährungsproben sehen wollten: Bei der Frage «Wer soll in die Dschungelprüfung» kam Brigitte Nielsen sechs Mal unter die Top3.
Neben der Bestätigung für den klaren Sieg offenbaren die Zahlen aber auch interessante Details. So scheiterte beispielsweise Micaela Schäfer nur äußerst knapp am Einzug ins Finale. 16,01 Prozent der Anrufe reichten für sie nicht, um unter die letzten drei Dschungelcamper zu kommen. 16,88 Prozent wären genug gewesen – denn mit diesem Resultat erreichte Rocco Stark das Finale. Noch knapper erwischte es Ailton: Ihm fehlten nur 0,43 Prozentpunkte, um sich an Tag 13 zu retten – dann hätte es statt ihm Vincent Raven erwischt. Der Magier, der am Ende als Fünftplatzierter aus dem Dschungelcamp ging, lag übrigens in der Gunst der Anrufer nie unter den Top5 – da hat sich wohl einer geschickt im Hintergrund gehalten und das Beste daraus gemacht.
Ebenfalls überraschend: Bei der Frage, wen die Zuschauer weiterhin im Camp sehen wollen, lag Rocco immer vor Kim Debkowski – bis zum Tag vor dem Finale, in dem er dann den Kürzeren gegen die ehemalige DSDS-Kandidatin zog. Aber die beiden Turteltauben werden einander bestimmt schon verziehen haben.
Für Micaela Schäfer hingegen erwies sich der Borat-Bikini trotz seiner modischen Fragwürdigkeit als Glücksgriff. Nur 8,1 beziehungsweise 6,1 Prozent der Anrufer hatten sich in den beiden Folgen zuvor für ihren weiteren Verbleib im Dschungelcamp ausgesprochen. Nachdem sie im knappstmöglichen Outfit ihre Dschungelprüfung gemeistert hatte, schnellte der Wert auf 11,6 Prozent hoch. Da hat sie sich wohl doch ein bisschen Respekt erarbeitet. Oder die Zuschauer waren gespannt, ob sie beim nächsten Mal vielleicht noch weniger trägt.
Draufgeschaut: Very Bad Things
| Film | Very Bad Things |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1998 |
| Spielzeit | 96 Minuten |
| Regie | Peter Berg |
| Hauptdarsteller | Jon Favreau, Leland Orser, Cameron Diaz, Christian Slater, Jeremy Piven, Daniel Stern |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Kyle möchte seinen Junggesellenabschied in Las Vegas feiern. Seine vier besten Freunde organisieren einen ausgelassenen Trip für ihn. Als dabei plötzlich eine Prostituierte stirbt und das Quintett die Leiche kurzerhand in der Wüste verscharrt, wird die Sause aber mächtig anstrengend. Noch schwieriger allerdings wird es, nach der Rückkehr den Schein der Normalität zu wahren.
Das sagt shitesite:
Very Bad Things ist das bessere Hangover: pfiffige Story, immer neue Wendungen, eine eiskalte Cameron Diaz und ein völlig durchgeknallter Christian Slater sind die Zutaten für einen Spitzenthriller. Dazu zieht Very Bad Things auch noch die Zwänge und Widersprüche im Leben halbwegs erwachsener Männer zynisch und bitterbös durch den Kakao.
Der Trailer zum Film:
Die vielen Verehrer von Micaela Schäfer

Die Wäsche ist schnell gemacht: Micaela Schäfer war im Dschungelcamp dauernackt. Foto: RTL/Stefan Menne
Das war’s dann also für die nackteste Dschungelcamp-Kandidatin aller Zeiten. «Holt mich hier raus» – den Gefallen haben ihr die RTL-Zuschauer gestern Abend getan. «Ich bin ein Star» – dieser Satz gilt nach ihren freizügigen Auftritten für Micaela Schäfer mehr denn je, auch ohne Dschungelkrone. Als «Deutschlands berühmtestes Erotikmodel» hatte sich die Berlinerin vor dem Start der aktuellen Dschungelcamp-Staffel gerne angepriesen. Nach ihrer barbusigen Dauerpräsenz bei RTL ist aus dieser Behauptung eine Tatsache geworden.
Doch wie geht es jetzt weiter für Micaela Schäfer? Die Wäsche dürfte ja schnell gemacht sein, angesichts von lediglich einem Mini-Bikini und ein paar Nippelhütchen, die offensichtlich das gesamte Gepäck für Micaelas Reise nach Australien ausmachten. Sicher wird jetzt ein Interview-Marathon folgen. Vielleicht gibt es auch lukrative Werbeangebote. Ein Kleinwagenhersteller («Weniger ist mehr») könnte sie als prominentes Gesicht verpflichten oder der Verband der deutschen Theaterintendanten («Auch aus ganz wenig Stoff kann man ganz viel herausholen»). Zu wünschen ist Micaela aber vor allem, dass sie endlich den passenden Mann findet.
Denn über ihr Single-Dasein klagte die Camp-Nudistin nicht nur bei Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Ihre Brüste habe schon ewig keiner mehr angefasst, gestand sie. Sie stehe auf «dreckigen Sex» und habe «schon mit Frauen rumgeknutscht – aber das war nur so Spaß», lauten weitere Bekenntnisse. Auch auf ihrer Homepage plaudert sie freimütig über ihr nicht existentes Liebesleben. Seit vier Jahren geht sie einsam durchs Leben. Dabei träumt sie doch von einem Mann, einer Familie, einem Hund und Haus mit Garten, erzählt sie. Und sie betont: «Fortpflanzung hat mich schon immer interessiert.»
Nach den Auftritten im Dschungelcamp dürfte es ein Leichtes sein, ihr da auf die Sprünge zu helfen. Denn Micaela hat mit ihrer Abneigung gegen Textilien aller Art nicht nur für reichlich Empörung gesorgt. Sie hat auch viele Fans gewonnen – und Verehrer. In der RTL-Zuschauerredaktion sind zwar noch keine Heiratsanträge für oder Liebeserklärungen an Micaela angekommen, wie der Sender auf Anfrage von news.de mitteilte. Aber im Netz ist das Erotikmodel heiß begehrt. Auf ihrer Facebook-Fanpage schwärmt beispielsweise Wolfgang Gläser: «Micaela ist einfach der Hammer!» Auch Michael Hase hat in der 28-Jährigen «eine megageile Frau» erkannt. Heinz Lammers geht sogar noch weiter und schwärmt: «Sie ist die Beste. Alle, die über sie meckern, sind nur neidisch. Micaela, ich liebe dich!»
Im Forum von Dschungelcamp-Sender RTL tummeln sich ebenfalls etliche Micaela-Liebhaber – und sie schätzen an der gelernten pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten nicht nur die äußeren und gerne hergezeigten Reize. «Ich finde, Micaela kann sich sehr gut artikulieren und ich sehe ebenfalls innere Schönheit. Meiner Meinung nach hat sie einen super Charakter, hat Mut und fällt nicht mit sinnlosen Zickereien auf – und das ist wieder etwas was dann absolut für ihre Intelligenz spricht», meint Flavo. Für einen anderen User mit dem Nickname CaptainD17 ist sie «auf jeden Fall die netteste Person im Camp. Lästert nie, sondern im Gegenteil, sie lobt ihre Mitstreiter auch noch. Ich finde sie toll. Und bei einem IQ-Vergleich wäre sie, so glaube ich, vor einer Jazzy oder Radost.»
Einige der news.de-Leser haben ebenfalls Gefallen an Micaela gefunden. «Das Mädel sieht doch reizend aus», meint Wulff. «Sehr clever! Endlich eine, die nicht spinnt und es absolut cool angeht», kommentiert Andy. Bei bild.de gibt es sogar ganz unverhohlene Offerten. «Ich finde sie sexy und attraktiv trotz der künstlichen Brüste. Und wenn sonst niemand sie will, dann beende ich ihr Single-Dasein», schreibt Paul Panther. Auch Ali Bubu ist rundum begeistert: «Micaela sieht super aus und macht keineswegs einen dümmlichen Eindruck. Viele, die Micaela für billig halten und der Meinung sind, sie wäre so einfach zu haben, träumen in Wahrheit nur davon, mit so einer tollen Frau zusammen zu sein.»
Stehen die Männer also bei Micaela dank ihres Dschungelcamp-Ruhms bald Schlange? Kann sie vielleicht doch noch bei Ailton landen? Oder hat gar Brigitte Nielsen an ihrer Dschungel-Mitstreiterin Gefallen gefunden (sie lobte Micaela nach deren Dschungelprüfung mit Kakerlaken, Maden und einem Blutcocktail immerhin als «starke Frau»)? Wir wünschen es ihr. Und wenn alle Bikiniträger reißen, bleibt ja immer noch Bata Ilic…
Draufgeschaut: Secretary
| Film | Secretary |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2002 |
| Spielzeit | 106 Minuten |
| Regie | Steven Shainberg |
| Hauptdarsteller | Maggie Gyllenhaal, James Spader, Jeremy Davies, Lesley Ann Warren |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Lee ist eine verklemmte junge Frau, die Bestätigung noch mehr sucht als Orientierung. Als sie eine Stelle als Sekretärin beim Anwalt Edward Grey annimmt, scheint sie beides gefunden zu haben. Zwischen dem Paar entwickelt sich eine bizarre, schließlich sado-masochistische Beziehung.
Das sagt shitesite:
Secretary ist ein intimes Porträt einer Beziehung. Zugleich werden hier aber auch Themen wie Schmerz und Anerkennung, Aggression und Schwäche, Erotik und Hierarchie augenzwinkernd hinterfragt. Das macht den Reiz dieses Films aus: In Secretary gibt es in jeder Szene mehr als nur einen doppelten Boden.
Der Trailer zum Film:
You Say France & I Whistle, Werk 2, Leipzig
Zwei Dinge kann man schon erahnen, bevor dieses Konzert überhaupt beginnt. Erstens: You Say France & I Whistle stehen unglaublich gerne auf der Bühne. Die Schweden haben schon Konzerte bei Festivals, aber auch in Schaufenstern und, ähm, öffentlichen Toiletten gespielt. Live sind sie ganz offensichtlich in ihrem Element. Zweitens: You Say France & I Whistle machen eingängige, fröhliche, massentaugliche Musik – ohne das geringste Problem mit der Kategorisierung als Pop. Die Lieder des Quintetts, das 2008 seine erste EP und vor genau einer Woche sein Debütalbum Angry Men veröffentlicht hat, zierten schon die Werbekampagnen von Gap, Orbit, Coca Cola und McDonald’s.
Es kann also eigentlich nicht überraschen, dass dieser Abend in Leipzig so ein großer Spaß wird. Das Konzert im Werk 2 ist kein Erweckungserlebnis, aber es ist nah dran. Im Publikum sind ein paar Leute, bei denen man wohl von „preaching to the converted“ sprechen kann. Wie der großgewachsene junge Mann, der sogar den Text eines bisher unveröffentlichten Songs mitsingt, und für den im Werk 2 zugleich Weihnachten, Ostern und sein 18. Geburtstag zu sein scheint, so freudetrunken erlebt er diese Show mit. Aber deutlich größer ist der Anteil derer, die wohl nur aus Neugier (oder angelockt vom YouTube-Minihit OMG) gekommen sind, und an diesem Abend im Werk 2 erst zu beinharten Fans von You Say France & I Whistle werden.
Woran das wohl liegen kann? Einen nicht geringen Anteil hat der Faktor Charme. „Sind wir denn so hässlich?“, fragt beispielsweise der Sänger der soliden Vorgruppe lost.minds aus Jena, als keiner im Publikum so richtig nah an die Bühne kommen will. Ein bisschen schnippisch ist dieser Spruch, ein bisschen auswendig gelernt, ein bisschen cool. Aber er ändert nichts, weil er die Hürde nicht abbaut, die zwischen Band und Publikum steht. „Wir sind die Rockstars, ihr seid die Fans“ – das ist das hier praktizierte Prinzip, und lost.minds arbeiten ein gutes Stück daran mit, dass es in Leipzig gültig bleibt.
You Say Friends & I Whistle sind hingegen (man muss das sagen) im Großen und Ganzen keine Schönlinge (auch wenn sie live und in Farbe immerhin ein bisschen passabler aussehen als auf ihren eigenen Pressefotos). Aber hier kommen alle nach vorne. Distanz hat die Band nicht nötig für ihr Selbstverständnis oder ihre Bestätigung. Hier geht es um Ausgelassenheit, und keiner der Fünf auf der Bühne macht sich Gedanken darum, ob das vielleicht auch einmal ein bisschen daneben aussehen kann. Alle (sogar Schlagzeuger Petter Wesslander) singen mit. Alle sehen aus, als hätten sie ihre Outfits aus einem Koffer, den sie vom Gepäckband am Flughafen geklaut haben, und der die Klamotten eines slowakischen Geographielehrers enthielt. Und alle springen vollkommen unaffektiert kreuz und quer über die Bühne.
Das beste Beispiel ist Leadsänger Claes Carlström. Nachdem You Say France & I Whistle mit einem Hit-Hattrick bestehend aus Second Thoughts, OMG und Animal losgelegt haben, nimmt er zufrieden zur Kenntnis, dass sich die gute Laune auf der Bühne bereits auf die Zuhörer im Werk 2 übertragen hat. Er hätte da aber gerne noch einen Schuss mehr Individualität, wünscht er sich: „You already do dance. But dance more hippie stylish.”
Im folgenden Our Spiderweb geht er mit gutem Beispiel voran und legt ein paar Schritte auf die Bühne, die irgendwo zwischen tödlich sexy und total albern rangieren. Bassist Christian Wester (die Rhythmus-Sektion von You Say France & I Whistle scheint sich ohnehin einen Stylisten mit den Kings Of Leon zu teilen) legt später sein Sakko ab, Keyboarderin Ida Hedene gewinnt spielend den Preis für die coolsten Moves des Abends.
Das passt wunderbar zu dieser euphorisierenden Musik, die sich doch immer ein Hintertürchen offenhält, um notfalls schnell aus der völligen (und flüchtigen) Glückseligkeit fliehen zu können. You Say France & I Whistle klingen wie “The Cure, with more happiness; Shout Out Louds, with more energy; Vampire Weekend, with more rock; Arcade Fire, with more pop”, behaupten die Schweden auf ihrer Homepage – und wenn künftig alle Bands so treffende Selbstbeschreibungen ihres Sounds mitliefern, dann steht dem Musikjournalismus ein noch härteres Zeitalter bevor.
Das Beste daran: Selbst wenn sich Claes Carlström mal in eine zu gewagte Pose wirft, dann wirkt das nicht abgehoben, denn er sieht dabei nicht gut genug aus, um ihm das wirklich übel nehmen zu können. Selbst wenn Ida Hedene in den Augen eines Zynikern mitunter wirken mag, als versuche sie gleichzeitig Keyboard zu spielen und in bester Waldorfschulenmanier ihren Namen zu tanzen, kann das niemals peinlich sein bei so viel Enthusiasmus. Wenn You Say France & I Whistle übers Ziel hinaus schießen, dann baut das eine Brücke zu den Menschen vor der Bühne: Man erkennt dann, dass sie vor nicht allzu langer Zeit noch genau wie wir waren, und höchstens träumen konnten von Auftritten bei SXSW oder der Mailänder Modewoche.
This Is Sunday, Right? bildet mit seinem Ohoho-Finale den Abschluss des Sets. Als Zugabe gibt es zuerst ein neues Lied (Old Man) und dann als endgültigen Rausschmeißer Attaboy. Wer dann noch mehr will, kann dann nur am Merchandise-Stand noch Nachschub bekommen. Nach einem so mitreißenden Konzert müsste man fast davon ausgehen, dass You Say France & I Whistle noch am selben Abend in Leipzig den gesamten Bestand ihres Debütalbums verkauft haben. Bassist Christian Wester ist etwas bescheidener: „Wir haben ungefähr 400 Exemplare mit. Wenn jeder zwei kauft, dann geht das auf.“
Die Tour von You Say France & I Whistle geht weiter. Hier gibt es die fünf Schweden noch live zu sehen:
31.01. Frankfurt – Silbergold
01.02. Münster – Amp
02.02. Stuttgart – Zwoelfzehn
03.02. München – Atomic Cafe
07.02. Heidelberg – Häll
08.02. Berlin – Comet Club
09.02. Haldern – Haldern Pop Bar
10.02. Bremen – Tower
11.02. Dortmund – 023
Draufgeschaut: Wenn der Postmann zweimal klingelt
| Film | Wenn der Postmann zweimal klingelt |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 1981 |
| Spielzeit | 121 Minuten |
| Regie | Bob Rafaelson |
| Hauptdarsteller | Jack Nicholson, Jessica Lange, John Colicos, Michael Lerner |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Frank schlägt sich so durchs Leben, als er durch Zufall einen Job als Mechaniker in einer Tankstelle irgendwo im Nirgendwo bekommt. Mehr als die Arbeit interessiert ihn schon bald Cora, die Ehefrau des Besitzers. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre – und schmieden einen mörderischen Plan.
Das sagt shitesite:
Wenn der Postmann zweimal klingelt ist ein fein inszeniertes Spiel von Lust und Leidenschaft, Sehnsucht und Intrigen. Mit grandiosen Darstellern und vielen Pointen.
Der Trailer zum Film:
Hingehört: Lana Del Rey – “Born To Die”
| Künstler | Lana Del Rey |
| Album | Born To Die |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2011 |
| Bewertung | ***1/2 |
Schweigen. Das war die Reaktion, die Lana Del Ray mit ihrem ersten Auftritt auslöste. Niemand klatschte, als sie als 19-Jährige auf der Bühne der “Lilo Lounge” stand. Niemand buhte sie aus.
Das war ein durchaus bezeichnender Karrierestart. Im New Yorker Stadtteil Williamsburg ist man normalerweise viel zu cool, um sich von einem dahergelaufenen Mädchen mit Gitarre vom Trinken, Knutschen oder Plappern abhalten zu lassen. Aber Lana Del Rey hatte bei ihrem Bühnendebüt, auch wenn sie keine Begeisterungsstürme auslöste, sofort die ganze Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer. “Ich dachte: Wenn ich die Leute von etwas abhalten kann, dann könnte das reichen“, erinnert sich die mittlerweile 25-Jährige an jenen historischen Abend. Vielleicht ahnte sie: Ich habe diese Menschen erreicht. Und das Publikum spürte wohl damals schon: Diese Sängerin ist besonders.
Es ist dieses Anderssein, das Lana Del Rey seitdem einen unvorstellbaren Erfolg eingebracht hat. 120 Millionen Treffer spuckt Google bei einer Suche nach “Lana Del Rey” aus. Das ist doppelt so viel wie bei Kylie Minogue. Dabei ist die Australierin schon seit 25 Jahren im Geschäft – Lana Del Rey veröffentlicht heute gerade erst ihr Debütalbum Born To Die.
Bei YouTube muss man nur ein “L“ eintippen, und es wird bereits die Suche nach “Lana Del Rey Video Games” vorgeschlagen. Mehr als 22 Millionen Aufrufe hat dieses Lied mittlerweile, das die Initialzündung für den Siegeszug von Lana Del Rey wurde (reiht man alle Aufrufe aneinander, dann läuft Video Games ein bisschen länger als 200 Jahre). Anfang Dezember, als Video Games den Spitzenplatz der deutschen Charts erreichte, waren es noch nicht einmal 10 Millionen.
Der Aufstieg der Amerikanerin, die eigentlich Elizabeth Grant heißt, scheint sich immer mehr zu beschleunigen und nun im Erscheinen des Debütalbums zu kulminieren. Ein solch verdächtig großes Maß an Timing und Vorschusslorbeeren hat Lana Del Rey auch gleich ihre erste waschechte Kontroverse eingebracht. Ist sie nun das Mädchen aus dem Trailerpark, das es mit selbstgebastelten Videoclips und viel Talent zum Durchbruch geschafft hat? Oder ist sie die Tochter aus gutem Hause, die sich hat einspannen lassen in eine perfekte Marketing-Strategie?
Einiges weist auf Letzteres hin (mich hat beispielsweise ihre Plattenfirma schon im September zu einem Mini-Konzert eingeladen, mit dem Hinweis “Das wird nächstes Jahr das ganz große Ding”, dummerweise habe ich abgesagt). Aber in jedem Fall wirkt diese Echtheits-Debatte einigermaßen seltsam im Pop, wo Inszenierung doch stets Bestandteil der Kunst ist, und in einem Zeitalter, in dem Lady Gaga sogar die Existenz ihrer eigenen Vagina hinterfragen lassen muss. Lana Del Rey scheint kein besonders großes Interesse am Ausräumen der Zweifel zu haben. „Ich bin nicht in erster Linie ein Künstler. Zuerst bin ich ganz andere Dinge”, sagt sie mysteriös.
Und so wird im Netz seit Monaten hitzig diskutiert: Ist Lana Del Rey nun authentisch oder fake? Soul oder Hype? Genie oder Plastik? Wird sie das Album des Jahres vorlegen oder einen totalen Reinfall? Es wird derart erbittert gestritten, dass man sich nun, im Angesicht von Born To Die, fast gezwungen sieht, sich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Ein Sowohl-Als-Auch scheint kaum möglich – aber genau das ist das richtige Urteil für diese CD.
Es gibt eine Menge auf Born To Die, das als unwiderlegbarer Beweis für die Klasse von Lana Del Rey herhalten kann. Da ist, natürlich, Video Games. Noch immer ist dieses Lied unfassbar faszinierend, mit Harfe, Pauke, einem winzigen bisschen Klavier und dieser Stimme, die gar nichts mehr zu wollen scheint, aber alles zu wissen. Ohne einen Beat und ohne einen echten Refrain ist Video Games eigentlich eher ein Anti-Hit, und doch hat das Lied eine Strahlkraft, die unwiderstehlich ist.
Mehr noch als dieser Über-Song ist es aber das andere bereits seit Oktober bekannte Lied, das den Sound von Born To Die treffend zusammenfasst: Blue Jeans ist komplex, aber reduziert, anspruchsvoll und modern wie das gesamte Album. Immer wieder flirren kleine verstörende Sounds rund um das Grundgerüst aus Beats, Streichern und Lana Del Reys Stimme, irgendwo zwischen Nancy Sinatra und Belinda Carlisle. Vor allem aber nimmt sie in Blue Jeans eine Perspektive ein, die sich wie ein roter Faden durch dieses Debüt zieht: Da ist ein Mann, der attraktiv wirkt, bei dem man aber auch sicher sein kann, dass er am Ende nichts als Schmerz hinterlassen wird. Dieser Widerstreit wird auf Born To Die immer wieder ausgefochten.
„You’re not good for me / but baby I want you“, heißt es in Diet Montain View, zu einem Hip-Hop-Beat und einem Geplinker, das an den If I Ruled The World von Nas und Lauryn Hill erinnert. „My old man is a bad man / but I can’t deny the way he holds my hand“, singt Lana Del Rey im famosen Off To The Races. In der Strophe klingt sie wie ein verlebter Vamp, im Refrain schafft sie es dann plötzlich, sich in ein kokettes, quietschvergnügtes Mädchen zu verwandeln. Auch der Million Dollar Man, der in einem Klanggewand mit James-Bond-Soundtrack-Ausmaßen besungen wird, ist so einer, von dem Lana Del Rey genau weiß, dass er sie nicht glücklich machen wird, dem sie aber doch nicht widerstehen kann.
Man muss aus diesem Konflikt kein altmodisches Frauenbild herauslesen. Diese Zeilen zeigen vielmehr: Die Gefühle sind hier immer stärker, größer und schneller als der Verstand – und das macht einen beträchtlichen Teil des Reizes von Lana Del Rey aus. Diese Musik ist niemals kalkuliert. Keines dieser Lieder schreit „Ich will dir gefallen, ich will dich überrumpeln, kauf mich!“ Genau das ist es, was Lana Del Rey so wohltuend von vielen anderen Chart-Künstlern abhebt. Und das ist es auch, was sich in ihrer Ästhetik widerspiegelt, in der Frisur, in den Videos, im altmodischen Plattencover von Born To Die: Hier wird die Nostalgie gefeiert, die Sehnsucht nach einer Ära, in der noch Zeit für Gefühle war, ohne Ratingagenturen, Globalisierung, Terrorangst – und perfiderweise auch ohne die Möglichkeiten virtueller Selbstinszenierung.
Glamour, Spektakel und Individualität, die liegen hier nicht in der Show wie bei Kylie oder im Outfit wie bei Lady Gaga, sondern in der Stimme. Der Gesang bleibt meist ganz gefangen in seiner Melancholie, abgeklärt, souverän und selbstsicher, so dass die gelegentlichen Ausbrüche von Leidenschaft umso beeindruckender und bewegender wirken. Zu Tode betrübt – das ist bei ihr die Grundstimmung, und wenn sie die Stimme hebt oder das Tempo leicht anzieht wie in Summertime Sadness, dann wird dieser Schmerz noch greifbarer, intensiver, schöner. „Hauptsache nicht so singen zu müssen, wie es so viele andere tun“, hat sich Lana Del Rey ganz am Beginn ihrer Karriere gewünscht. Dieses Ziel hat sie längst erreicht.
Die größte Stärke ihres Sounds: Er ist kein bisschen ehrgeizig. Es gibt auf Born To Die keine Euphorie, bloß Hoffnung, Trost, Sehnsucht. Lana Del Rey klingt, als wäre es ihr völlig egal, wenn sie ab morgen kein Popstar mehr wäre – und dennoch ist Lana Del Rey eine Figur, für die man sich keinen anderen Beruf vorstellen kann. Sie ist “das Gesamtkunstwerk eines All American Popstars, die Stilisierung eines Lebens zwischen Hollywood und Trailerpark”, wie die FAZ geschrieben hat.
Allerdings ist nicht alles auf Born To Die außergewöhnlich oder gar meisterhaft. Das Album (übrigens eigentlich schon das zweite von Lana Del Rey, ihre erste Platte unter dem Namen Lizzy Grant ist inzwischen aus dem Verkehr gezogen) wurde unter anderem von Eg White (Adele, Duffy) und Guy Chambers (Robbie Williams) produziert, und so gibt es auf Born To Die gelegentlich auch Durchschnittspop. National Anthem hat wenig Charakter, auch Dark Paradise ist bloß aufgeblasene Fließbandware.
Trotzdem hat Born To Die genug zu bieten, um den Hype am Leben zu erhalten, und auch Einiges, was ihn überdauern könnte. Das wunderhübsche Radio könnte eine Single werden. Das meisterhafte This Is What Makes Us Girls beweist, dass viel mehr in dieser Künstlerin steckt als die neue Amy Winehouse.
Born To Die lässt kaum eine Richtung offen, in die sich Lana Del Rey auf ihrer nächsten Platte entwickeln könnte. Aber vorerst wird das Album sie noch ein bisschen berühmter machen, und sie wird es genießen. Denn sie gibt ganz offen zu, dass sie den Trost, den sie ihren Hörern spendet, selbst aus ihrem Status als Popstar zieht: „Ich kenne eine Menge unterschiedlicher Leute. Im Dunkeln der Nacht, wenn sie betrunken sind, wollen sie doch alle das Gleiche. Alle wollen sie berühmt sein. Das Bedürfnis, dass andere Leute von deinem Leben Notiz nehmen, ist nur natürlich und menschlich. Es ist für Menschen wichtig, beobachtet zu werden. Sie wollen nicht allein sein. Ich will nicht allein sein.“
Lana Del Rey spielt Video Games live bei Inas Nacht:












