Draufgeschaut: Funny Games U.S.


Peter (Brady Corbet, rechts) und Paul (Michael Pitt) terrorisieren eine Familie.

Peter (Brady Corbet, rechts) und Paul (Michael Pitt) terrorisieren eine Familie.

Film Funny Games U.S.
Produktionsland USA
Jahr 2007
Spielzeit 112 Minuten
Regie Michael Haneke
Hauptdarsteller Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Siobhan Fallon, Boyd Gaines
Bewertung ****

Worum geht’s?

Ann und George freuen sich auf einen unbeschwerten Urlaub auf Long Island mit ihrem kleinen Sohn Georgie. Kaum sind sie in ihrem Ferienhaus angekommen, bekommen sie Besuch von Peter und Paul. Die beiden jungen Männer geben sich als Freunde der Nachbarsfamilie aus. Doch schon bald wird klar, dass sie ein sadistisches, erbarmungloses Spiel mit der Familie treiben wollen. Es beginnt eine Nacht des Horrors.

Das sagt shitesite:

Die Neuauflage von Funny Games, zehn Jahre nach dem Original für den amerikanischen Geschmack beinahe 1:1 neu verfilmt, steht der Vorlage in Sachen Psychoterror, Brutalität und verstörender, irritierender Macht in nichts nach.

Funny Games U.S. bricht keine Tabus, ist aber trotzdem formal und ethisch in höchstem Maße gewagt. Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke spielt ähnlich genüsslich mit den Konventionen des Thrillers wie seine geschniegelten Protagonisten mit den Ängsten ihrer Opfer. Peter und Paul sprechen direkt in die Kamera, um uns als Voyeure zu entlarven. Sie spulen mitten in einem der spannendsten Momente der Handlung plötzlich zurück, um das Filmische, Fiktionale, Spielerische an diesem Film ins Gedächtnis zu rufen. Und nicht zuletzt wird in Funny Games U.S. nicht einmal der Versuch unternommen, die Brutalität der beiden Peiniger auch nur ansatzweise zu erklären.

Auch die Opfer fallen komplett aus den gängigen Mustern. Sie sind zunächst feige und in ihren guten Manieren gefangen – genau das wird ihnen zum Verhängnis, bis schließlich die betonte Höflichkeit der hemmungslosen Schläger wie die größte Provokation auf sie wirken muss. Ann, George und Georgie wollen zusammen halten, wie sich das für eine Familie (und für einen Film) gehört. Aber der Zuschauer ahnt früh, dass sie sich höchstens durch rücksichtslosen Egoismus retten könnten. Haneke hat eine diebische Freude daran, immer wieder retardierende Momente einzubauen, in denen das deutlich wird – und in denen die Hoffnung auf Rettung dann ein ums andere Mal zerplatzt.

In nicht einmal zwei Stunden gelangt Funny Games U.S. so von der denkbar banalsten Ausgangssituation zum totalen, existenziellen Terror. Ein unvergessliches, in keiner Weise alltägliches Filmerlebnis.

Bestes Zitat:

“So viel Stress für ein bisschen Höflichkeit.”

Der Trailer zum Film:

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