Hingehört: Sløtface – „Sponge State“


Künstler Sløtface

Sløtface Sponge State Kritik Rezension

Sløtface verbinden Garagen-Wucht mit Pop-Appeal.

EP Sponge State
Label Propeller Records
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

So etwas nennt man wohl einen Kickstart. Get My Own heißt der erste Track auf dieser heute erscheinenden EP, und er platzt beinahe vor Energie. An Be Your Own Pet erinnert nicht nur das Feuer, das in diesem Song steckt, sondern auch die Freude an Call-and-Response-Gesang. Allerdings zeigt sich schon in diesem Opener: Sløtface haben zwar genauso schlechte Laune wie die leider verblichene Band aus Nashville, aber deutlich mehr Pop-Appeal.

Die schlechte Laune kann Haley Shea, Sängerin des 2012 gegründeten Quartetts aus Norwegen, schnell erklären. Zu ihren Lieblingsthemen gehören Teilnahmslosigkeit, die Erwartungshaltung an das Verhalten von Teenagern, die sie sich selbst auferlegen oder von außen auferlegt bekommen, und das schwierige Leben als weibliches Wesen auf unserem Planeten.

“We deserve to hear voices from different identities. That’s owed to us. I write from a female perspective because I feel like women’s voices are underrepresented in general. Especially women angry about things. And I think it’s ok to be angry about things”, lautet ihr Credo. “We’re trying to portray a character that’s often female but not maybe the way you’d expect females to be portrayed in popular culture”, erläutert sie außerdem. “A lot of our songs are about that. Every love song we’ve ever written is in some sense a twist on your expectation of what a break-up song would be like. Defiance would be a good way to sum it up.”

Die Pop-Affinität kann Gitarrist Tor-Arne Vikingstad, der zweite zentrale Songwriter bei Sløtface, ebenso einleuchtend erklären. “We love good pop songs, so we always try to write them”, erzählt er. “We don’t like droney, seven-minute songs. We’d rather listen to Robyn than prog.”

Einem Song wie Sponge State, der ein Ungestüm wie einst bei Echobelly offenbart, hört man das besonders deutlich an. Das ist mitreißend, aber eingängig, kraftvoll, aber zumindest an der Oberfläche mädchenhaft. Und bei aller Wut im Bauch können Sløtface darin auch über sich selbst lachen. „I’ve been thinking about that summer we discovered Bon Iver / It’s French I say / It’s not his name, it’s not his name”, heißt der Moment der Erkenntnis, der darin besungen wird, sodass das peinliche Missverständnis zu einer putzigen Erinnerung wird.

Kill ‘Em With Kindness nimmt etwas den Fuß vom Gas, stellt aber zugleich den Rhythmus in den Vordergrund und lässt somit Schlagzeuger Halvard Skeie Wiencke und Bassist Lasse Lokøy glänzen. Shave My Head bildet den Schlusspunkt der EP und klingt ein wenig wie Courtney Barnett, wenn es bei ihr so etwas wie einen Bubblegum-Modus gäbe. Am Ende klingt sogar die Zeile „I’d never shave my head for you“ wie ein vollkommen plausibler Kampfschrei, so umwerfend ist das.

“All my friends are making names for themselves”, singt Haley Shea im Titeltrack. Sløtface mögen sich einen Namen gegeben haben, der die Akzeptanz im Mainstream etwas schwierig macht. Aber dass sie schon bald in aller Munde sein werden, kann nach dieser EP als gewiss gelten. Spätestens mit dem für 2017 geplanten Debütalbum soll es so weit sein, haben die vier Norweger geplant, wie Haley ankündigt: “We’re still working out what we want to put on there. We want to show people a little bit more. We want to be a band that reinvents itself.”

Shave My Head funktioniert auch akustisch, zeigt dieses Video.

Sløtface bei Facebook.

 

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