Draufgeschaut: Die Verurteilten


Film Die Verurteilten

Die Verurteilten Film Kritik Rezension

Andy (Tim Robbins, rechts) und Red (Morgan Freeman) freunden sich im Gefängnis an.

Originaltitel The Shawshank Redemption
Produktionsland USA
Jahr 1994
Spielzeit 142 Minuten
Regie Frank Darabont
Hauptdarsteller Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler
Bewertung

Worum geht’s?

Andy Dufresne ist schon in jungen Jahren stellvertretender Direktor einer Bank in den Südstaaten. Seine Karriere endet abrupt, als er wegen Mordes zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt wird: Er soll seine Ehefrau und deren Liebhaber in flagranti erwischt und erschossen haben. Andy beteuert seine Unschuld und ist deshalb noch wie paralysiert, als er 1947 in die Haftanstalt von Shawshank kommt. Dann versucht er, sich mit dem Gefängnisalltag zu arrangieren. In Red, der ebenfalls wegen Mordes einsitzt und schon seit zwanzig Jahren in Shawshank ist, findet er einen Freund, der ihm wichtige Tipps zum Knastleben gibt und ihn sowie die weiteren Häftlinge mit gefragter Schmuggelware versorgt. Als der Gefängnisdirektor Samuel Norton mitbekommt, dass in einer seiner Zellen ein Finanzgenie sitzt, wird das Leben für Andy einfacher: Er darf zuerst die Häftlingsbibliothek betreuen und erweitern, dann kümmert er sich um die Geldangelegenheiten des Direktors, der die Insassen als billige Arbeitskräfte vermietet und auch sonst etliche krumme Geschäfte macht. Während Andy sich scheinbar in dieser privilegierten Position einrichtet, brodelt in ihm in Wirklichkeit der Gedanke, sich für all dieses Unrecht zu rächen.

Das sagt shitesite:

Die Verurteilten, das in der Datenbank von IMDB als bester Film aller Zeiten geführt wird und 1995 mit sieben Nominierungen ins Oscar-Rennen ging, um dann aber nicht eine einzige Trophäe zu gewinnen, hat durchaus seine Schwächen. Es gibt vor allem am Ende eine Überdosis Pathos, die nicht zur ansonsten fast stoischen Erzählweise des Films passt. Und es gibt die recht plumpe Moral, dass die wahren Verbrecher nicht die Kriminellen in Shawshank sind, sondern die Aufseher, die Gefängnisleitung, die blinde Justiz und nicht zuletzt die Politik, die soziale Zustände nicht beseitigt, die zum Nährboden für Verbrechen werden.

Davon abgesehen ist dieses Drama, basierend auf einer schon 1982 veröffentlichten Novelle von Stepen King, bärenstark. In den fast zweieinhalb Stunden von Die Verurteilten gibt es nicht eine Sekunde der Langeweile. Das gelingt zum einen wegen eines erstaunlichen Muts zum Realismus: Willkür, Schikane, Sadismus trotz vorgeblich christlicher Ideale, Misshandlung und Vergewaltigung werden hier schonungslos gezeigt, auch den Helden des Films bleiben sie nicht erspart. Genauso ausführlich wird die soziale Dynamik innerhalb der Häftlinge dargestellt, ihre Grüppchenbildung, die Dankbarkeit für jede Möglichkeit eines halbwegs originellen Zeitvertreibs, vor allem aber die unerträgliche Monotonie des Gefängnisalltags. Funktionieren ist hier das oberste Prinzip, das wird durch die famos unprätentiösen Leistungen von Tim Robbins und Morgan Freeman ebenso deutlich wie durch Drehbuch und Regie von Frank Darabont (The Green Mile), der sich fast jegliches Melodrama verkneift.

Zum anderen trägt die klare Struktur zur enormen Spannung von Die Verurteilten bei, auch zu seiner emotionalen Wucht: Verbrechen und Verurteilung, Andys Orientierungsphase im Knast, Privilegien und Aufstieg, Pointe – das sind die Kapitel des Films, und gerade die Strenge dieser Chronologie passt zu den Zwängen der Häftlinge, die zwar vielleicht Erinnerungen an ihre Vergangenheit haben, womöglich gar Erwartungen für die Zukunft, aber vor allem im Hier und Jetzt leben müssen.

Die größte Stärke von Die Verurteilten ist allerdings die Perspektive: Das (Er-)Leben von Andy Dufresne steht zwar von Beginn an im Zentrum des Films, erzählt wird er aber von Red, und zwar in einem fast fatalistischen Tonfall. Gerade dieser Sound, der sich mit dem Dasein als Häftling abgefunden hat und das Gefängnis als einzig denkbare Welt inszeniert, macht die Verheißung von Freiheit und Gerechtigkeit, wenn sie dann einmal sichtbar wird, so strahlend. Andy ist vordergründig auf Assimilation aus, aber bloß, weil ihm das Image als pflegeleichter, vorbildlicher Gefangener kleine Freiräume eröffnet, in denen sein Trotz, sein Widerstand und sogar seine Renitenz sichtbar werden. Er will seine Mitinsassen daran erinnern, „dass in deinem Inneren etwas ist, das sie dir nicht nehmen können“, wie er an einer Stelle sagt. Der Kampf um das Bewahren dieses Kerns von Menschlichkeit, im sozialen Miteinander, aber auch im eigenen Charakter, ist der Kern dieser Geschichte.

Die Verurteilten feiert das Bewahren von Würde und Anstand, von so etwas wie persönlichem Adel, der sich niemals anders offenbaren kann als im Umgang mit anderen Menschen. Gerade deshalb ist es nicht nur ein beeindruckender Film über die Sehnsucht nach Freiheit, sondern viel mehr noch über die tröstende Kraft der Freundschaft.

Bestes Zitat:

„Die Mauern hier sind schon komisch. Anfangs hasst du sie. Nach einer gewissen Zeit gewöhnst du dich dran. Und wenn noch mehr vergangen ist, kannst du ohne sie nicht mehr leben.“

Der Trailer zum Film.

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