Hingehört: The Trouble With Templeton – „Someday, Buddy“


Künstler The Trouble With Templeton

The Trouble With Templeton Someday, Buddy Kritik Rezension

„Someday, Buddy“ lebt von seiner Bodenständigkeit.

Album Someday, Buddy
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Radiohead gelten seit Beginn ihre Karriere al seine intellektuelle Band. In den Jahren nach OK Computer hat sich dieses Profil noch geschärft – oft könnte man meinen, Thom Yorke & Co. musizierten ausschließlich für Akademiker und Feuilletons. Wie falsch dieser Eindruck war (und trotz der wachsenden Unhörbarkeit von Radiohead-Platten vielleicht auch immer noch ist), bringen nun ausgerechnet drei Australier in Erinnerung: Denn The Trouble With Templeton eröffnen ihr am Freitag erscheinendes zweites Album mit Sailor, einem Lied, das nicht nur wegen der Stimme von Frontmann Thomas Calder, sondern auch wegen seiner Laut-Leise-Dynamik sofort auf Radiohead verweist und damit in Erinnerung bringt: Diese Band funktioniert nicht nur über Gefrickel und Kopfgeburten, sondern auch über Plakatives und Gänsehaut.

Auffällig ist diese Parallele auch, weil es sonst nicht allzu viele Ähnlichkeiten gibt. Die drei Jungs aus Brisbane sind, nimmt man die Texte als Maßstab, nicht die hellsten Lichter am Baum. Das ist allerdings gar nicht schlimm, denn sie haben sich einer sehr traditionellen, ursprünglichen Variante von Indierock verschrieben. I Want Love ist so ur-romantisch, wie der Titel das vermuten lässt. Auch in Double Life steht das Herz ganz offen, und genau diese Verwundbarkeit wird zur Stärke des Songs.

“Our goal was to make a record that is raw, bare and honest”, sagt Thomas Calder, der vor dem 2014er Debüt von The Trouble With Templeton auch schon ein Solo-Minialbum veröffentlicht hatte. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Ritchie Daniell (Schlagzeug) und Sam Pankhurst (Bass) hat er diesmal den Fokus darauf gelegt, die Songs weitgehend für sich sprechen zu lassen. “We made a conscious decision to challenge ourselves to focus on minimal instrumentation and production in the recording process in an effort to place more emphasis on the song-writing”, erklärt er.

Songs wie Heavy Trouble, das nur auf Stimme und Gitarrenpicking setzt, 1832, das einen unverkennbaren Folkrock- und Storytelling-Charakter bekommt, oder der akustische Albumschlusspunkt Sturdy Boy belegen das. An anderer Stelle wird ein Emo-Touch erkennbar (Bad Mistake) oder die absichtliche Trägheit von Bands wie Marcy Playground oder Pavement scheint durch (Vernon). Die Putzigkeit eines Lieds wie Complex Lips und auch die Wucht des Refrains lassen an Weezer denken.

The Trouble With Templeton sind damit manchmal Nerds und manchmal Slacker, aber fast immer große Traditionalisten. Someday, Buddy ist niemals bahnbrechend, aber immer charmant. Der vielleicht größte Pluspunkt der Band ist ihre Bodenständigkeit. Ihr Debütalbum haben sie vor zweieinhalb Jahren Rookie genannt, wissend um ihre noch nicht vorhandenen Meriten, aber auch im Bewusstsein, dass die Jugend ein Privileg ist. Im Titel des Nachfolgers steckt der Traum vom großen Durchbruch, der sich mit Rookie noch nicht so recht einstellen wollte, aber auch der Gedanke: Wenn sich dieser Traum nicht erfüllen sollte, ist es auch keine Tragödie – wir haben schon jetzt viel mehr erreicht, als wir je zu hoffen gewagt hätten.

The Trouble With Templeton spielen Six Months In A Cast (vom Vorgänger-Album) live.

The Trouble With Templeton bei Facebook.

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