Hingehört: The Last Shadow Puppets – „The Dream Synopsis“


Künstler The Last Shadow Puppets

The Dream Synopsis Last Shadow Puppets EP Kritik Rezension

An einem einzigen Tag wurde „The Dream Synopsis“ aufgenommen.

EP The Dream Synopsis
Label Domino
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Eigentlich sollte das niemanden wundern. Alex Turner und Miles Kane sind beide in diesem Jahr 30 geworden, sie sind (mittlerweile) beide im Hauptberuf Rockstars. Vielleicht fühlt es sich da ein wenig seltsam an, Abend für Abend bloß gediegene, erlesene, wundervolle Popsongs zu spielen, wie sie das als Last Shadow Puppets nun einmal tun. Womöglich bricht sich da gelegentlich das Bedürfnis Bahn, es ein wenig mehr krachen zu lassen. Wahrscheinlich hat man da irgendwann Lust, aus der Routine einer Konzertreise auszubrechen.

Das Ergebnis dieses Effekts ist, so darf man vermuten, die heute erscheinende EP The Dream Synopsis. Sie enthält mit Aviation und The Dream Synopsis zwei Lieder vom im April veröffentlichten Album Everything You’ve Come To Expect, die in neuen Versionen eingespielt wurden, dazu vier Coverversionen. Aufgenommen wurde alles innerhalb eines Tages in den Future-Past Studios in New York.

Dieser Wille zur Spontaneität prägt die EP, zwischendurch hört man Ansagen und Gelächter. Zugleich ist The Dream Synopsis offensichtlich als Zeitdokument gedacht. Die sechs Lieder zeigen, wo die Last Shadow Puppets am Ende des Jahres 2016 stehen, nach ihrem zweiten Album und einer sehr erfolgreichen Tournee zur Platte. Fast alle der hier versammelten Coverversionen waren zuletzt schon Teil des Live-Repertoires, und dieser Charakter von „Das alles haben wir dazugelernt“ ist ebenfalls unverkennbar. Am deutlichsten wird die EP aber von der Botschaft „Auch das gehört zu uns“ geprägt. Vieles bricht mit dem vertrauten Sound der beiden Longplayer.

Schon die neue Version von Aviation ist etwas schneller und hektischer als die Album-Aufnahme, noch beeindruckender als diese subtilen Neuerungen sind allerdings die von Owen Pallett arrangierten Streicher. Les Cactus (das Original stammt von Jacques Dutronc und wird hier ebenfalls auf Französisch gesungen) klingt tatsächlich, als sei es dem Jahr 1967 entsprungen, wild, durchgeknallt, hart und mit klasse Bass von Zach Dawes. This Is Your Life, ursprünglich 1979 von der Post-Punk-Band Glaxo veröffentlicht, weist in eine ähnliche Richtung. Erst recht gilt das für Totally Wired von The Fall. Auch hier zeigen die Last Shadow Puppets ihre biestige und verrückte Seite, die bei all der Eleganz, dem Schwelgen und Schönklang der beiden Alben gerne zu kurz kommt, aber eben auch in Alex Turner und Miles Kane steckt. Leonard Cohens Is This What You Wanted (erschienen 1974 auf dessen Album New Skin For The Old Ceremony) ist musikalisch deutlich ruhiger, greift aber mit seinem Text ebenfalls diese Idee auf: „You were Marlon Brando, I was Steve McQueen“, heißt es da, und diese Rollenzuschreibung scheint tatsächlich auch für die Last Shadow Puppets zu passen.

Bei aller Freude am Ausbruch aus dem Üblichen gibt es natürlich auch Vertrautes und Kontinuitäten. So zeigt die Auswahl der Coverversionen: Auch auf der Dream Synopsis-EP geht es um vollendeten Geschmack und Stil. Der Song ist wichtig, aber ebenso sind es die Mode, die Referenzen und der Zeitgeist, die der Song heraufbeschwört. Am engsten am bisherigen Sound orientiert sich der Titelsong, auch wenn er im Vergleich zur Albumversion vergleichsweise stark überarbeitet wird: Die neue Aufnahme von The Dream Synopsis wird erheblich verlangsamt und deutlich angejazzt. Sie zeigt damit, dass Turner und Kane noch längst nicht die Lust an dem verloren haben, wofür sie die Last Shadow Puppets einst ins Leben gerufen haben. Zum Glück.

Optik schick, Sound gefährlich: das Video zu This Is Your Life.

Website der Last Shadow Puppets.

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