Hingehört: Serafyn – „Foam“


Künstler Serafyn

Serafyn Foam Kritik Rezension

Von der Straße über YouTube ins Plattenregal: Das ist die Geschichte von „Foam“.

Album Foam
Label Radicalis
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Wahrscheinlich hatten sie irgendwann einfach zu viele Ideen für ihr früheres Metier. Genau 40 Minuten lang ist Foam, das morgen erscheinende Debütalbum von Serafyn – und damit zehn Minuten länger als es in den meisten Städten gestattet ist, an einer Stelle als Straßenmusiker zu spielen.

In den Fußgängerzonen ihrer Heimatstadt Basel und dann ganz Europas haben Anna Erhard, Anja Waldkircher, Alexandra Werner, J.J. Loew und Lucas Loew angefangen, bevor sie dank Soundcloud und YouTube auf richtige Bühnen wechseln konnten, die sie mittlerweile beispielsweise mit Fink (der ein bekennender Fan und Förderer der Schweizer ist), Local Natives und dem Cinematic Orchestra geteilt haben.

Die Erfolgsgeschichte des Quintetts, zu der auch der Basler Pop-Preis gehört, den Serafyn für ihre Debüt-EP Quantum Leap erhielten, verwundert nicht, wenn man Foam hört: Das Album lebt von einnehmenden, wenn auch herben Stimmen und einer Verspieltheit, die nie Selbstzweck wird, sondern dafür sorgt, dass die Platte sehr schnell einen eigenen Zauber entwickelt.

Die Straßenmusik-Wurzeln kann man dabei kaum heraushören. Morning Tea ist ein sehr folkiger Moment, aber nicht von der verhuschten, sondern von der wirklich spannenden Sorte. Ansonsten ist die Instrumentierung zwar oft akustisch, wird aber auf ungewöhnliche Weise eingesetzt und sorgt für verwunschene Songs wie Current Current, himmlisch zarte Lieder wie Lines oder gar große Kunst wie How Am I Supposed To Set A Thing In Stone, den Höhepunkt des Albums.

Foam besticht immer wieder mit originellen Melodien wie gleich zum Auftakt in Good Thing und einer sehr stimmigen Atmosphäre, die exemplarisch im leicht betrübten Patience zum Ausdruck kommt, aber auch in Long Run, das man jedem vorspielen sollte, der nicht versteht, was an Melancholie schön sein soll.

Dem stehen Lieder gegenüber wie Messy, das reduziert und geradezu experimentell daher kommt, oder Foam, in dem das bei Serafyn gerne eingesetzte Cello von schweren Drums begleitet wird und so für einen erstaunlich druckvollen Sound sorgt. Das ist die vielleicht größte Stärke dieses von Pola Roy (ehemals Wir sind Helden) produzierten Debüts: Foam vergisst auch in seinen beschaulichsten Momenten nie die Dynamik.

Mit dem Good Thing könnte Nebel gemeint sein, nimmt man das Video zum Maßstab.

Website von Serafyn.

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