Hingehört: Nosoyo – „Resonate“


Künstler Nosoyo

Nosoyo Resonate Kritik Rezension

In Amsterdam haben sich Nosoyo kennen und lieben gelernt.

Album Resonate
Label Freudenhaus Recordings
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

„The time is right now / to sing your heart out“, lautet die wichtigste Aussage in Resonate, dem Titelsong des gerade erschienenen Debütalbums von Nosoyo. Es ist eine These, der schwer zu widersprechen ist bei einem heiter-eingängigen Refrain wie diesem. Und es zeigt eine der größten Stärken von Donata Kramarz (Gesang und Gitarre) und Daïm de Rijke (Schlagzeug und elektronische Beats), die sich 2014 in Amsterdam kennen (und lieben) gelernt haben und mittlerweile in Berlin ansässig sind: Ihren sehr eleganten Pop versehen sie in den entscheidenden Momenten gerne mit der nötigen Prise Euphorie.

Später ist The Weight ein ähnlicher Moment, mit einem an Feist erinnernden Sprechgesang, erstaunlicher Strenge und einem Mega-Refrain. One Way bleibt behutsam, ist aber trotzdem kraftvoll, sogar glamourös. Disillusioned gaukelt mit Handclaps und Piano eine Unbeschwertheit vor, die an Kate Nash geschult sein könnte, aber allein der Songtitel zeigt schon, dass von einer naiven Heiterkeit hier keine Rede sein kann. Und das sehr gute Get Used vereint Romantik mit etwas Biestigkeit, wie man das etwa von Lily Allen kennt.

Als Vorbilder benennen Nosoyo beispielsweise Nina Simone, Lykke Li und Chet Faker, auch in der stilistischen Nähe von L’aupaire und Lola Marsh (für beide hat das Duo schon im Vorprogramm gespielt) fühlen sie sich wohl. Resonate, das von Patrik Majer produziert wurde, hat neben diesem Pop-Appeal und einem guten Gespür für Dynamik aber noch eine weitere Stärke: Nosoyo kennen auch die Trübsal, und das gibt ihren sehr schicken Songs den nötigen emotionalen Rückhalt.

As Close As We Get legt zugleich eine Putzigkeit und Melancholie an den Tag, dass man an die Moonbabies denken muss, auch weil hier Daïm de Rijke mitsingen darf und sich somit ein reizvolles Zusammenspiel der Stimmen ergibt. Stuck In The Dark bietet im Sound beinahe Club-Atmosphäre, aber der Gesang klingt eher (auf angenehme Weise) nach verkatertem Sonntagnachmittag. Die Musik von Hill To Climb könnte man sich von Boy vorstellen, der Gesang ist eher Lorde.

6 Or 7 Weeks, das Ende 2015 als erste Single von Nosoyo erschien, ist durchaus verspielt, wirkt aber vor allem durch seine Grundstimmung betörend-verträumt. Losing Time ist ebenso entspannt, aber nicht ohne Spannung; dezent, aber vor allem im Refrain nicht ohne Grazie. Und der Album-Auftakt Old Soul dürfte nicht nur die Sehnsucht nach der Glanzzeit der Sugababes wecken, sondern zeigt auch die Quintessenz von Resonate: Gerade, weil ein Anteil an Schwermut hier nicht zu leugnen ist, wird der Wille zur Hoffnung umso deutlicher erkennbar.

Hoch hinaus wollen Nosoyo im Video zu Resonate.

Website von Nosoyo.

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