Hingehört: Hippo Campus – „Landmark“


Künstler Hippo Campus

Hippo Campus Landmark Kritik Rezension

„Landmark“ setzt die rasante Entwicklung von Hippo Campus fort.

Album Landmark
Label Transgressive
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Natürlich ticken die Uhren im internationalen Musikgeschäft etwas anders (vor allem: schneller) als hierzulande. Aber in welchen Tempo sich Hippo Campus entwickeln, ist dennoch beinahe besorgniserregend. Ihr Debütalbum Landmark verzichtet nicht nur auf jegliche Songs, die auf ihren gefeierten ersten EPs zu finden waren. Es zeigt die Band aus Minnesota auch ungemein gereift.

Womöglich hat Produzent BJ Burton (Bon Iver, Francis & The Lights, Low) dazu beigetragen, doch auch jenseits seiner Handschrift hat dieses Landmark ein sehr besonderes Profil. Noch immer schimmern Leichtigkeit und Ungestüm durch, die etwa die Debüt-EP Bashful Creatures (2014) ausgezeichnet hatten. Die Single Way It Goes ist beispielsweise so ein sommerlicher und leichtfüßiger Moment. Die Bläser verleihen Boyish reichlich Kraft und Ungeduld – der Junge, dessen Wesenheit hier besungen wird, ist eindeutig ein Draufgänger, und er hat ganz viele Kumpels im Schlepptau. Western Kids forciert etwa in der Mitte des Albums das Tempo und schiebt auch den Ausgelassenheits-Regler nach oben. Weil es zudem einen Beat gibt, der zumindest so tut, als sei er elektronisch erzeugt, rückt das in die Nähe der Wombats oder, noch passender, der Kooks.

Eine Besonderheit bei Hippo Campus ist weiterhin das Auge für Details, die zum Teil überraschend sind wie ein Slide-Gitarren-Solo (Way It Goes), die Stimmeffekte, die in Epitaph die besonders destruktiven Zeilen unterstreichen oder das Sixties-Gefühl, das in Tuesday durch den Gitarrensound, das Tamburin und den Harmoniegesang erzeugt wird. Selbst wenn sie eine vergleichsweise gewöhnliche Struktur und konventionelle Zutaten (trockene Drums, eine launige Akustikgitarre und eine E-Gitarrenmelodie, die den Gesang unterstützt) wählen wie in Vacation, wird das Ergebnis besonders, denn sie nehmen sich innerhalb dieser Koordinaten ganz viele Freiheiten.

Eine weitere Stärke ist Jake Luppen: Beispielsweise der ruhige Beginn von Poems zeigt, was für ein außergewöhnlicher Sänger er ist. Der Refrain ist dann für ihre Verhältnisse fast monströs, schwelgt aber trotzdem selig in Melodie und Sound und Tralala. Vines bietet einen verspielten Rhythmus à la Bombay Bicycle Club. „Searching for a meaning“, lautet einer der Verse, aber so dringend kann dieses Anliegen nicht sein, nimmt man die entspannte Atmosphäre zum Maßstab. Die Ballade Monsoon scheint keinen Tropensturm, sondern eher einen ganz sanften Sommerregen zu beschreiben. Am Ende von Landmark wird die Band in Buttercup originell und funky wie Vampire Weekend, klingt zugleich cool, aber trotzdem voller Leidenschaft, Bekenntnis und Hoffnung.

Wie der neue Sound von Hippo Campus funktioniert und wie sie dabei ihre eigene Tradition (darf man dieses Wort benutzen bei einer Band, die erst seit vier Jahren besteht?) weiterentwickeln, zeigt Simple Season am besten: Im Vergleich zu den anderen Tracks von Landmark hat das etwas mehr Punch, aber auch hier dominieren Luft, Licht und Leichtigkeit, womöglich berauscht von „daffodils and happy pills“, wie es im Text heißt. Das ist so heiter, wie man sie kennt – aber nicht auf eine naive Weise, sondern reflektiert.

Der Winter sieht im Video zu Way It Goes fast wie eine angenehme Jahrszeit aus.

Website von Hippo Campus.

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