Hingehört: Mighty Oaks – „Dreamers“


Künstler Mighty Oaks

Dreamers Mighty Oaks Rezension Kritik

Den Mut zum Spinnen soll „Dreamers“ beflügeln.

Album Dreamers
Label Vertigo
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

“I can be just one kind of man”, singt Ian Hooper in Don’t Lie To Me. Das trifft sicher auf die meisten von uns zu. Man wünschte nur, im Falle des Sängers der Mighty Oaks wäre diese Sorte nicht so eine ausgesprochen langweilige. Was seine Band auf ihrem morgen erscheinenden Album Dreamers abliefert, ist so etwas wie die ultimative Biederkeit.

Dabei wäre in der Karriere des Trios eigentlich das nächste Kapitel der Mighty-Oaks-Erfolgsgeschichte eingeplant. Ian Hooper (Amerikaner), Claudio Donzelli (Italiener) und Craig Saunders (Engländer) fanden über Hamburg und Berlin zusammen und landeten 2014 mit ihrem Debüt Howl, basierend auf etwas Radio-Unterstützung und vielen gefeierten Konzerten, einen Top-10-Hit in Deutschland.

Für Dreamers holten sie Produzent Ryan Hadlock (Gossip, Vance Joy, Caycuas) an Bord. Aber vom ersten Moment an ist das Album so fad, dass eine Ballade von Phil Collins dagegen wie eine Achterbahnfahrt wirkt. All I Need heißt der Auftakt, es ist eines von mehreren Liedern, in denen das Klavier eine erstaunlich prominente Rolle hat, und es ist so etwas wie ein gesungenes Sorge dich nicht, lebe: Fest entschlossen, immer bloß die guten Seiten zu sehen. Die Musik dazu weckt allerdings bereits den Verdacht: Wenn so ein harmloses Lied der Opener ist, wie unspektakulär wird dann der Rest der Platte sein?

Das bestätigt sich: Look Inside ist ein typischer Moment, nett, aber reizlos. Burn bleibt völlig frei von Spannung, in Never Look Back scheint das Schlagzeug vergeblich um mehr Tempo zu flehen, Dust klingt, als sei es die größte Sehnsucht der Mighty Oaks, möglichst bald in Rente zu gehen. Dreamers erstickt an der eigenen Gemütlichkeit – und das obwohl der Song doch gedacht ist „für die Spinner, also die Menschen, die sich erlauben zu träumen, und die sich trauen, ihren Träumen nachzugehen“, wie Ian Hooper erklärt.

Wenn er “I’ll take you to a higher place” singt wie in Higher Place, darf man sicher sein, dass das keine sexuelle Anspielung ist, und auch um Drogen wird es auf keinen Fall gehen, so rechtschaffen kommt alles auf diesem Album daher. Call Me A Friend klingt, als hätte jemand aus den Rembrandts (ihrerseits schon keine Band, die dazu neigte, die Gefühlswelt ihrer Fans in ein Fieber zu verwandeln) die Luft herausgelassen.

Es ist nicht so, dass Dreamers keinerlei Qualitäten hätte. Beispielsweise in Be With You Always, das sich neben der Eingängigkeit endlich auch mal etwas Punch wagt, kann man erahnen, was vor allem live den Reiz der Mighty Oaks ausmacht. Auch Raise A Glass wird durch Mandoline und Handclaps etwas lebendiger, mit The Great Unknown, das ein verlorenes Stück aus der Glanzzeit von Bryan Adams zu sein scheint, gelingt ein hübscher Schlusspunkt. Auch hier gilt allerdings: Nichts bleibt im Gedächtnis und nichts geht unter die Haut.

Eine Band im Ohrensessel: Auch im Video zu Be With You Always regiert die Gemütlichkeit.

Website der Mighty Oaks.

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