Hingehört: Jake Isaac – „Our Lives“


Künstler Jake Isaac

Jake Isaac Our Lives Kritik Rezension

Fast alles auf „Our Lives“ hat Jake Isaac selbst gemacht.

Album Our Lives
Label Universal
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Lonely Are The Brave, heißt der vorletzte Song auf dem heute erscheinenden Debütalbum von Jake Isaac. Der Londoner, der einer Pfarrers-Familie entstammt und dasselbe Management hat wie Elton John oder Ed Sheeran, zieht aus dieser Erkenntnis leider eine hochgradig ärgerliche Schlussfolgerung: Er verzichtet auf Our Lives komplett auf Mut. Besagtes Lied klingt wie Aloe Blacc ohne Thema und ohne Fokus, der Rest der Platte stellt seine zweifellos gute Stimme in den Mittelpunkt (so sehr, dass es fast keine instrumentalen Passagen gibt) und setzt auf sehr viel Konventionelles.

This War beispielsweise enthält einen „Ohoho“-Chor von der Sorte, die man schon seit mindestens vier Jahren nicht mehr hören will. Waiting Here will Leichtigkeit verbreiten, die durch das überstrapazierte „Uhuhu“ im Hintergrund allerdings vollkommen kalkuliert wirkt. One And Only wirkt reichlich chaotisch und zeigt damit: Jake Isaac hat zweifellos Stärken, aber er hat sie noch nicht erkannt.

Zum mangelnden Charisma dieser Platte tragen auch die größtenteils beliebigen Texte (siehe: Ohoho, Uhuhu) bei. Die Perspektive von Jake Isaac ist oft ein einsames Leiden an der Welt. „Bitte bleibe bei mir“, lautet die Botschaft im Album-Auftakt Will You Be. Die Strophe ist zurückgenommen, der theatralische Refrain wirkt umso abrupter und unpassender. Einen ähnlichen Effekt gibt es in der ersten Single des Albums, Long Road. Auch hier hat die Strophe mehr Klasse und Finesse als der bombastische Refrain, diesmal beteuert Jake Isaac sein Streben nach Unabhängigkeit.

„It’s been quite a journey in terms of dealing with different pressures from people who want you to be something that you are not, but I make my own journey. It’s written a little bit out of frustration“, sagt der Sänger, der fast alle Instrumente auf Our Lives selbst eingespielt hat, über seine Motivation. Der Albumtitel verkörpert dabei geradezu den hier überall erkennbaren Anspruch, möglichst viele Menschen einschließen und mitnehmen zu wollen – also nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen. „I wanna write songs which people can relate to and identify with, music which is about us, about humanity“, sagt er.

Freilich zeigt sein Album auch, worin der Charme von Jake Isaac liegt. Better This Way hat ein paar Passagen, vor allem am Ende, die sich intim und echt anfühlen. Auch Million Miles Away besticht mit einer schönen Atmosphäre, die nur auf akustische Gitarre und Gesang setzt und an Charlie Cunningham denken lässt. „Ich hatte ein paar Lovesongs geschrieben und meiner Managerin vorgespielt. Sie hat geweint – eine sehr merkwürdige Situation! Aber da war mir klar, dass ich es riskieren sollte“, beschreibt Jake Isaac einen Schlüsselmoment seiner Karriere, und es sind Lieder wie diese, die erahnen lassen, dass diese Anekdote womöglich sogar stimmt.

Mit dem heiteren Lose My Mind, das auch von K’Naan stammen könnte, und dem ebenfalls afrikanisch angehauchten und sehr groovigen I Got You zeigt er, dass ihm nicht nur das Reduzierte steht. Viel zu oft sind seine Songs auf Our Lives aber austauschbar, gelegentlich auch anbiedernd. Was wirklich in ihm steckt, zeigt der Engländer erst ganz am Ende der Platte. You And I Always braucht nur eine E-Gitarre und seinen eindringlichen Gesang, um zum Höhepunkt der Platte zu werden: Da hat Jake Isaac einmal nicht ein Publikum, eine Karriere oder einen Radiomacher im Hinterkopf, sondern ist ganz versunken im Gefühl dieses Songs.

Ein Mann im Wald: Auch das Video zu Long Road ist nicht gerade extravagant.

Im Mai ist Jake Isaac live in Deutschland unterwegs:

08.05. Stuttgart, Club Cann
09.05. München, Ampere
11.05. Leipzig, Taubchental
12.05. Berlin, Lido
13.05. Bremen, Tower
16.05. Hamburg, Knust
17.05. Frankfurt, Zoom
24.05. Köln, CBE

Website von Jake Isaac.

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