Draufgeschaut: Oasis – The Big Picture


Film Oasis – The Big Picture

OasisThe Big Picture Kritik Rezension

„Oasis – The Big Picture“ vereint zwei Dokumentationen über die Band.

Produktionsland Großbritannien
Jahr 2008
Spielzeit 150 Minuten
Regie Lizzy Gray, Christian Davis
Hauptdarsteller Noel Gallagher, Liam Gallagher
Bewertung

Worum geht’s?

Dieses 2-DVD-Set fasst zwei Dokumentation über Oasis zusammen. DVD 1 bietet mit Sibling Rivalry einen Blick auf die Entstehungszeit und frühen Jahre der Band aus Manchester. Die zweite DVD nimmt das 1995er Erfolgsalbum (What’s The Story) Morning Glory unter die Lupe, mit Stimmen von Beteiligten und Kritikern.

Das sagt shitesite:

Dass The Big Picture nicht zu den offiziell von der Band autorisierten Veröffentlichungen zählt, merkt man diesem Set an, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Sibling Rivalry krankt als DVD 1 erheblich daran, dass beim Blick auf die Entstehung und den rasanten Aufstieg von Oasis die Musik der Band nicht verwendet werden darf. Das hat den irritierenden Effekt, dass manchmal zwar Noel, Liam, Bonehead und Guigsy (sowie die jeweils passenden Schlagzeuger) auf der Bühne zu sehen sind, man dazu aber irgendwelche andere Pseudo-Britpop-Musik zu hören bekommt. Auch darüber hinaus wirkt vieles billig, es gibt viel Stock-Footage, ein paar wenige Statements von Noel und Liam, die aus Fernsehbeitragen oder von Nachrichtenagenturen recycelt wurden, sowie ein paar fragwürdige Interviewpartner wie die Mitglieder einer Oasis-Coverband. Immerhin: Mit Paolo Hewitt, der auch eine Oasis-Biographie geschrieben hat, und Clint Boon, Keyboarder der Inspiral Carpets (für die Noel Gallagher vor seiner Zeit bei Oasis als Roadie tätig war) als Gewährsmann für die frühen Jahre sind auch ein paar gewichtige Stimmen dabei, zudem gibt es als Bonus auf DVD 1 „The hardest interactive Oasis quiz in the world ever“, das seinem Namen durchaus Ehre macht, und eine Discographie.

Die wichtigste Erkenntnis von Sibling Rivalry ist, wie brutal Oasis in ihrer Vorgehensweise waren. Praktisch alle, die hier zu Wort kommen, bestätigen das. Die Umgangsformen in der rauen Gegend, in der sie aufgewachsen sind, gehören ebenso dazu wie der Umgang mit musikalischen Konkurrenten, die Dreistigkeit beim Klau von Ideen ihrer Vorbilder und nicht zuletzt ihr Sound. Vor allem im Vergleich zur recht beschaulichen und kollegialen Indie-Szene, aus der sie kamen, fällt das auf.

Die zweite DVD dürfte aus einem anderen Grund nicht unbedingt den Gefallen der Gallaghers finden: Die Doku ist nicht so sehr ein Making Of, sondern eine filmische Track-by-Track-Rezension, und mit dem bis heute erfolgreichsten Album von Oasis wird dabei wenig zimperlich umgegangen. Die Kritikerstimmen, etwa von Mark Beaumont (NME), John Robb (Sounds), Pat Gilbert (Mojo), Andrew Mueller (Melody Maker) und erneut Paolo Hewitt, bilden im Rückblick so etwas wie den Gegenpol zum Hype, der regierte, als Morning Glory veröffentlicht wurde. Gerade die Widersprüchlichkeit zwischen ein paar unbestreitbaren Schwächen der Platte und der Tatsache, dass sie in jedem zweiten britischen Haushalt zu finden ist und den Status von Oasis als wichtigste Band ihrer Generation auf Jahrzehnte hinaus untermauern sollte, wird hier thematisiert und erweist sich als wunderbares Thema für ein paar Seitenhiebe, kluge Analysen und Reflexionen über den Appeal dieser Band und die britische Popwelt insgesamt.

Qualitativ ist Morning Glory – A Classic Album Under Review, so der Titel dieses zweiten Teils des DVD-Sets, um Klassen besser, der Film wurde beispielsweise als „DVD of the year 2007“ von Vodafone ausgezeichnet, zudem erklingt hier tatsächlich auch Musik von Oasis. Vor allem bei den weniger bekannten Tracks von Morning Glory gibt es spannende Positionen und Anekdoten, was die Doku für Fans zu einem echten Vergnügen macht – zumindest, wenn sie ertragen können, wie einige ihrer absoluten Lieblingssongs genüsslich zerpflückt werden.

Unterm Strich schafft es die Summe der beiden Dokumentationen in Oasis – The Big Picture dann in zweieinhalb Stunden doch, so etwas wie eine Quintessenz zu vermitteln. Nämlich wie wenig dieser Erfolg zu erwarten war und mit wie viel Ehrgeiz, Begeisterung und vor allem Überzeugung Oasis daran gearbeitet haben, sich ihren Traum zu erfüllen.

Bestes Zitat:

„It’s not a job, it’s a calling.“ (Noel Gallagher, 2005)

Der komplette zweite Teil der DVD über Morning Glory.

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