Hingehört: Lola Marsh – „Remember Roses“


Künstler Lola Marsh

Lola Marsh Remember Roses Kritik Rezension

Lola Marsh sind ein Duo aus Israel.

Album Remember Roses
Label Anova Music
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Die Vergangenheit, die in die Gegenwart hinein ragt, spielt eine wichtige Rolle bei Lola Marsh. Früher, da waren Yael Shoshana Cohen und Gil Landau aus Tel Aviv mal ein Paar, jetzt sind sie ein Duo. Vor einem Jahr legten sie die EP You’re Mine vor, heute lassen sie ihr Debütalbum Remember Roses folgen. Und dessen Titel, man ahnt es, verweist ebenfalls auf Einstiges, nämlich auf die Rosen, die es früher im Garten des Elternhauses von Yael Shoshana Cohen gab, und holt sie damit ins Hier und Jetzt.

Der passende Song dazu erinnert nicht nur wegen seines Hangs zur Nostalgie an Lana Del Rey: Remember Roses beschwört das Bild einer unschuldigen Kindheit herauf, begleitet von einem schwelgerischen, mondänen Sound. Solche Momente gibt es noch öfter bei den beiden Israelis: She’s A Rainbow bietet großes Kino mit Walzertakt und aufgewühlten Streichern, wieder viel Nostalgie und noch mehr Selbstzweifel. The Wind thematisiert einen großen Abschied, und das Drama ist dabei gerade deshalb so groß, weil diese Liebe noch nicht komplett tot ist, aber unwiderruflich im Sterben liegt.

Im Gegensatz zu Mademoiselle Del Rey sind Lola Marsh aber deutlich stärker im Folk verankert. Als Einflüsse benennen sie Bon Iver, Nick Drake, Sufjan Stevens oder Fleet Foxes. Lieder wie Bluebird bestätigen das: Der Song ist erst reduziert, dann entwickelt sich ein ungewöhnlicher Shuffle. In Le Sud beschreibt das Duo ein Idyll, und so zauberhaft klingt es auch. You’re Mine, das die Platte eröffnet, entfaltet die Trägheit eines Sonntagmorgens, die zur puren Lebensfreude werden kann, wenn man nur die richtige Perspektive auf diesen Tag gewinnt. Famos: Die Atmosphäre beim Gewinnen dieser Perspektive ändert sich keineswegs durch den Text (der bleibt nach der ersten Strophe immer gleich), sondern nur durch die Musik.

Ihre Vielseitigkeit und ein paar weitere Highlights aus ihrer gar nicht kleinen Trickkiste wollen Lola Marsh auf Remember Roses auch an anderen Stellen beweisen, was zu einem für eine Folk-Pop-Platte erstaunlichen Abwechslungsreichtum führt. Die schmissige Single Wishing Girl, derzeit auch in der Fernsehwerbung für Ebay eingesetzt, setzt auf Ausgelassenheit inklusive Ukulele und Pfeifen. Sirens bietet viel Energie und Spannung, verpackt in Spaghetti-Western-Ästhetik. Morning Bells wartet mit einer eingängigen Melodie und tanzbarem Beat auf, auch wenn es sonst keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

„Die vielen Farben von Remember Roses passen einfach perfekt zu uns“, sagen Lola Marsh. Der Hang zum Bunten tut dem Album aber nicht immer gut. Stranger ist ein Beispiel dafür: Von einem sehr hübschen, akustischen Beginn entwickelt sich das Lied hin zu einem vollkommen kruden, pompösen Ende. Das klingt, als hätte man Simon & Garfunkel mit einem ganzen Orchester in die Waschmaschine gesteckt, und zwar bei viel zu hoher Temperatur. Auch Hometown ist ein Flop, denn die darin verbreitete Exaltiertheit wirkt aufgesetzt. Insgesamt ist das Album auch einen Tick zu lang, um durchweg spannend zu bleiben.

Dass Lola Marsh gerade dann besonders stark sind, wenn sie auf reduzierte Arrangements setzen, ist indes nicht unbedingt ein schlechtes Zeugnis für Remember Roses, denn es spricht letztlich für die Stärke, die ihre Kompositionen schon aus sich selbst heraus haben. Wie gut das funktionieren kann, macht In Good Times deutlich: Da bringen sie endlich den Mut auf, einen Song ganz akustisch zu belassen – und werden dafür belohnt.

Das schönsten Dinge auf der Welt sind rund, will das Video zu Wishing Girl wohl behaupten.

Im Herbst gibt es Konzerte des Duos in Deutschland.

23.10.2017   Berlin – Heimathafen
25.10.2017   Bielefeld – Forum
26.10.2017   Hamburg – Knust
27.10.2017   Köln – Stadtgarten
28.10.2017   München – Manic Street Parade Festival

Lola Marsh bei Facebook.

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