Hingehört: Sarah Lesch – „Da draußen“


Künstler Sarah Lesch

Sarah Lesch Da draußen Album Kritik Rezension

Als Rebellin präsentiert sich Sarah Lesch auf „Da draußen“.

Album Da draußen
Label Kick The Flame
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

In Thüringen geboren, in Schwaben aufgewachsen, jetzt in Leipzig angekommen, legt Sarah Lesch heute ihr drittes Album vor. Die Ortswechsel, nicht nur zwischen ihren Wohnsitzen, sondern auch während quasi permanenter Konzertreisen, hört man Da draußen an. Die Lieder zeigen, dass die 31-Jährige offensichtlich nicht nur gut mit dem Attribut „Troubadour“ leben kann. Auch mit der Bezeichnung „Liedermacherin“ hätte sie wohl kein Problem, wie ein Stück wie das sehr klassische Einmal noch zeigt: Es geht hier ums Erzählen, um Inhalte mitten aus dem Leben und um Lieder, die sich im Zweifel bloß mit einer Gitarre und ein paar Esslöffeln als Rhythmusinstrument darbieten lassen.

Percussions sind hier ebenso wichtig wie Klavier und Gitarre, gelegentlich gibt es auf Da draußen auch eine Hammond-Orgel, einen Kontrabass, eine Trompete oder ein Akkordeon zu hören. Dazwischen flaniert Sarah Lesch, mal mädchenhaft, mal ladylike. Im Kern ist das ein nicht allzu dogmatischer Folkpop, der auch mal Ausflüge in Richtung Jazz (das reduzierte Tête-à-tête) unternimmt oder mit Rock-Ästhetik flirtet wie im kraftvollen Zeitlose Kamelle oder Das mit dem Mond mit sehr schönem Harmoniegesang.

So sehr die Rolle als Rebellin und Frau, die ganz für ihre Kunst lebt, zur Vita von Sarah Lesch passt, so sehr steht ihr dieses Selbstverständnis doch manchmal im Weg. Vieles klingt hier zu gewollt, etliches auch anstrengend. „Ich bin ja so ausgeflippt, unabhängig und unkonventionell“, lautet die kaum zu überhörende Botschaft von Da draußen. Das mit Chanson- und Reggae-Elementen angereicherte Adieu will mediterran und sexy sein, klingt aber trotz seines ausgelassenen Finales eher wie ein Lied, das im Rahmen von aus Stiftungs- oder Steuergeldern finanzierter Kulturförderung entstanden ist (also, nur zur Sicherheit: komplett deutsch und unsexy). Die Ballade von Frei Johnny zeigt, wie gerne Sarah Lesch wohl „Rasseweib“ genannt werden will, womöglich in erster Linie, um sich dann darüber aufregen zu können, was das für ein herablassender Begriff ist.

Auch Lieblingsbeatle ist nicht frei von Peinlichkeiten, vor allem stört, dass Sarah Lesch die Beatles wie „Biedels“ ausspricht – da scheint die schwäbische Prägung ihre Spuren hinterlassen zu haben. Reise Reise Räuberleiter ist ein typisches Lied für Da draußen: Das ist Musik für Fans von Katzenjammer, für Hippies, Menschen mit Dreadlocks und für Best Ager, die gerne barfuß durch die Innenstadt laufen.

Freilich hat das Album auch seine Momente, vor allem glänzt Sarah Lesch immer wieder mit klugen Zeilen, die man sich auch von Judith Holofernes vorstellen könnte. Ein Highlight ist das Schlaflied: Die Melodie ist sehr nahe an My Way, aber sie macht auf sehr originelle Weise keine grandiose Ego-Feier daraus, sondern ein putziges Schlaflied. In September nimmt Sarah Lesch wieder den Blickwinkel einer Abgeklärten und Souveränen ein, wohl wissend, dass diese Perspektive der Chance auf Abenteuer im Wege steht, das sie offensichtlich so begierig sucht.

Durch Leipzig (allerdings nicht barfuß) spaziert Sarah Lesch im Video zu Reise Reise Räuberleiter.

In den nächsten Monaten gibt es reichlich Konzerte von Sarah Lesch.

Live:
12.08. Leipzig, Parkbühne Geyserhaus
15.08. Berlin, Kesselhaus Acoustics
16.08. Hamburg, Knust Acoustics
18.08. Bad Meinberg, Xperience Festival
19.08. Ahaus, mammaMia Festival
23.08. Sandersdorf-Brehna, Veranstaltungskirche Renneritz
24.08. Weißenfels, Schlossfest Weißenfels
25.08. Brunswick, Das Kult
26.08. Schenkendobern, Strand am Deulowitzer See
27.08. Halberstadt, Papermoon
03.09. Ingolstadt, Open Flair
15.09. AT-Sankt Gallen, Weihern Indoor Festival
16.09. Golzow, Zickengang
17.09. Düsseldorf, Weltkindertag Rheinuferpromenade
20.10. AT-Sankt Pölten, Bühne im Hof
21.10. Passau, Zeughaus
22.10. Sindelfingen, Pavillon
25.10. Flensburg, Kühlhaus
26.10. Bochum, Bahnhof Langendreer
27.10. Holle, Glashaus
28.10. Fulda, Kulturkeller
29.10. Jena, Kassablanca
08.11. Chemnitz, Atomino
10.11. Bonn, Pantheon Theater
11.11. Buer, Kulturwerkstatt
16.11. Königsbrunn, Matrix
17.11. Biberach an der Riss, Abdera
18.11. Blaubeeren, Zum Goldenen Nix
24.11. Cottbus, Bebel
07.12. CH-Zürich, Alte Kaserne
08.12. Gaggenau, Klagbühne
10.12. Darmstadt, Centralstation Kultur GmbH Im Carree
14.12. Freiburg, Jazzhaus
15.12. Neunkirchen, Stummsche Reithalle

Website von Sarah Lesch.

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