Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Naumanns, Leipzig


Konzert Leipzig Live Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen

40 Prozent Superpunk stehen auf der Bühne, die alten Songs werden dennoch nicht vermisst.

Die drei heimtückischen H sorgen dafür, dass mein Interview mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen nicht vor dem Konzert im Naumanns stattfinden kann. Auf dem Weg nach Leipzig standen die Jungs vor Hannover, Helmstedt und Halle im Stau. Damit trotzdem noch genug Zeit für Aufbau und Soundcheck bleibt, verschieben wir unser Gespräch auf später, nach der Show. Die Wartezeit nutze ich zu einem Abstecher in die beste Kneipe der Stadt. Dort wird philosophiert über die Fragen, ob es bei Gin Tonic auf einen besonders hochwertigen Gin ankommt (Antwort: nein), und ob sich jemand für das Spiel Schalke – Leverkusen interessiert (Antwort: nein).

Es kommt auch die Rede auf Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen und die Frage, warum sie eigentlich nicht Superpunk geblieben sind, wenn doch 40 Prozent des Personals identisch sind und auch der Sound sehr erkennbare Parallelen zeigt. „Vielleicht sind sie nicht mehr Punk“, wird an meinem Tisch als Antwort vorgeschlagen. „Vielleicht sind sie auch nicht mehr super“, vermutet eine zweite Stimme.

Dass beides nicht stimmt, zeigt das Konzert wenig später. Der Song für Eis-Bernd macht den Auftakt, es folgt Die Welt braucht mehr Leute so wie dich, spätestens beim anschließenden Kennst du Werner Enke? ist klar, dass die Hamburger nichts von ihrer Klasse und nichts von ihrem Schwung verloren haben. Super sind hier nicht nur die Songs, sondern schon sehr bald auch die Stimmung: Bei Arbeit ist ein Sechsbuchstabenwort wird in Leipzig fleißig mitgesungen, und zwar ohne dass das Publikum dazu hätte aufgefordert werden müssen, rechts der Bühne haben sich derweil ein paar Leute ihre eigene kleine Tanzfläche erobert.

Und Punk? Auch der bleibt erkennbar, vor allem in der Attitüde. Dass man es hier nicht mit „Profi-Pop“ zu tun habe, betont Sänger Carsten Friedrichs, als vor Eine Tragödie kommt niemals alleine noch einmal die Gitarre gestimmt werden muss. Wenig später reißt während eines extrem feurigen Jeder auf Erden ist wunderschön auch noch eine Saite, und immer wieder verweisen die Musiker auf die Defizite dieses Abends: Das Bandmitglied, das nach Einschätzung der Liga selbst am besten aussieht, sitzt ganz hinten auf der Bühne hinterm Schlagzeug. Der Laden ist ordentlich gefüllt, aber weit davon entfernt, aus allen Nähten zu platzen. Und auch nach gut 20 Jahren im Geschäft muss Carsten Friedrichs noch darauf hinweisen, dass man am Merchandising-Stand zwar kostenlose Aufkleber bekommt, aber auch Platten kaufen sollte, damit die Band wenigsten ein paar Einnahmen hat.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen Tourplakat

„Kommt vorbei, wird gut“, lautet das Versprechen für die aktuelle Tour.

Vor Alle Ampeln auf Gelb gibt es für die Fans in Leipzig ein paar ausführliche Informationen zu Peter-Ernst Eiffe, der im Lied besungen wird und als erster Graffiti-Künstler des Landes das Schicksal des sehr leidenschaftlichen, aber notorisch erfolglosen Überzeugungstäters mit der Liga der gewöhnlichen Gentlemen teilt. Im wundervollen You Are Great But People Are Shit, das als erste Zugabe erklingt und ungefähr doppelt so schnell gespielt wird wie in der Albumversion, taucht diese Thema wieder auf. Danach erklingt Alleine auf Partys, wieder singt das Publikum in Leipzig aus vollem Halse mit, dann ist Schluss.

Songs aus dem Superpunk-Repertoire, die es bei früheren Tourneen der Liga der gewöhnlichen Gentlemen noch gelegentlich zu hören gab, brauchen sie mittlerweile nicht mehr. Die Lieder der früheren Band werden von ein paar Besuchern vielleicht erhofft, aber von keinem hörbar eingefordert. Das Bekenntnis It’s OK To Love DLDGG hat sich bei den Fans längst durchgesetzt, und ihr Fazit für diesen Abend wird definitiv lauten: Punk und super.

Website der Liga der gewöhnlichen Gentlemen.

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