Alleingang


Film Alleingang

Alleingang Review Kritik

Mattock (Armin Rohde, links) hat eine offene Rechnung mit Zuckmaier (Alexander Held).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 89 Minuten
Regie Hartmut Schoen
Hauptdarsteller Armin Rohde, Alexander Held, Maria Schrader, Oliver Wnuk, Matthias Koeberlin
Bewertung

Worum geht’s?

Bei einem Gefangenentransport in Bayern wird der Bus mit brutaler Gewalt entführt, an Bord ist der einstige Kiez-König Mattock, der eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verbüßt. Der Gangster nimmt Geiseln und stellt erstaunliche Forderungen: Als Fluchtfahrzeug verlangt er einen Zug, seine Geiseln will er gegen die beiden Kommissare eintauschen, die ihn einst hinter Schloss und Riegel brachten, Zuckmaier und sein früherer Assistent Schübel. Es ist offenkundig, dass er sich an den beiden rächen will, doch die Polizei geht auf seine Forderung ein und schickt die beiden Ermittler in den Zug, der fortan mit drei Passagieren  – und verfolgt von den Medien, deren Aufmerksamkeit Mattock sichtlich genießt – quer durch Deutschland rollt. Die Konstellation ist noch brisanter, als Mattock ahnen kann: Denn Schübel hat Zuckmaier vor einem Jahr die Frau ausgespannt, und die einstigen Partner sind seitdem erbitterte Feinde.

Das sagt shitesite:

Vordergündig lebt Alleingang von einem Duell. Da ist Mattock: sadistisch, roh, unberechenbar. Da ist Zuckmaier als sein Gegenspieler: schweigsam, sensibel, womöglich gebrochen, seit ihn seine Frau verlassen hat. Intensiv wird das durch die phänomenalen schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller, insbesondere Armin Rohde ist großartig als tickende Zeitbombe. Der eigentliche Clou des Films ist aber, dass ein weiteres Duell hinzukommt, von dem Mattock nichts ahnt, dessen Entfaltung er dann aber umso mehr genießt. Dass Zuckmaier und Schübel kein Wort mehr miteinander reden, nun aber im Wortsinne aneinandergefesselt und aufeinander angewiesen sind, macht aus dem originellen Thriller ein klaustrophobisches Kammerspiel.

Zur Stärke der Ausgangssituation in Alleingang gehört auch, dass Mattock über weite Strecken als ausschließlich Böse dargestellt wird. Er dominiert die Szenerie im ersten Drittel des Films und macht mit jedem Satz deutlich: Er will nur seine Genugtuung und Abrechnung, er geht dabei nicht den kleinsten Kompromiss ein, zeigt keine Milde, nicht einmal Menschlichkeit. Er will „King“ genannt werden, und natürlich erkennt man schnell, dass dahinter ein Minderwertigkeitskomplex steckt, aber auch das macht ihn nicht nahbarer. Auch hier ist Zuckmaier zunächst das beinahe absolute Gegenstück: Widerwillig stellt er sich als Geisel, erduldet die Hyperaktivität von Mattock fast stoisch, spricht so gut wie gar nicht. Der Polizist ist durch die Untreue seiner Frau und den Verrat seines Kollegen in seinem Stolz verletzt, jetzt wird er zusätzlich von Mattock auf die Probe gestellt. Dass er in sich gekehrt ist, auch um mit seinen eigenen Problemen ins Reine zu kommen, und damit dann letztlich doch gar nicht so weit weg ist von Mattock, erweist sich gegen Ende des Films als wunderbare Pointe. Es ist eine von vielen überraschenden Wendungen, die dieser Film von Hartmut Schoen (Buch und Regie) nicht nur im Plot bietet, sondern auch in der Form.

Bestes Zitat:

„Ich halte nicht viel von Moral. Aber Anstand ist eine feine Sache.“

Der komplette Film.

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