Amen Dunes – „Freedom“


Künstler Amen Dunes

Amen Dunes Freedom Kritik Rezension

„Freedom“ ist das fünfte Album von Amen Dunes.

Album Freedom
Label Sacred Bones
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Natürlich ist das ein toller Trick von Ryan Adams. Er weiß genau, dass es (trotz kleiner Skandale durch Stänkern gegen die Strokes oder gegen Father John Misty) keine Sau mehr interessiert, sollte er sein 17. Studioalbum ankündigen. Also nennt er sich einfach Amen Dunes, bringt diese Platte heraus und darf sicher sein, als Reaktion nicht bloß ein „Ah stimmt, der ist ja auch noch da“ zu ernten.

Natürlich stimmt das nicht. Amen Dunes ist nicht Ryan Adams, auch wenn er auf dem heute erscheinenden Freedom manch mal so nahe an dessen Sound heran rückt, dass man vielleicht doch lieber einen DNA-Nachweis verlangen möchte, um da ganz sicher zu gehen. Skipping School ist so ein Beispiel: Wenn er mit viel Hall auf der Stimme singt „You really gotta go, yeah“, dann ist da nicht nur die etwas zurückhaltende Rock-Ästhetik von Adams zu hören, sondern auch seine Leidenschaft und Verletzlichkeit.

Freilich ist Amen Dunes (bürgerlich: Damon McMahon) auf seinem mittlerweile fünften Album eigenständig genug, um nicht bloß als das beste Ryan-Adams-Double der Welt zu fungieren. Mit der Idee, vor allem ein Gefäß, ein Medium und eine Inkarnation zu sein, kann er sich aber offensichtlich anfreunden. Denn Freedom beginnt er mit einem Zitat der 2004 gestorbenen Künstlerin Agnes Martin: „I don’t have any ideas myself; I have a vacant mind.” So kann der Mann aus New York mal wie ein waschechter Südstaaten-Romantiker klingen, der sich in einen kleinen Rausch hinein steigert (Believe), mit einem sehr verschämten Begehren in die Rolle des Dracula schlüpfen oder so klingen, als habe er tatsächlich noch keine Idee von seinem eigenen Song, sondern würde sich Text, Melodie und Akkorde erst in diesem Moment ausdenken (Freedom).

Auch die Single Miki Dora passt zu diesem Gedanken, der Song könnte eine Erinnerung von Bob Dylan an das Jahr 1963 sein, wenn er damals (oder jemals) eine Vorliebe für Groove entwickelt hätte. „Miki Dora war wohl der talentierteste und innovativste Surfer seiner Generation und zugleich der offensivste Kritiker der Kommerzialisierung des Surfens. Er war außerdem sein ganzes Leben lang ein Krimineller und Nostalgiker, eine perfekte Verkörperung der gestörten männlichen Psyche. Er war ein wandelnder Widerspruch, gleichzeitig ein Symbol für Freigeist und Inspiration, aber auch der falschen Helden, die Amerika schon immer verehrt hat. Der Text handelt von Bedauern und Erlösung am Ende der Jugend, er handelt von Miki Dora genauso sehr wie er von mir handelt, aber letztlich ist er eine Reflektion über all die Erscheinungsformen von mythischer, heldenhafter Männlichkeit und ihren Illusionen“, sagt Damon McMahon dazu.

Das Thema greift er in Time ebenfalls auf, wenn er feststellt: Niemand weinte, als Jesus starb. Der hier empfundene Schmerz scheint ein sehr unerbittlicher zu sein, glaubt man Schlagzeug und Bass. Die Religion taucht dann auch im zurückhaltenden und zugleich ungeduldigen Calling Paul The Suffering als Motiv wieder auf, ebenso in Blue Rose: Der Text handelt vom Ringen mit dem Glauben („If you want war / you’ve got war in me“), die Percussions deuten in Richtung Latin, sparsame Synthies und später eine reduzierte Gitarre fügen sich in diesen Rhythmus ein.

Zur Idee des ursprünglich leeren Geistes, der erst mit Kreativität gefüllt werden muss, passt auch die Tatsache, dass Amen Dunes wieder ein stattliches Arsenal an Mitstreitern an seiner Seite hat, von langjährigen Wegbegleitern wie Parker Kindred (Antony & The Johnsons, Jeff Buckley) am Schlagzeug über Chris Coady (Beach House) als Produzent, Delicate Steve an der Gitarre, Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs), Gus Seyffert (Beck, Bedouine) und Panoram aus Rom, der vor allem für das Hinzufügen etlicher elektronischer Elemente verantwortlich war, durch die sich Freedom recht deutlich vom Vorgänger Love (2014) unterscheidet.

In Satudarah besingt Amen Dunes das Abgewiesenwerden, das vielleicht nur darauf beruht, dass er sich nicht traut, die Angehimmelte anzusprechen, weil er befürchtet, abgewiesen zu werden. Ganz am Ende zeigt er im erstaunlich komplexen L.A. noch einmal die Grundperspektive von Freedom, die zugleich die elementare Stärke des Albums ist: eine große Verzweiflung, die doch noch Platz für eine stille Zuversicht lässt.

Der Kameramann im Video zu Miki Dora brauchte eine ganz gute Kondition.

Amen Dunes bei Instagram.

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