Amy Winehouse – ein Tod ohne Glamour 2


Für ihren Gesang war Amy Winehouse zuletzt kaum noch bekannt. Vielleicht wird das so bleiben. Foto: Universal Music/Marcel Mettelsiefen

Für ihren Gesang war Amy Winehouse zuletzt kaum noch bekannt. Vielleicht wird das so bleiben. Foto: Universal Music/Marcel Mettelsiefen

Noch eine mehr im Club 27. Zu diesem illustren Zirkel gehören Rockstars, die im Alter von 27 Jahren gestorben sind. Viel zu früh, sagt man dann gerne, und man denkt an Legenden wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin und Jim Morrison. Nun gehört auch Amy Winehouse dazu. Die britische Sängerin wurde heute Nachmittag tot in ihrer Wohnung in London gefunden. Vermutete Todesursache: Überdosis.

Überraschend kommt die Nachricht kaum. Wenn man bei Buchmachern auf den nächsten toten Rockstar wetten wollte, und die Briten finden durchaus Gefallen an solch makabren Späßen, dann bekam man für Amy Winehouse längst nur noch schlechte Quoten. Seit Jahren war ihr Image nicht von Musik bestimmt, sondern von Eskapaden.

Drogen, eine turbulente Ehe, Essstörungen – das waren die Dinge, mit denen man in der jüngeren Vergangenheit Amy Winehouse in Verbindung brachte. Dass sie eine talentierte Soulsängerin war, eine gewitzte Songschreiberin und nicht zuletzt eine Stilikone – das verblasste vor all den negativen Schlagzeilen immer mehr.

Was nun bleibt, sind gerade einmal zwei Alben, enorm erfolgreich und vielfach preisgekrönt: Frank (2003) und Back To Black (2006) – ein winziges Oeuvre. Hinzu kommt die Bestürzung über so viel vergeudetes Talent. Und die Erkenntnis, dass offensichtlich niemand willens oder in der Lage war, die Selbstzerstörung von Amy Winehouse aufzuhalten. Trotz all des künstlerischen Potenzials, trotz der lockenden Millionenverkäufe für die Plattenfirma, trotz des Erfolgs, trotz der nun beflissentlich geäußerten Bestürzung: Amy Winehouse hatte offensichtlich weder gute Freunde noch gute Berater. Ihr Fall erinnert damit an den Niedergang von Elvis Presley: Manch einer hat vielleicht versucht, das Ende zumindest hinauszuzögern, schließlich haben alle gut gelebt vom Geld und Ruhm der Skandalnudel. Viele werden sich ein reines Gewissen herbeireden mit dem Argument, Amy Winehouse habe sich schließlich selbst ins Unglück gestürzt. Aber Fakt ist: Ihr Umfeld hat sie sehenden Auges fallen lassen. Niemand hat sie wachgerüttelt, zur Besinnung gebracht, gestoppt.

Mit ihrem Niedergang hat Amy Winehouse so letztlich auch ihren Nachruhm aufs Spiel gesetzt. Es darf bezweifelt werden, dass sie im Club 27 irgendwann zu den prominenteren Mitgliedern zählen wird. Denn anders als beispielsweise Kurt Cobain oder Jimi Hendrix ist Amy Winehouse keineswegs auf dem Höhepunkt ihres Schaffens abgetreten, sondern hat seit fünf Jahren kein Album und seit drei Jahren keine Single mehr veröffentlicht. Anders als bei Jim Morrison gibt es wohl auch kaum brauchbares Archivmaterial, das sich noch posthum ausschlachten lassen und so ihren Namen in Erinnerung halten könnte.

Anders als bei den anderen Mitgliedern im Club 27 hat der Tod von Amy Winehouse auch nichts Glamouröses. Ihre letzten Jahre waren keine Dauerparty, sondern ein Siechtum. Die Boulevardpresse hat jeden Blackout, jeden Fehltritt, jeden gescheiterten Entzug dokumentiert. Dank YouTube und Handykameras waren auch die Fans Amy Winehouse auf ihrem Leidensweg so dicht auf den Fersen, dass eigentlich jeder Versuch einer Überhöhung dieses traurigen Lebens zum Scheitern verurteilt sein müsste.

Das ist vielleicht das einzig Tröstliche am Tod von Amy Winehouse: Den Mythos von „live fast, die young“ hat sie vielleicht nicht zerstört, aber zumindest als Mythos entlarvt. Wenn man sich den Tod von Brian Jones vorstellt, dann hat man vielleicht noch gutaussehende Groupies, teure Antiquitäten und Unmengen von Champagner vor Augen. Den Absturz von Amy Winehouse muss sich niemand vorstellen: Alle waren dabei. Wir haben die Aussetzer gesehen und die Busenblitzer, die misslungenen Konzerte und die irren Videos mit ihrem Kumpel Pete Doherty. Wir wissen, spätestens jetzt: Hier riecht es nicht nach Champagner. Hier riecht es nach Kotze.

In der Woche vor ihrem Tod hat sich Amy Winehouse angeblich dreimal bis zur Besinnungslosigkeit betrunken. Wenn sich der Verdacht des Drogentods bestätigt, dann ist die Sängerin von der Bühne des Lebens so abgetreten, wie bei ihrem letzten Konzert in Belgrad: torkelnd, lallend, desorientiert. Es steht zu befürchten, dass sie so auch in Erinnerung bleiben wird.

Auch hier: Dreck statt Glamour. Amy Winehouse und Pete Doherty beschäftigen sich irgendwie mit Mäusen und schaffen so eine von vielen schrägen Schlagzeilen:

Eine leicht geänderte Version dieses Nachrufs mit Fotostrecken und Videos zu Amy Winehouse gibt es auch bei news.de.


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