Bat For Lashes – „Lost Girls“


Künstler Bat For Lashes

Bat For Lashes Lost Girls Review Kritik

In Los Angeles hat Bat For Lashes „Lost Girls“ aufgenommen.

Album Lost Girls
Label Awal
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Nikki Pink ist verschwunden. Natasha Khan alias Bat For Lashes vermeldete diese Nachricht im Juni und bat ihre Fans, eine Botschaft für das vermisste Mädchen zu hinterlassen. Wie sich später herausstellte, war dies der Anfang der Kampagne, der zum fünften Album von Bat For Lashes führte. Die Idee der (wie wir heute wissen) fiktiven Ausreißerin bildet auch den losen Rahmen für die Handlung der zehn Songs von Lost Girls.

Wer nun denkt, das wäre auch eine gute Geschichte für einen Film, liegt genau auf der Wellenlänge der Künstlerin. In den Videos, die es zu den vier Vorab-Singles gibt, spielt Natasha Khan die Rolle der Nikki Pink und hat jeweils auch selbst Regie geführt. Das ist keineswegs eine Nebensächlichkeit beim Blick auf Lost Girls. Erstens wollte die 39-jährige Engländerin nach ihren vier sehr erfolgreichen Platten eigentlich im Filmgeschäft in Los Angeles Fuß fassen, am liebsten als Drehbuchautorin. Zweitens trägt die Platte, die auch in L.A. aufgenommen wurde, deutlich filmische Züge. Der Plot rund um Nikki Pink trägt dazu bei, ebenso wie stilistische Anleihen bei Soundtracks. John Williams, der beispielsweise die Filmmusik zu E.T. oder Indiana Jones gemacht hat, wurde von Natasha Khan als wichtiger Einfluss für Lost Girls benannt, ebenso wie Eighties-Pop-Acts wie Bananarama oder Cyndi Lauper.

Nostalgie ist also diesmal ein wichtiges Element bei Bat For Lashes, nicht nur klangästhetisch. Kids In The Dark macht das gleich zum Auftakt deutlich, mit Achtziger-Synthies und melancholischem Gesang. Auch danach klingen immer wieder Erinnerungen an eine Jugend an, die sich beim Erleben nicht unschuldig anfühlte, aber im Rückblick als unschuldig wahrgenommen wird. Bei Jasmine wird das mit famosem Gesang in vielen verschiedenen Klangfarben umgesetzt, in The Hunger zu einer bedrohlichen Klangkulisse voller Nebel, Begehren und Trieb. Die Beziehung zum Desert Man scheint eher einer Eiswüste zu gleichen („Your love is a nowhere land“), Vampires hat zwar keinen Text, aber ein sagenhaft stilechtes Saxofon.

Insgesamt gibt es, vielleicht nicht verwunderlich bei einer Platte, die eigentlich nebenher zu den Filmaktivitäten entstanden ist, bei Bat For Lashes diesmal deutlich mehr Referenzen und Zitate, was auf Kosten der Eigenständigkeit und Einzigartigkeit geht. Genug Höhepunkte hat Lost Girls trotzdem zu bieten. Die beiden offensichtlichen Glanzstücke sind die zwei Tracks, die sich Disco annähern: Feel For You wird rund um die Zeilen „I love you / I feel for you“ spannend und geradezu aufmüpfig, So Good stellt herrlich verspielt die bestens bekannte Frage: „Why does it hurt so good?“

Der Album-Abschluss Mountains ragt ebenfalls heraus, und zwar weil es der wärmste Moment auf Lost Girls wird. Statt der hier sonst omnipräsenten Synthesizer erklingt diesmal ein E-Piano, und wenn Natasha Khan dazu die Zeile „Sing to me in the dark“ haucht, ist das eine Aufforderung, der man kaum widerstehen kann. Noch deutlicher beantwortet Peach Sky die Frage, wieso Bat For Lashes zu solch einem Kritikerliebling (mit mehr als zwei Dutzend sehr namhafter Award-Nominierungen) geworden ist: Die Musik ist ebenso aufwühlend wie clever und der Gesang zeigt besonders am Ende des Lieds, als er nur vom Bass begleitet wird, was Intensität bedeutet.

Fünf Komplizinnen gehören im Video zu The Hunger zur Gang von Bat For Lashes.

Website von Bat For Lashes.

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