Draufgeschaut: Booty Call

Bunz (Jamie Foxx, links) und Rushon (Tommy Davidson) sind dabei, ihre Dates zu vermasseln.

Bunz (Jamie Foxx, links) und Rushon (Tommy Davidson) sind dabei, ihre Dates zu vermasseln.

Film Booty Call
Produktionsland USA
Jahr 1997
Spielzeit 76 Minuten
Regie Jeff Pollack
Hauptdarsteller Jamie Foxx, Tommy Davidson, Vivica A. Fox, Tamala Jones
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Seit sieben Wochen sind Rushon und Nikki ein Paar. Diesmal sind sie zum Essen verabredet und jeder von ihnen hat jemand mitgebracht: Bunz und Lysterine sind die jeweils besten Freunde und sollen im Idealfall gleich mit verkuppelt werden. Doch das erweist sich als schwierig: Die elegante Lysterine ist geschockt von den schlechten Manieren von Bunz. Und dann kommt auch noch heraus, dass er Rushon mit einer Wette angestachelt hat, an diesem Abend endlich zum ersten Mal mit Nikki zu schlafen. Aus dem romantischen Blind Date wird so eine chaotische Nacht.

Das sagt shitesite:

Booty Call beginnt unsagbar plump und platt: Alles steuert hier auf eine Beziehungsgeschichte zu, doch der scheinen schnell die klischeehaften Figuren und unglaubwürdigen Dialoge (denen in der synchronisierten Version auch noch der typisch schwarze Wortwitz verloren geht) im Wege zu stehen. Früh muss man dankbar sein, dass man es hier bei einer Spielzeit von gerade einmal eineinviertel Stunden mit einem äußerst kurzen Spielfilm zu tun hat.

Doch nach einem Drittel dieser Zeit kriegt Booty Call die Kurve. Und zwar, indem die Komödie nicht mehr versucht, Romantik zu bedienen oder gar authentische Figuren zu entwickeln. Die Stereotype werden stattdessen genutzt, um den Kampf der Geschlechter aufs Korn zu nehmen, und vor allem bekommt die Handlung dank des coitus interruptus als Running Gag eine absurde Dynamik, die an Ey Mann, wo ist mein Auto denken lässt. Mit viel Slapstick und derbem Humor à la American Pie wird in Booty Call die maximale Eskalation herbeigeführt – und das ist dann doch ganz amüsant.

Bestes Zitat:

“Deshalb bin ich ein Befürworter der Einwanderungsreform: Kaum seid ihr vom Schiff runter, schon fangt ihr an, die Leute zu verarschen.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Per Anhalter durch die Galaxis

Arthur Dent (Martin Freeman) sucht mit seinem Freund Ford Prefect (Mos Def, rechts) nach der großen Frage.

Arthur Dent (Martin Freeman) sucht mit seinem Freund Ford Prefect (Mos Def, rechts) nach der großen Frage.

Film Per Anhalter durch die Galaxis
Produktionsland Großbritannien
Jahr 2005
Spielzeit 92 Minuten
Regie Garth Jennings
Hauptdarsteller Martin Freeman, Mos Def, Sam Rockwell, Zooey Deschanel, Helen Mirren, Bill Nighy, John Malkovich
Bewertung ****

Worum geht’s?

Arthur Dent hat ein Problem: Er wacht morgens auf und bekommt mitgeteilt, dass sein Haus abgerissen wird, um einer Umgehungsstraße zu weichen. Wenig später werden die schlechten Nachrichten aber noch schlimmer: Die Zerstörung der Erde steht unmittelbar bevor. Glücklicherweise erweist sich Arthurs Freund Ford Prefect als Außerirdischer, der ihn rechtzeitig rettet. Die beiden reisen fortan per Anhalter durch die Galaxis – auf der Suche nach der Antwort auf die größte aller Fragen.

Das sagt shitesite:

Es ist beinahe Masochismus, sich an die Verfilmung einer derart abgöttisch verehrten Vorlage wie der von Douglas Adams zu wagen. Die Kritik all derer, die bemängeln, Per Anhalter durch die Galaxis werde dem Original nicht gerecht, ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Trotzdem ist der Film mehr als gelungen, denn er kann die wichtigsten Zutaten von Douglas Adams durchaus sein Eigen nennen: technologische Verspieltheit, großen Spaß an absurdem Humor und vor allem die Botschaft, dass wir angesichts der Unermesslichkeit des Alls weder unseren Planeten noch unsere Spezies allzu wichtig nehmen sollten.

Per Anhalter durch die Galaxis profitiert am meisten von dem ironischen Grundton, der hier unterlegt ist und sich über Religion ebenso gerne lustig macht wie über Bürokratie oder die Liebe. Die famos fantasievolle Requisite, die an Mars Attacks! denken lässt und immer wieder uralte Raumfahrt- und Computer-Ästhetik integriert, ist die optische Entsprechung davon. Vor allem aber gelingt, auch wenn sich niemals wirklich so etwas wie Spannung einstellt, ein sehr netter Mix aus Philosophie, Science Fiction und Satire.

Bestes Zitat:

“Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Nachbarinnen

Jola (Grazyna Szapolowska) sucht bei Dora (Dagmar Manzel) Unterschlupf.

Jola (Grazyna Szapolowska) sucht bei Dora (Dagmar Manzel) Unterschlupf.

Film Nachbarinnen
Produktionsland Deutschland
Jahr 2004
Spielzeit 92 Minuten
Regie Franziska Meletzky
Hauptdarsteller Dagmar Manzel, Grazyna Szapolowska, Jörg Schüttauf, Berndt Stübner
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Seit ihr Ehemann verschwunden ist, lebt Dora alleine in einer Plattenbauwohnung in Leipzig. Sie feiert ein bisschen mit den Leuten aus dem Haus und konzentriert sich ansonsten auf ihren Job als Postbotin und die Pflege ihrer Kakteen. Eines Abends steht plötzlich Jola in ihrer Wohnung, die eine Etage höher wohnt: Die Polin arbeitet als Kellnerin und glaubt, im Streit versehentlich ihren Chef erschossen zu haben. Sie will sich nicht der Polizei stellen, weil ihr dann die Ausweisung droht. Dora, die eigentlich gerade mit ihrer Schwester in den Urlaub aufbrechen wollte, nimmt sie bei sich auf.

Das sagt shitesite:

Dagmar Manzel schafft es als Dora fast ganz alleine, diesen Film zu tragen: Diese wortkarge Amazone, die ihren Liebeskummer am liebsten mit dem Handstaubsauger beseitigen würde, ist vor allem dank ihres Spiels eine beeindruckende Figur. Dora begegnet der sinnlichen Jola zunächst skeptisch, dann wird die Fremde zur Komplizin, zur Freundin und zu noch mehr – und es ist eine Freude, den beiden Hauptdarstellerinnen bei dieser Entwicklung zuzuschauen.

Nachbarinnen, das die Hochschul-Abschlussarbeit von Regisseurin Franziska Meletzky ist, gefällt aber auch als faszinierende Geschichte über einen intakten Kiez, der doch keinen Schutz vor Vereinsamung bieten kann. Und vor allem als sehr gut beobachteter Blick in die weibliche Psyche.

Bestes Zitat:

“Wer liebt, riskiert zu leiden. Wer nicht liebt, leidet schon.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Belle Epoque

Die vier Töchter von Don Manolo verdrehen Fernando den Kopf.

Die vier Töchter von Don Manolo verdrehen Fernando den Kopf.

Film Belle epoque
Produktionsland Spanien/Portugal
Jahr 1992
Spielzeit 110 Minuten
Regie Fernando Trueba
Hauptdarsteller Jorge Sanz, Penélope Cruz, Ariadna Gil, Miriam Díaz Aroca, Maribel Verdú, Fernando Fernán Gómez, Gabino Diego
Bewertung ****1/2

Worum geht’s?

Der Winter 1930/32 ist in Spanien von einer einzigen Frage geprägt: Monarchie oder Republik? Fernando, der gerade aus der Armee desertiert ist und beim alten Don Manolo unterkommt, hat aber bald noch eine ganz andere Entscheidung zu treffen. Die vier Töchter von Don Manolo kommen über den Sommer zu Besuch, und sie alle verdrehen ihm den Kopf.

Das sagt shitesite:

Traumhafte Musik, eine wundervolle Requisite, lauter schöne Menschen: Regisseur Fernando Trueba zieht alle Register, um aus Belle Epoque ein herrliches Kino-Erlebnis zu machen.

Ein so flüchtiges Wort wie “Flirt” wäre viel zu ordinär, um zu beschreiben, welcher Situation sich Fernando inmitten der vier Töchter ausgesetzt sieht. Hier geht es um Verführung, sehr erotisch und mit der Leichtigkeit einer Shakespeare-Komödie inszeniert. Der politische Wankelmut des Landes, das binnen Tagen von konservativ zu liberal und wieder zurück umschwenken kann, ist in Belle Epoque nur die Folie, vor der sich der emotionale Wankelmut abzeichnet.

Alle Figuren sind ihren Gefühlen so gut wie wehrlos erlegen, und sie können diese Ohnmacht nur deshalb ertragen, weil sie wissen, dass sie selbst genauso gut zu Verführern wie zu Verführten werden können. Das erklärt auch die erstaunliche Tatsache, dass es in Belle Epoque keine Spur von Eifersucht gibt, obwohl alle vier Töchter in Fernando verliebt sind und er sich offensichtlich nicht entscheiden kann oder will. Statt Neid regiert hier überall bloß der Wille, das Leben zu genießen. Ganz am Ende packt Belle Epoque diese Botschaft auch in eine rührende Abschiedsszene: Das einzig wirklich schlimme Gefühl ist die Einsamkeit.

Bestes Zitat:

“Ich war niemals dazu im Stande, zu rebellieren. Weder gegen die Kirche noch gegen die Armee noch gegen die Ehe. Und die ist, neben den Banken, wohl die reaktionärste, spießigste Einrichtung, die du dir vorstellen kannst.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: 7 Ans

Maite (Valerie Donzelli) sieht ihren Ehemann Vincent (Bruno Todeschini) nur noch ein paar Minuten pro Tag.

Maite (Valerie Donzelli) sieht ihren Ehemann Vincent (Bruno Todeschini) nur noch ein paar Minuten pro Tag.

Film 7 ans
Produktionsland Frankreich
Jahr 2006
Spielzeit 86 Minuten
Regie Jean-Pascal Hattu
Hauptdarsteller Valérie Donzelli, Nadia Kaci, Bruno Todeschini, Cyril Troley
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Zu sieben Jahren Haft ist Vincent verurteilt. Seine Frau Maite besucht ihn regelmäßig und versucht, die Liebe am Leben zu erhalten. Doch dann lernt sie vor dem Gefängnis Jean kennen, der ihr erzählt, sein Bruder habe ebenfalls sieben Jahre abzusitzen. Die beiden beginnen eine Affäre – und die wird zu einer perfiden Dreiecksbeziehung, als Maite herausfindet, dass Jean in Wirklichkeit ein Aufseher ist, der sich mit Vincent angefreundet hat.

Das sagt shitesite:

Drei große Stärken hat diese Low-Budget-Produktion: Erstens die sehr eindrucksvollen Schauspieler. Zweitens die Fähigkeit, das Leben hinter Gittern in authentische, einfühlsame Bilder und eine passende Atmospäre zu packen. Es gibt viel Schweigen in 7 Ans, und die Frage nach der erzählten Zeit ließe sich unmöglich beantworten.

Was diesen Film wirklich so gut macht, ist aber die dritte Stärke: seine famose Pointe. Maite vergöttert ihren Mann, aber alles, was ihr von ihm geblieben ist, ist seine Wäsche. Die Affäre mit Jean erscheint zunächst wie ein kühl kalkulierter Versuch der reinen Bedürfnisbefriedigung. Doch dann entpuppt sich Jean für sie als Brücke zu Vincent. Erst dadurch wird er für sie emotional interessant – und erst dadurch steht tatsächlich die Frage im Raum, ob er ihn ersetzen kann.

So wird in 7 Ans ein kluges Spiel aus Manipulation und unerfüllbarem Begehren entwickelt, das für alle drei Beteiligten zur Zerreißprobe wird. Am Ende müssen Maite, Vincent und Jean erkennen: Auch die maximale Selbstlosigkeit, die sich alle drei abverlangen, funktioniert nicht als Liebesbeweis.

Bestes Zitat:

“Er ist mein Mann und ich lasse ihn nicht im Stich. Glaube es oder nicht.”

Valerie Donzelli spricht über den Film:

 

Draufgeschaut: The Italian Job

Stella (Charlize Theron) will gemeinsam mit Chalie (Mark Wahlberg) den Tod ihres Vaters rächen.

Stella (Charlize Theron) will gemeinsam mit Chalie (Mark Wahlberg) den Tod ihres Vaters rächen.

Film The Italian Job
Produktionsland USA
Jahr 2003
Spielzeit 117 Minuten
Regie Felix Gary Gray
Hauptdarsteller Mark Wahlberg, Charlize Theron, Donald Sutherland, Jason Statham, Seth Green, Mos Def, Edward Norton
Bewertung ***

Worum geht’s?

Sechs Gangster stehlen gemeinsam einen Tresor in Venedig. Charlie hat den Plan geschmiedet, und sein Lehrmeister John ist ebenfalls mit von der Partie. Der Coup hat sich gelohnt, denn im Tresor sind Goldbarren im Wert von 35 Millionen Dollar. Als sie die Beute in Sicherheit bringen, werden sie allerdings von einem ihrer Mitstreiter aufs Kreuz gelegt: Steve setzt sich alleine mit dem Gold ab, erschießt John, und meint auch die anderen Kumpanen erledigt zu haben. Doch die überleben und schwören Rache. Gemeinsam mit Johns Tochter, einer Expertin fürs Tresorknacken, wollen sie es Steve heimzahlen.

Das sagt shitesite:

Über weite Strecken klässt Ocean’s Eleven hier derart grüßen, dass man sich die ganze Zeit wundert, warum George Clooney so selten im Bild ist. Ansonsten bietet The Italian Job, Remake einer britischen Vorlage aus dem Jahr 1969, sehr solides Actionkino. Es gibt flotte Sprüche, ein bisschen Technik-Improvisation wie beim A-Team, spektakuläre Verfolgungsjagden und reichlich Product Placement.

Dazu kommt die nicht ganz neue Moral, dass Ganoven eben doch ihre Ehre haben. Vor allem aber funktioniert The Italian Job, weil die Gangster-Crew mit schillernden, weitgehend überzeugenden Charakteren besetzt ist, zwischen denen sich ein kurzweiliges Beziehungsgeflecht entwickeln kann.

Bestes Zitat:

“Ich traue jedem. Ich traue nur nicht dem Teufel, der in jedem steckt.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: LOL

Lola (Christa Theret) und ihre Mutter Anne (Sophie Marceau) liegen im Clinch.

Lola (Christa Theret) und ihre Mutter Anne (Sophie Marceau) liegen im Clinch.

Film LOL
Produktionsland Frankreich
Jahr 2009
Spielzeit 107 Minuten
Regie Lisa Azuelos
Hauptdarsteller Sophie Marceau, Christa Theret, Jérémy Kapone, Marion Chabassol, Lou Lesage, Émile Bertherat, Félix Moati, Louis Sommer, Adèle Choubard
Bewertung **

Worum geht’s?

Anne ist geschieden, schläft trotzdem noch mit ihrem Ex-Mann und bekommt neuerdings ausgerechnet von einem Polizisten den Hof gemacht. Am meisten Sorgen macht ihr aber ihre Teenager-Tochter: Lola hat gerade mit ihrem Freund Arthur Schluss gemacht und ist jetzt dabei, sich in dessen besten Freund Maël zu verlieben. So viel Gefühlschaos ist alles andere als zuträglich für den Familienfrieden.

Das sagt shitesite:

Ein paar Minuten lang wirkt es, als könne LOL eine sehr schlaue Komödie über den Generationenkonflikt werden, seine Zeitlosigkeit und seine immer neuen Aktualisierungen. Die Komödie beginnt mit einer Stimme aus dem Off, die Lolas Clique und deren Lebensgefühl mit viel Selbstironie vorstellt.

Doch dann verliert LOL schnell den Faden. Das erste Drittel wirkt wie eine Zusammenstellung halbgarer Schnipsel auf GZSZ-Niveau. Danach kommt zwar etwas mehr Struktur ins Geschehen, doch Spaß kommt hier nirgends auf, Charme schon gar nicht.

Das liegt zum einen an der schlechten Synchronisation, zum anderen an der Tatsache, dass die Trends der Jugendkultur eben ein denkbar schlechtes Sujet sind für eine in der Produktion so langwierige Kunstform wie einen Kinofilm: Alles, was hier hip wirken soll, ist mittlerweile hoffnungslos überholt. Das schadet LOL umso mehr, weil der Film MySpace (statt Facebook), MacBooks (statt Tablets) und Blackberrys (statt iPhones) recht penetrant in den Mittelpunkt stellt.

Vor allem aber bleiben die Figuren zu stereotypisch und die Geschichte zu seicht. Es gibt alle klassischen Topoi von der Party bei sturmfreier Bude über den Ärger mit den kleinen Geschwistern bis hin zur schicksalsträchtigen Klassenfahrt. Und auch die Chance, Sophie Marceau in ihrer Mutterrolle in den Mittelpunkt zu stellen, als ein La Boum mit umgekehrten Vorzeichen, wird verschenkt. So sind die ersten paar Minuten leider schon das Beste an LOL.

Bestes Zitat:

“Ich bin kein Arsch. Ich bin eifersüchtig.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: State Of Play

Cal (Russell Crowe, links) soll seinem alten Freund Stephen (Ben Affleck) aus der Patsche helfen.

Cal (Russell Crowe, links) soll seinem alten Freund Stephen (Ben Affleck) aus der Patsche helfen.

Film State Of Play
Produktionsland USA
Jahr 2009
Spielzeit 127 Minuten
Regie Kevin Macdonald
Hauptdarsteller Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Jason Bateman, Jeff Daniels, Robin Wright Penn
Bewertung ****

Worum geht’s?

Stephen Collins ist ein aufstrebender Politiker und er hat einen mächtigen Gegner im Visier: den privaten Sicherheitsdienst Pointcorp, der von der US-Regierung unter anderem für Auslandseinsätze im Irak und in Afghanistan engagiert wird. Als eine Mitarbeiterin von ihm von einer U-Bahn überrollt wird und heraus kommt, dass er eine Affäre mit ihr hatte, scheint seine Karriere am Ende. Die Medien werfen ihm vor, er habe seine Kollegin in den Selbstmord aus Liebeskummer getrieben. Stephen bittet seinen Freund Cal um Hilfe, einen Zeitungsreporter. Er soll die Wahrheit herausfinden und Stephen damit rehabilitieren. Cal findet schon bald heraus, dass der angebliche Unfall in der U-Bahn mit einer weiteren Story zusammenhängt, die er gerade recherchiert. Gemeinsam mit der jungen Bloggerin Della stürzt er sich in die Arbeit – und ahnt schon bald, dass er es hier mit einem komplexen, schockierenden Komplott zu tun hat.

Das sagt shitesite:

State Of Play, das auf einer sechsteiligen BBC-Serie basiert, scheint auf den ersten Blick zu viel unter einen Hut bringen zu wollen: Überwachungsstaat und Krieg gegen den Terror, Korruption und Liebesaffären, die Grabenkämpfe zwischen Print und Online, der Wettstreit zwischen Polizei und Reportern. Doch Regisseur Kevin Macdonald gelingt es, zwischen all diesen Konflikten eine feine Balance zu halten und trotz der Reduzierung von sechs auf zwei Stunden Spielzeit keine allzu großen logischen Brüche entstehen zu lassen.

Von Anfang an gibt State Of Play Vollgas, und fast bis zur letzten Minute hält sich die Spannung dieses Politthrillers. Es bedarf dazu gar keiner spektakulären Actionszenen und keines allzu brillanten Ensembles: Der Film funktioniert in erster Linie wegen seiner packenden Story.

Wie sehr Journalisten hier zu Quasi-Ermittlern stilisiert werden, nervt zwar ein bisschen, und auch Russell Crowe ist wie immer schwer zu ertragen (er gibt den aufrechten Reporter mit einer Überdosis Abgeklärtheit, die nur noch von seinem abgefuckten Outfit übertroffen wird). Doch die Dialoge in der Redaktion, voller Zynismus, Zoten und Schlagfertigkeit, zählen zu den besten Szenen von State Of Play.

Fast jede Figur hat hier ihr eigenes Geheimnis, trotzdem wirkt nichts an ihrem Zusammenspiel konstruiert. Nicht zuletzt wird in diesen Thriller natürlich noch die nette Moral gepackt, dass das Streben nach Wahrhaftigkeit meist sehr schmerzhafte Opfer mit sich bringt. Diese Botschaft ist aber nur konsequent als Quintessenz eines aktuellen, überzeugenden und vielschichtigen Thrillers.

Bestes Zitat:

“Mein Dad hat mich immer vor Politikern gewarnt. Die einzigen Leute, die er noch weniger leiden konnte, waren Journalisten.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Eyes Wide Shut

Die Ehe von Bill (Tom Cruise) und Alice Hartford (Nicole Kidman) bekommt nach neun Jahren plötzlich Risse.

Die Ehe von Bill (Tom Cruise) und Alice Hartford (Nicole Kidman) bekommt nach neun Jahren plötzlich Risse.

Film Eyes Wide Shut
Produktionsland Großbritannien/USA
Jahr 1999
Spielzeit 153 Minuten
Regie Stanley Kubrick
Hauptdarsteller Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Todd Field, Sky du Mont, Julienne Davis, Marie Richardson, Rade Šerbedžija, Leelee Sobieski
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Bill Hartford ist ein angesehener Arzt, glücklich verheiratet und stolzer Vater. Bei einer Party trifft er einen alten Studienkollegen wieder, der ihm von mysteriösen Orgien erzählt, für die er als Pianist engagiert wird. Bill ist neugierig und will herausfinden, was dahinter steckt. Er setzt dabei nicht nur seine Ehe, sondern sein Leben aufs Spiel.

Das sagt shitesite:

Schwülstig, mondän, fleischfarben: Eyes Wide Shut setzt von Anfang an ebenso sehr auf Ästhetik wie auf Handlung. Das funktioniert nicht immer, denn gerade die mitunter redundanten Szenen einer Ehe oder die in aller Breite dargestellte, ebenso pompöse wie geheimnisvolle Welt der maskierten Swinger sorgen dafür, dass der Film einige Längen hat.

Auch sonst ist nicht alles makellos an Stanley Kubricks Umsetzung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle: Nicole Kidman glänzt zwar in der Szene, als sie ihrem Mann gesteht, dass sie ihn im Urlaub beinahe betrogen hätte. Aber ansonsten gefällt sie sich ein Stückchen zu sehr als betrunkene, kiffende, neurotische Ehefrau, die “Sex” und “ficken” sagt und gleich in der allerersten Einstellung des Films splitternackt ist.

Auch der Versuch, aus der zweiten Hälfte von Eyes Wide Shut einen Thriller zu machen, misslingt. Dafür wird alles viel zu offensichtlich erklärt. Nicht zuletzt passt das versöhnliche, konservative Ende (bei beiden Hauptfiguren dieses Kammerspiels findet der Betrug letztlich nur im Kopf statt) kaum zur Handlung und Botschaft des Films.

Denn alle Figuren in diesem Drama sind auf Verführung aus, alle spielen mit dem Feuer – und alle wissen, was sie sich mit dem Gelübde sexueller Treue abverlangen. “Die Ehe wird doch überhaupt erst dadurch reizvoll, dass sie beide Seiten zwingt, einander etwas vorzumachen”, flüstert passend dazu ein eleganter Herr gleich zu Beginn ins Ohr von Alice.

Dabei wissen alle Beteiligten in Eyes Wide Shut: Im Kampf zwischen Trieb und Vertrauen kann der kleinste Fehltritt fatal sein. Das gilt in der Ehe, und dann auch, als sich Bill Hartford in den verschworenen Zirkel des exklusiven Swingerclubs einschleicht – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Im Kern von Eyes Wide Shut steht deshalb eine recht simple Erkenntnis: Wir alle sind nicht Eheleute, Eltern oder Ärzte, sondern Menschen.

Bestes Zitat:

“Die Wirklichkeit einer verwirrenden Nacht, sogar die Wirklichkeit unseres gesamten Lebens, kann nie die volle Wahrheit sein.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Unschuld

Simone (Nadeshda Brennicke) wird heftig vom frechen Matte (Jacob Matschenz) umworben.

Simone (Nadeshda Brennicke) wird heftig vom frechen Matte (Jacob Matschenz) umworben.

Film Unschuld
Produktionsland Deutschland
Jahr 2008
Spielzeit 90 Minuten
Regie Andreas Morell
Hauptdarsteller Nadeshda Brennicke, Kai Wiesinger, Leslie Malton, Ronald Kukulies, Young-Shin Kim, Tobias Oertel, Luise Berndt, Jacob Matschenz, Aylin Tezel
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Ein Rockstar wird von einer Stalkerin terrorisiert. Eine Prostituierte will vor ihrem Zuhälter fliehen. Ein Busfahrer trifft auf eine geheimnisvolle Fremde, die er beinahe überfahren hätte. Eine Polizisten lebt mit einem kriminellen Fotografen zusammen. In diesem Episodenfilm, vage angelehnt an ein Drama von Arthur Schnitzler, werden ihre Beziehungen unmerklich miteinander verknüpft.

Das sagt shitesite:

Es wird wenig gesprochen in diesem Film, und sehr lange bleibt der Zuschauer im Dunklen hinsichtlich der Frage, wie die Figuren und Erzählstränge von Unschuld zusammenhängen. Dieser Mix aus subtiler Zurückhaltung und fast provokantem Mut ist die Stärke des Films. Denn so können sich die Schicksale entfalten und die Gemeinsamkeiten dieser Protagonisten nach und nach offenbaren.

Alle sind in Unschuld wie geschockt von ihren eigenen Gefühlen, sie wirken beinahe, als seien sie ihnen wehrlos ausgeliefert. Keiner ist hier wirklich Herr über sich selbst. Alle lügen oder verschweigen etwas – und dieser Mix aus Verunsicherung und Intensität kann schon einmal dazu führen, dass banale Hartnäckigkeit mit flammender Leidenschaft verwechselt wird.

Wohl auch deshalb zeigt der Episodenfilm seine Figuren immer wieder vor dem Spiegel: Sie versuchen, sich zu erkennen, zu vergewissern, einen klaren Blick zu bekommen. Aber sie sind gefangen in dem Wahn, dass irgendeine Begegnung womöglich den Mensch, den Moment, die Liebe bringen könnte, die alles verändert.

Bestes Zitat:

“Entschuldige, wenn du gedacht hast, ich liebe dich. Das wollte ich nicht.”

Der Trailer zum Film: