Bibio – „Ribbons“


Künstler Bibio

Bibio Ribbons Review Kritik

Für „Ribbons“ kehrt Bibio zum Songrwiting zurück.

Album Ribbons
Label Warp
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Schon nach drei Liedern sind die wichtigsten Eigenschaften von Ribbons klar, dem neunten Album von Stephen Wilkinson alias Bibio. Gleich der Auftakt Beret Girl besteht ausschließlich aus seinem meisterhaften Picking auf der E-Gitarre, und damit zeigt der Brite, dass er sich von den dezent elektronischen und sehr luftigen Sounds des Vorgängers Phantom Brickworks (2017) wieder ein gutes Stück weg bewegt hat. Mit Valley Wulf und dem Album-Abschluss Under A Lone Ash folgen später noch zwei sehr ähnliche Instrumentalstücke, die ein wenig wirken, als hätte Mark Knopfler die Angeberei vergessen.

Das folgende The Art Of Living verweist auf den klanglichen Reichtum von Ribbons. Unter anderem sorgen hier Orgel, Flöte und Naturgeräusche für einen sehr warmen und verträumten Sound. Wilkinson, den man schon zuvor mit Fug und Recht als „Multiinstrumentalisten“ bezeichnen durfte, hat sich für diese Platte zusätzlich noch Mandoline, Geige und weitere Saiteninstrumente beigebracht, und davon macht er reichlich Gebrauch. Die zauberhafte Single Curls scheint keltische Wurzeln zu haben, auch Patchouli May verweist auf Irish Folk.

Before, das dritte Stück der Platte, verweist dann auf das dritte Element, das die Musik von Bibio diesmal prägt. Es ist hörbar von Soul und vor allem Funk aus den Siebzigern beeinflusst. Auch Old Graffiti verweist sehr deutlich auf diese Ära. Der Song könnte ein Outtake aus den Sessions zu Marvin Gayes What’s Going On sein, und das ist natürlich als Kompliment gemeint.

Nicht nur damit gelingt es Bibio auf Ribbons, für viel Abwechslung zu sorgen. Ode To A Nuthatch ist eines von mehreren Instrumentals. Das Picking gibt es hier ausnahmsweise auf der Konzertgitarre, erst ganz am Ende erkennt man, dass das Rauschen, das darunter liegt, nicht einen Plattenspieler-Effekt simulieren soll, sondern vom Plätschern eines Baches stammt. Bei Quarters sind nicht nur Ästhetik und Atmosphäre an die Sixties (etwa Simon & Garfunkel) angelehnt, sondern auch die Wortwahl. Das skizzenhafte Frankincense And Coal ist nicht mal zwei Minuten lang, aber sehr hübsch.

You Couldn’t Even Hear The Bird stellt eine verwehte Gitarre ins Zentrum, der Bass scheint sich derweil noch zu überlegen, ob er mit diesem Lied wirklich etwas zu tun haben will. Beinahe mittelalterlich wirkt Erdaydidder-Erdiddar, der darin anscheinend durch Klatschen und Stampfen erzeugte Rhythmus entwickelt eine ziemlich hypnotische Wirkung. It’s Your Bones wird ätherisch und fast sogar ein wenig psychedelisch, auch durch Verse wie „If you find a place to hide / don’t forget to seal the door.“ Der Quasi-Titeltrack Pretty Ribbons And Lovely Flowers erinnert nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch im elektronischen Sound am stärksten an das letzte Album.

Besonders typisch für die Musik von Bibio ist das zunächst unspektakulär wirkende Watch The Flies, denn auch hier zeigt er, wie gut Virtuosität und Intuition bei diesem Künstler zusammen passen: Gitarre und Geige umspielen und necken sich erst, bevor sie sich schließlich immer enger umschließen.

Ein wenig psychedelisch ist auch das Video zu Curls.

Homepage von Bibio.

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