Blickpunkt Sport


Gedrungen, angriffslustig und knallig orange: der Focus ST. Foto: Ford

Gedrungen, angriffslustig und knallig orange: der Focus ST. Foto: Ford

Bekanntlich ist es ja der erste Eindruck, der entscheidend ist. Insofern hätte der Focus ST eigentlich keine Chance haben dürfen. Denn der erste Testeindruck war der Ausfall der Servolenkung bedingt durch Ölverlust und ein dadurch fälliger längerer Boxenstopp.

Doch die Sports-Technology-Variante des Kompakten aus Köln gibt sich danach alle Mühe, sich für den misslichen Start zu rehabilitieren. Das gelingt ihm auch recht schnell: Die serienmäßigen Recaro-Sportsitze umschmeicheln die Insassen, das Interieur wirkt stilsicher und geschmackvoll. Mit vier Türen (für 800 Euro Aufpreis), 385 Litern Kofferraumvolumen und einer ordentlichen Sicherheits- und Serienausstattung (beispielsweise sind ABS, ESP, Klimaanlage und sechs Airbags bereits an Bord) hat die Schräghecklimousine auch einen ordentlichen Alltagswert.

Vor allem aber wird der ST all diejenigen begeistern, die Sport im Blickpunkt haben. Das fängt bei der Optik an: Ein gedrungener, dynamischer Gesamteindruck wird durch 18-Zoll-Leichtmetallräder und (im Vergleich zum normalen Focus) andere Stoßfänger und einen Angriffslust vermittelnden Kühlergrill unterstützt.

Dazu kommen Seitenschweller und ein Dachspoiler, der aussieht, als entstamme er einem Nasa-Forschungszentrum und hätte ursprünglich dem Space Shuttle zu mehr Bodenhaftung verhelfen sollen. Vor allem im knalligen Orange, das Ford als Hausfarbe für seine ST-Modelle vermarktet (dafür aber 1200 Euro Aufpreis verlangt), vermittelt der Focus ST schon im Stand Potenz und Aggressivität.

Man sieht ihm durchaus die Rallye-Gene an, die auch den Vorgänger RS prägten. Das setzt sich im Innenraum fort. Ein Blick genügt, und das Design sagt einem: Entspannen kann man woanders. Neben den Sportsitzen sind es die gelochten Alu-Pedale und vor allem drei zusätzliche Uhren auf der Mitte des Armaturenbretts (für Öltemperatur, Öldruck und Turbo-Ladedruck), die hier für Rennsport-Flair sorgen.

Dass dies bei weitem nicht nur Kostümierung für eine ansonsten brave Maschine ist, wird vor allem deutlich, wenn die Nadel für den Druck des Turboladers ausschlägt. Dann fühlen sich die 225 PS, die der Fünfzylindermotor aus 2,5 Litern Hubraum holt, nach deutlich mehr an. Bei Vollgas aus dem Stand ist der Focus kaum zu bändigen: Die Vorderräder drehen kurz durch, bis die Antriebsschlupfregelung greift, mitunter muss man gegensteuern, um den Wagen in der Spur zu halten.

Hat man dann aber erst einmal Fahrt aufgenommen (in sieben Sekunden sind die 100 km/h erreicht, bei Tempo 240 ist Schluss), geht der Spaß los: Das bedrohliche, sonore (und sehr angenehme) Grummeln, das der Focus unter 2000 Umdrehungen von sich gibt, weicht bei hochtouriger Fahrt einem heiseren Röhren, von dem man kaum genug bekommen kann. Lenkung und Schaltung lassen hinsichtlich der Präzision keine Wünsche offen, das Fahrwerk ist straff abgestimmt, ohne unbequem zu sein.

Das Beste aber ist zweifelsohne der Motor. Neben der reinen Kraft der 225 Pferdestärken und der Turbo-Power ist es vor allem die Elastizität, die eine Fahrt im ST zum Vergnügen macht: Von 1600 bis 4000 Touren liegen durchweg 320 Newtonmeter Drehmoment an. Damit beschleunigt der Focus so gut, dass man sich mitunter fragt, wofür die ersten drei Gänge überhaupt da sind. Selbst enorm schaltfaules Fahren bringt kaum Einbußen an Dynamik mit sich, auch bei niedrigen Drehzahlen hat der Wagen einen sehr ordentlichen Durchzug. Das verführt zu sportlichen Manövern, die zwar den Verbrauch in die Höhe treiben, aber dafür einen mehr als fairen Gegenwert in Form von Fahrspaß liefern. Und einen schlechten ersten Eindruck fast vergessen machen können.

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