Bob Mould – „Patch The Sky“


Künstler Bob Mould

Bob Mould Patch The Sky Review Kritik

Bob Mould nennt „Patch The Sky“ düster und eingängig.

Album Patch The Sky
Label Merge Records
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Am 6. Februar 2015 stand Bob Mould auf der Bühne der Late Show von David Letterman. Gemeinsam mit einem Schlagzeuger und einem Bassisten spielte er ein Medley aus Tomorrow Morning und Kid With A Crooked Face, zwei Stücken vom damals aktuellen Album Beauty & Ruin, der bisher kommerziell erfolgreichsten Platte in seiner langen Karriere. Nach Aussagen von Augen- und Ohrenzeugen waren die drei Menschen auf der Bühne so laut, dass der Staub von den Dachbalken des Ed Sullivan Theatre herabrieselte.

„Danach wäre es logisch gewesen, die Punkrock-Route zu nehmen und ein Album voller 2-Minuten-Songs zu machen“, sagt Bob Mould. „Aber so habe ich mich nicht gefühlt. Ich habe mich stattdessen aus dem Alltagsleben zurückgezogen. Ich habe ganz alleine geschrieben, ein halbes Jahr lang. Ich liebe Menschen, aber ich brauchte einfach meine Einsamkeit. Diese Suche nach meiner ganz eigenen Wahrheit hat mich am Leben erhalten. Diese Lieder sind meine Erlösung.“

Die Durchschnittslänge der zwölf Lieder auf Patch The Sky liegt nun stattdessen bei 3:40 Minuten, und statt einem Inferno hört man auf dem achten Soloalbum des bei Erscheinen dieser Platte 55-Jährigen zunächst ein sehr souveränes, beinahe gelassenes Rock-Songwriting: Der Auftakt Voices In My Head ist auf spektakuläre Weise unspektakulär, spätestens im Schlussteil merkt man aber, wie viel Leidenschaft darin steckt. Auch später lässt der ehemalige Hüsker-Dü-Mann keinen Zweifel daran, wie viel Power er noch hat. The End Of Things ist wild, schnell und rustikal, Pray For Rain wird sagenhaft krachig, Hands Are Tied klingt wunderbar frisch und tatendurstig. You Say You beginnt wie eine Explosion und bewahrt auch danach sein Feuer. Wenn die Melodie von Daddy’s Favorite nicht so ausgefeilt wäre, könnte man einige Passagen darin für Metal halten.

„Ich hatte einen guten Lauf, was emotional belastende Zeiten angeht, danke im Voraus für euer Mitgefühl“, witzelt Bob Mould über die Erfahrungen, die Patch The Sky prägen, und zählt dann auf: „Weitere Todesfälle, das kürzer werdende Leben und Beziehungen, die zu Ende gingen – ich will nicht ins Detail gehen, weil das alles ohnehin in den Songs steckt.“ Er empfindet die Platte deshalb im Vergleich zu den beiden Vorgängern als „noch dunkler“, zugleich aber auch als besonders eingängig. „Ich strebe immer das perfekte Gleichgewicht aus fröhlichen Melodien und düsteren Geschichten an. Mit diesem Gegensatz arbeite ich schon seit Jahren. Diesmal habe ich auf einen besonders deutlichen Kontrast gesetzt.“

Losing Time zeigt das in Reinkultur, es ist heiter im Sound, aber im Prinzip Punk. Hold On strahlt Wärme und Sensibilität aus, aber keine Weinerlichkeit. Lucifer And God wirkt etwas getragen, aber nur das Tempo ist darin geringer, nicht das Energielevel. In Losing Sleep dominiert anfangs der Rhythmus, dann kann man fast so etwas wie Gemütlichkeit erleben. Black Confetti zeigt noch einmal, wie sehr die Gitarre beim Mann aus New York am Anfang von allem steht und alles dominiert, Monument beschließt Patch The Sky als Ballade, die bestimmt Noel Gallagher gefallen würde.

Das ist nicht so atemlos und Furcht einflößend wie das Gastspiel bei Letterman, funktioniert als Konzept in Summe aber blendend. Und besser als Bob Mould selbst kann man diese Platte nicht zusammenfassen: „The words make you remember. The music makes you forget.“

Auch im Video zu Voices In My Head ist Bob Mould mit sich selbst allein.

Website von Bob Mould.

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