Colonia Dignidad


Film Colonia Dignidas – Es gibt kein zurück

Colonia Dignidad Kritik Film Review

Daniel (Daniel Brühl) und Lena (Emma Watson) sind nach dem Putsch in Chile in Gefahr.

Produktionsland Deutschland, Luxemburg, Frankreich
Jahr 2015
Spielzeit 110 Minuten
Regie Florian Gallenberger
Hauptdarsteller Emma Watson, Daniel Brühl, Mikael Nyqvist
Bewertung

Worum geht’s?

Der deutsche Fotograf und Grafiker Daniel ist seit vier Monaten in Chile. Er genießt die Atmosphäre eines Landes, in dem sich die Menschen für eine bessere Zukunft engagieren und unterstützt als Teil einer Studentengruppe den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Auch seine Freundin Lena, die als Stewardess arbeitet und so oft wie möglich ein paar Tage bei ihm in Santiago de Chile verbringt, genießt die aufregende Zeit in der für sie exotischen Umgebung. Mehr als die politische Agitation fasziniert sie dabei die Leidenschaft, mit der Daniel sich für die Regierung einsetzt. Als Allende im Herbst 1973 durch einen Militärputsch gestürzt wird, sind die beiden als ehemalige Unterstützer des Präsidenten allerdings in Gefahr. Das neue Regime unter Augusto Pinochet macht Jagd auf alle Sozialisten. Auch Daniel wird geschnappt, verschleppt und gefoltert. Als er sich von den Torturen erholt hat, wird ihm klar: Er ist in der Colonia Dignidad gelandet, der Siedlung einer deutschen Sekte unter Führung von Paul Schäfer. Hier sind nicht nur harte Arbeit, militärische Disziplin und eine strenge Trennung der Geschlechter an der Tagesordnung, sondern auch Kindesmissbrauch, Schikanen und Misshandlungen bei Fehlverhalten. Zudem kooperiert Schäfer mit dem neuen Diktator und lässt Regime-Gegner wie Daniel auf dem Gelände seiner Siedlung unauffällig aus dem Weg schaffen. Daniel simuliert, er sei nach den Folgen der Folter geistig eingeschränkt, um einen Weg zur Flucht zu finden. Was er nicht ahnt: Lena hat sich mittlerweile freiwillig in die Siedlung begeben, weil sie bei ihm sein will. Auch sie hatte keine Ahnung, in welch brutaler Welt sie dabei landen würde.

Das sagt shitesite:

Das größte Problem von Colonia Dignidad ist der Auftakt. Fast 20 Minuten kreist der Film um nur zwei Aussagen. Erstens: Daniel und Lena sind schwer verliebt. Zweitens: Sie leben in gefährlichen Zeiten. Das wird schnell redundant und wirkt letztlich wie eine etwas zu ausgiebige Rechtfertigung dafür, das reale historische Geschehen anhand dieser beiden fiktiven Hauptfiguren, auch noch angereichert durch eine Liebesgeschichte, auf die Leinwand zu bringen.

Danach entwickelt sich aber ein guter Film zwischen Gefängnisdrama (nichts anderes ist das Lager, in dem Daniel und Lena landen, in vielen Momenten assoziiert der Film auch durch seine Ästhetik sogar beinahe KZ-ähnliche Zustände) und Polit-Thriller (das gilt nicht so sehr für die Szenen des Militärputsches in Chile, sondern vielmehr für die zweifelhafte Rolle der deutschen Politik bei der Duldung/Unterstützung der Sekte von Paul Schäfer, aus der es schon frühzeitig Hinweise auf menschenunwürdige Zustände gab). Die Atmosphäre von Colonia Dignidad ist klaustrophobisch, der Plot wird nach dem zähen Beginn tatsächlich spannend, die Figuren sind überzeugend, die Hintergründe sind gut recherchiert. Vor allem gilt das für die Methoden zwischen pseudo-christlicher Fürsorge und totalitärer Unterdrückung, mit denen innerhalb der Sekte gearbeitet wurde.

Letztlich erweist sich auch die Konstellation mit der Romanze als hilfreich: Dass Lena freiwillig, aus Liebe zu Daniel, in das Lager gegangen ist, verstärkt die Wirkung der menschenverachtenenden Entbehrungen und Erniedrigungen, denen die Mitglieder ausgesetzt sind. Ebenso wird sein Drang zur Flucht verstärkt, denn er will die Erlebnisse nicht nur veröffentlichen, um so die  dunklen Machenschaften von Paul Schäfer und der neuen Regierung in Chile ans Licht zu bringen, sondern natürlich auch Lena wieder zur Freiheit verhelfen.

Bestes Zitat:

„Der Herr liebt uns in all unserer Unvollkommenheit.“

Der Trailer zum Film.

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