Contagion


Film Contagion

Contagion Review Kritik

Mitch (Matt Damon, links) ist immun gegen das neue Virus.

Produktionsland USA
Jahr 2011
Spielzeit 106 Minuten
Regie Steven Soderbergh
Hauptdarsteller*innen Matt Damon, Kate Winslet, Marion Cotillard, Laurence Fishburne, Gwyneth Paltrow, Armin Rohde, Jude Law
Bewertung

Worum geht’s?

Beth ist auf einer Dienstreise nach Hongkong. Bevor sie nach Hause zu Mann und Kindern in Minneapolis zurückkehrt, trifft sie sich noch in Chicago mit ihrem Liebhaber. Zwei Tage später ist sie tot, kurz darauf auch ihr Sohn Clark. Ihr Ehemann Mitch sucht Erklärungen und erfährt: Beth ist an einer bisher unbekannten Viruserkrankung gestorben, das Kind hat sich bei ihr angesteckt, während Mitch selbst offenbar immun gegen den neuartigen Erreger ist. Genauere Untersuchungen ergeben, dass die Krankheit sehr ansteckend und sehr tödlich ist. Nicht nur die Medizin ist alarmiert, sondern bald auch die Politik und schließlich die Weltgesundheitsorganisation, denn aus Beth als erstem Todesopfer werden weltweit Tausende in einer beinahe ungehemmten Pandemie. Während die Wissenschaft auf der Suche nach dem Ursprung der Krankheit, der Aufklärung der Übertragungswege und möglichen Therapien und Impfstoffen ist, wird die Armee eingeschaltet, um Massengräber zu schaufeln und halbwegs die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. In der Zwischenzeit füllen sich die Kliniken und Quarantänestationen – und im Internet kursieren Verschwörungstheorien und Heilsversprechen, die für noch mehr Verunsicherung sorgen.

Das sagt shitesite:

Schaut man Contagion inmitten einer Corona-Welle, ist zunächst erstaunlich, wie verdammt realistisch der Film ist. Das ist nicht ganz verwunderlich: Steven Soderbergh ist bekannt dafür, sich seinen Themen eher nüchtern zu widmen, zudem hat er sehr genau den Verlauf der SARS-Pandemie 2002/03 recherchiert und sich obendrein umfangreich wissenschaftlich beraten lassen. Von Covid-19 konnte er noch nichts ahnen, aber es ist frappierend, wie präzise dieser Film aus dem Jahr 2011 dem tatsächlichen Verlauf der aktuellen Pandemie entspricht. Das beginnt bei einem vermeintlichen Gag über den Ursprung der Krankheit auf einem asiatischen Marktplatz („Irgendwo in der Welt traf das falsche Schwein auf die falsche Fledermaus.“) und reicht über die Ursachenforschung der Wissenschaft und ihre Sorge vor Mutationen, die Rasanz der Ausbreitung, der die Trägheit der Behörden nicht gewachsen ist, und die Überlastung des Gesundheitssystems bis hin zu politischem Kalkül auf Kosten von Menschenleben, Panik, Hamsterkäufen und Plünderungen sowie dem ersehnten Impfstoff als Rettung.

Gekonnt versetzt der Regisseur sein Publikum in die Situation, die auch wir alle seit Ende 2019 zwangsläufig erlebt haben: Um das Risiko einschätzen und im Alltag minimieren zu können, gilt es zunächst, einen Crashkurs in Infektionskrankheiten und Epidemiologie zu durchlaufen. Auch dabei geht Soderbergh künstlerisch ebenso dezent wie elegant vor: Am Beginn von Contagion steht ein harmloses Husten, noch ohne dass man sehen könnte, von wem es kommt. Dann wird nur in Bildern die Dynamik der Verbreitung gezeigt, inklusive der Klarstellung: Dieses Virus trifft alle Regionen der Welt, alle Klassen, alle Altersschichten. Immer wieder nutzt er nur einfach hintereinander geschnittene Bilder, um Übertragungswege und Kontaktflächen ins Bild zu setzen, ebenso wie die verschiedenen Versuche, sich mit der neuen Krankheit und ihren weltweiten Folgen zu arrangieren. Auch diese sind aus der Corona-Realität bestens bekannt: Wir erleben die Verzweiflung, Fassungslosigkeit und zunächst auch Sorglosigkeit der Angehörigen, dann den Versuch der Privilegierten, ihre eigenen Familien zuerst in Sicherheit zu bringen. Wir erleben Menschen, die sich profilieren wollen, und Menschen, die profitieren wollen. Wir erleben Teenager, die all die sozialen Möglichkeiten und Herausforderungen ihres eigenen Heranwachsens verpassen, und Erwachsene, denen es deutlich leichter fällt, an eine abstruse Verschwörung zu glauben, als ihre Ohnmacht gegenüber Natur und Biologie zu akzeptieren.

Erstaunlich ist dabei auch, wie unsentimental all das – immerhin in einem Hollywood-Katastrophenfilm – erzählt wird. Vor lauter Kampf ums Überleben und Bewältigen des Alltags bleibt den Figuren in Contagion nicht einmal Zeit für Trauer, und dieses Hamsterrad-Gefühl überträgt sich auch auf die Zuschauer*innen: Man ist eher fassungslos als aufgewühlt, eher gelähmt als gerührt. Bewegend wird das Werk dafür auf einer abstrakten Ebene, denn es zeigt einerseits, wie fragil unser Zusammenleben durch die weltweite Vernetzung (sowohl durch den internationalen Reiseverkehr als auch die Online-Welt) geworden ist, wie sehr wir andererseits für unser gemeinsames Überleben genau auf dieses globale Miteinander angewiesen sind. Die immanente Tragik einer Infektionskrankheit sorgt hier für die Fallhöhe: Genau das, was uns zu Menschen macht, nämlich soziale Kontakte, Berührungen und Austausch, wird in einer Pandemie zur Bedrohung für unsere Spezies, weil sich genau in diesen Situationen das Virus verbreitet. Auch das Dilemma, das Covid-19 uns täglich so deutlich vor Augen stellt, macht Contagion auf clevere Weise überdeutlich: Wir sind soziale Wesen, deshalb können wir uns so gut gegenseitig anstecken. Und wir sind Egoisten, deshalb können wir uns so schlecht gegenseitig schützen.

Bestes Zitat:

„Es ist schwer zu wissen, was es ist, wenn man nicht weiß, woher es kommt.“

Der Trailer zum Film.

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