Corona-Musik 1 mit Max Raabe, Samy Deluxe, PABST, June Cocó und Oh Wonder


Max Raabe Samy Deluxe

Links Max Foto, rechts nicht Samy Deluxe. Gregor Hohenberg / Deutsche Grammophon / Promotion-Werft

Covid-19 ist gerade dabei, unser aller Leben lahm zu legen, natürlich geht das auch an der Musikwelt nicht vorbei. Etliche Künstler verschieben ihre anstehenden Veröffentlichungen, weil sie befürchten, dass beispielsweise ein neues Album mitten im Lockdown nicht die erhoffte Aufmerksamkeit bekommt. Der Konzertbetrieb steht still, der Festivalsommer scheint sich gerade in Luft aufzulösen, mit erheblichen finanziellen Folgen nicht nur für Musiker und Veranstalter, sondern auch für alle, die sonst in dieser Branche arbeiten, vom Lkw-Fahrer bis zum Beleuchter. Natürlich sorgt Corona aber auch für interessante musikalische Effekte, frei nach dem Motto: kreativ durch die Krise. Viele Künstler suchen neue Wege, um ihr Publikum zu erreichen, es gibt auch schon erste Songs, die sich mit der Pandemie und ihren (möglichen) Folgen beschäftigen. Weil wir davon ausgehen müssen, dass uns das Virus noch eine Weile begleitet, versammelt Shitesite ab jetzt in loser Folge interessante „Corona-Musik“.

Die erste kommt von Keno Hybro Seferagic. Er hat gerade Ich bleib zu Haus (***1/2) veröffentlicht (inklusive eines amüsanten Animationsvideos), einen Remix des Stücks Der perfekte Moment … wird heute verpennt, das sich auf dem Unplugged-Album von Max Raabe findet, mit Samy Deluxe als Gaststar. Keno Hybro Seferagic nennt es „seine musikalische Version eines chilligen Tages daheim“, Samy Deluxe attestiert treffend, das Stück passe „überraschend gut in die Zeit gerade“ und lässt noch den Hinweis “Bleibt home, ihr Bazillenschleudern“ folgen. Die heitere Reggae-Atmosphäre hilft jedenfalls gut gegen Corona-Blues. „Heut’ steh’ ich nicht auf / ich wüsst’ auch nicht wozu“ – vielleicht ist das ja die beste Herangehensweise, um die Pandemie zu überstehen.

Auch PABST haben erkannt, dass bestehendes Material in der aktuellen Situation eine neue Note bekommen kann. Shake The Disease (****) war schon auf ihrem letzten Album Chlorine enthalten, jetzt veröffentlicht dias Trio aus Berlin den Song noch einmal als Quarantäne-Version mit neuem Refrain: „Shake the disease / Stay home in quarantine / If you wanna meet your friends / you can do it on a screen“! Sie selbst gehen mit gutem Beispiel voran und bieten auch ein neues Video dazu an, das natürlich in Isolation gedreht wurde. Zum alleine durchs Zimmer hüpfen dürfte sich derzeit kaum ein besserer Soundtrack finden.

Allen, denen Kontaktsperre und soziale Distanz schon heftig zusetzen, will June Cocó einen Lichtblick namens Happy Song (***1/2) schenken. Das Stück ist als Hidden Track auf ihrem aktuellen Album Fantasies & Fine Lines enthalten, die dazugehörige Tour musste die in Leipzig ansässige Künstlerin wegen Corona unlängst abbrechen. Kenner werden schnell merken: Der Song stammt im Original von der australischen Singer-Songwriterin Alex The Astronaut. In der Klavierversion von June Cocó (es gibt wirklich nur Piano und Gesang) kann man in der Tat viel Sehnsucht nach Unbeschwertheit erkennen, bei der Musik oft so herrlich tröstlich sein kann. „Ich finde, Happy Song ist genau der richtige Song für die Zeit gerade. Diese Aufnahme war ursprünglich in ihrer puristischen Version ein Geschenk an einen Freund. Ich habe mich selbst wahnsinnig in den Song verliebt und ihn in mein Live-Programm mit aufgenommen. Immer wenn ich ihn dann live gespielt habe, hat er das Publikum und den Raum zum Strahlen gebracht. Ich habe gemerkt, wie der Song glücklich macht. Ein Happy Song, der thematisch mit einer Situation umgeht, die eigentlich ziemlich ungewiss ist. Die Geschichte erzählt auch von Abschied, die Zukunft bleibt offen. So ist es eben manchmal im Leben. Man weiß nicht genau, wie es weiter geht, aber man versucht das Beste daraus zu machen“, sagt June Cocó. „Vielleicht schafft es dieses Lied, in dieser ungewissen und absurden Situation, in der wir uns gerade befinden, dem einen oder anderen ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Um ein bisschen mehr Leichtigkeit in den Tag zu bringen.“

Das Duo Oh Wonder ist gerade in London in den eigenen vier Wänden eingeschlossen und hat diese Tatsache sehr schnell für eine Reihe neuer Songs genutzt, die Josephine und Anthony während des Lockdowns schreiben, umgehend zuhause aufnehmen und passenderweise Home Tapes nennen. Keep On Dancing (****) ist das zweite Lied daraus, es handelt vom 30. Geburtstag der Sängerin, der eigentlich groß gefeiert werden sollte, nun aber ausfallen muss. „I’m at my birthday party by myself”, lautet die Erkenntnis, aber Oh Wonder lassen sich davon – wie schon in Lonely Star, dem ersten Song dieser Reihe, zu dem sie ebenfalls ein Video aus von Fans gesandtem Material gebastelt haben – offensichtlich nicht unterkriegen. Weitermachen trotz der Widrigkeiten, Zusammenhalten, auch wenn man alleine ist, die guten Seiten sehen, auch in einer Krise – das wird hier herrlich umgesetzt. „A band to be alone with”, jubelt The Times. Scheint zu stimmen.

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