Corona-Musik 2 mit JP Saxe & Julia Michaels, Das Ding ausm Sumpf, Bon Iver und OK Dad


JP Saxe & Julia Michaels Review

JP Saxe & Julia Michaels haben einen Benfiz-Song erneut genutzt. Foto: Promotion Werft

Covid-19 kann auch gute Seiten haben, sogar in der Musikwelt. Beiträge mit dieser Überzeugung stellt Shitesite in der Corona-Musik vor. Heut geht es um Songs und Aktionen, die Ausdruck von Solidarität, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt sind.

So zeigen sich JP Saxe & Julia Michaels gerade wohltätig. Gemeinsam haben der Kanadier und seine Grammy-nominierte Duettpartnerin ein neues Video zu ihrem gemeinsamen Song If The World Was Ending (****) veröffentlicht. Alle Einnahmen gehen an Ärzte ohne Grenzen, um bei deren Einsatz gegen die Pandemie zu unterstützen. Das Lied, ursprünglich geschrieben nach dem Erdbeben in Los Angeles im Juli 2019, passt inhatlich natürlich perfekt, wie auch die beiden Musiker schnell bemerkten. „Wir sind so dankbar für die unglaubliche Arbeit, die von den Menschen an vorderster Front während dieser globalen Pandemie geleistet wurde. Wir baten einige unserer Freunde, dieses Lied mit uns zu singen, um einer Organisation zu helfen, die uns sehr am Herzen liegt – Ärzte ohne Grenzen. (…) In einer Zeit, in der es sich manchmal anfühlen kann, als ob ‚die Welt untergeht‘, danken wir allen Mitarbeitern des Gesundheitswesens, den Ersthelfern und wichtigen Mitarbeitern, die so vielen Menschen in Not helfen. Bitte bleibt zu Hause, bleibt sicher!“ Für den Clip haben sie reichlich prominente Verstärkung gewonnen, und weil Großherzigkeit belohnt werden soll, zählen wir sie hier in der Reihenfolge ihres Erscheinens (und Mitsingens) alle auf: H.E.R., Niall Horan, Keith Urban, Finneas, Alessia Cara, Jason Derulo, Kesha, Zara Larsson, Kelsea Ballerini, Sam Smith, The Rose, Anthony Ramos, Pink Sweat$, Jordan Davis, Sasha Sloan, Anne Marie, Noah Cyrus, Lindsey Stirling, Fletcher, Sabrina Carpenter, Evaluna Montaner, Camilo, Sam Nelson Harris (X Ambassadors), Maeta, Mau y Ricky und Florida Georgia Line. Die einmalig-wohlige Atmosphäre des Songs wird durch diese Vielzahl von schnell hintereinander geschnittenen Stimmen zwar ein wenig gestört, dafür sind gleich mehrere Künstler dabei, von denen man sich wünscht, sie würden das ganze Lied singen – nicht der schlechteste Effekt.

Zumindest praktische Hilfe bietet Das Ding ausm Sumpf an. Sein neues Video zu MiniDisc (***1/2) enthält Lifehacks zur Bewältigung schwieriger Situationen. Das Stück ist vom Album kränk, das seit März draußen ist. Auslöser der Krise ist in diesem Fall, dass eine Frau von ihrem Mann verlassen wurde. Erst dann merkt sie, wie destruktiv diese Beziehung war. „Das war meine Zeit, die du verschwendet hast / Mit deinem Schweigen, deinem feigen ‚Alles bestens, Schatz!'“, muss sie nun feststellen. Der Münchner Rapper, der einst Operngesang und dann Volkswirtschaft studiert hat, ist auch selbst Krisen-gebeutelt, denn wegen der Corona-Einschränkungen musste er erstens die geplante Tour zum Album mit 35 Stationen absagen und konnte zweitens nicht das geplante MiniDisc-Video drehen. Stattdessen hat er 13 Frauen gebeten, in kleinen Filmclips zu zeigen, mit welchen Tricks sie selbst Liebeskummer und Ärger über den Ex überwunden haben. „Lifehacks von 13 Frauen! Wir befinden uns in einer nie da gewesenen weltweiten Krise. Höchste Zeit also für Bewältigung. Und warum zu MiniDisc von Das Ding ausm Sumpf? Weil die erste Krise im Leben meistens die war, in der er immer beteuert, dass alles in Ordnung ist und dann plötzlich feige die Zelte abbricht und geht“, sagt Stefan Mühlbauer, wie Das Ding ausm Sumpf bürgerlich heißt. Die gezeigten Tricks reichen von Essen und Biertrinken über Fensterputzen und Sport bis hin zu Kettensägeneinsätzen und Yoga. Ein paar eigene Anti-Corona-Strategien hat der Künstler auch selbst entwickelt. So hat er unter dem Motto „Live in Quarantäne“ ein Set im Münchner Cord Club aufgezeichnet, zudem hat er die Livestream-Reihe „Konzerte im Überall“ ins Leben gerufen. „Alle Konzerte abgesagt. Nirgends, wo man noch spielen kann. Wirklich nirgends? Ne, überall!“, lautet seine Begründung für dieses Konzept. Wer in München unterwegs ist, sollte also die Augen auf halten – das geht ja auch mit Mund-Nasen-Schatz.

Direct Relief ist eine Initiative, die in Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden, NGOs und Unternehmen dafür sorgt, dass Einsatzkräfte in den USA und der ganzen Welt mit Schutzausrüstung versorgt werden, um dann in Notlagen helfen zu können. An diese Hilfsorganisation gehen alle Erlöse von PDLIF (***1/2) , dem neuen Song von Bon Iver. Insbesondere wollen sie damit das Gesundheitspersonal unterstützen, das gerade erstens durch die vielen Krankheitsfälle besonders belastet und zweitens bei mangelnden Schutzvorkehrungen selbst besonders von einer Infektion gefährdet ist. Zudem spenden Bon Iver gerade 10 Prozent aller Merchandising-Verkäufe an Feed My People und den Chippewa Valley Artist Relief Fund, zwei Organisationen in Wisconsin, die Corona-Betroffene unterstützen. Den neuen Song haben Justin Vernon, Jim-E Stack und BJ Burton produziert, Fundament ist ein Sample von Alabaster dePlumes Visit Croatia. Die drei Musiker haben nacheinander daran gearbeitet und sich ihre jeweiligen Beiträge geschickt, alles lief also hinsichtlich des empfohlenen Mindestabstands höchst vorbildlich. Dass der Songtitel für Please Don’t Live In Fear steht, passt natürlich bestens zum Thema, der Song hat alle zehn Sekunden eine überraschende Wendung zu bieten, getragen von einer angejazzten Atmosphäre und dem Eingeständnis seiner eigenen Zerbrechlichkeit. Ehrenwert.

Auch KID DAD aus Paderborn sammeln Spenden, und zwar für Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Der Corona-Bezug ist klar: Die Quarantäne gilt auch für dysfunktionale Familien, wo sich Spannungen jetzt vielleicht noch viel öfter in Schlägen entladen, zumal in einer auch draußen bedrohlichen Zeit. Die Band hat deshalb die Aktion „SAFE In A Box“ gestartet. Dazu gehört spezielles Merchandising (Buttons, Armbänder, Aufnäher etc.), das Marius, Max, Michael & Joshua selbst gestaltet haben und über ihre Website vertreiben. Die Erlöse gehen an SOS Kinderdorf und die NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children). Die Herstellungs- und Versandkosten übernimmt dabei die Band, die bezahlten Beträge kommen also vollständig dem guten Zweck zu. „Wir als KID DAD thematisieren Isolation und das Gefangensein in unseren Songs und möchten deshalb Aufmerksamkeit auf diesen Umstand lenken. (…) Wir sind uns bewusst, dass wir die Welt damit nicht verändern können, aber wenn auch nur einem einzigen Kind geholfen wird, dann ist diese Kampagne ein Erfolg“, lautet die schlüssige Begründung des Quartetts für ihr Engagement, zu dem bald auch Aktionen direkt in SOS Kinderdörfern gehören sollen. Passend dazu gibt es auch ein neues Video zu Limbo (***1/2), einen erfreulich an Blackmail erinnernden Song „für die tägliche Selbsttherapie“, wie KID DAD sagen. „Bin ich ein guter oder ein schlechter Mensch? Gefangen zwischen Sein und Nicht-Sein kann jede Winzigkeit entscheidend sein.“ Der Clip wurde von der Band selbst konzipiert und greift das Thema häusliche Gewalt ebenfalls auf.

Zum Abschluss ein Blick aufs System und auf eine schöne Hilfsaktion: Die wunderbare Plattenfirma Grand Hotel van Cleef, Heimat etwa von Kettcar, Muff Potter, Fortuna Ehrenfeld oder Thees Uhlmann, hat die Kampagne #StayAtHomebola ins Leben gerufen. Man ahnt schon: Es gibt etwas zu gewinnen, und zwar mit jedem Los, das man unter http://tombola.ghvc.de für je 5 Euro erwerben kann (bis 22. April). Für die Teilnehmer winken beispielsweise signierte Tonträger, Wein oder Fußballtickets (jedes Los gewinnt etwas), die Erlöse kommen der Belegschaft von Grand Hotel van Cleef sowie den betroffenen Acts zugute, die Initiatoren wollen damit ein Zeichen setzen: „Nicht nur für uns als Firma bedeutet die jetzige Zeit Unsicherheit und finanzielle Engpässe in der Zukunft, sondern natürlich auch für viele unserer Künstler/innen. Ob es Gagen, die nicht fließen, Flugtickets, die nicht mehr erstattbar, Kosten, die bereits vorab entstanden sind: Wir sehen uns in der Pflicht, unsere Belegschaft und die angeschlossenene/n Künstler/innen so gut es uns möglich ist zu unterstützen. Das Prinzip ‚Tombola’ haben wir schon auf mehreren unserer Events erprobt und es hat sich stets größter Beliebtheit erfreut. Und da GHvC und vermeintlich dumme Ideen schon seit jeher gut zusammen passen, machen wir das jetzt einfach online“, lautet die Begründung für die Aktion. Mitmachen!

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